Glossar

 

Oberflächeninfrastruktur

Die Oberflächeninfrastruktur ist Bestandteil eines geologischen Tiefenlagers.

Ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle besteht auch aus Anlagen an der Erdoberfläche oder in Oberflächennähe. Diese «Oberflächeninfrastruktur» wird für die Realisierung und den Betrieb des Tiefenlagers benötigt. Sie besteht aus Oberflächenanlage, Nebenzugangsanlagen, Bauten für die Erschliessung und Ausbruchdeponien. Zudem sind temporäre Flächen für Baustelleninstallationen notwendig.

Zum Abschluss von Etappe 2 hat der Bundesrat Ende 2018 folgende Räume für eine Oberflächenanlage festgelegt: JO-3+ (Jura Ost, Gemeinde Villigen), NL-2 und NL-6 (Nördlich Lägern, Gemeinden Weiach bzw. Stadel) sowie ZNO-6b (Zürich Nordost, Gemeinden Marthalen und Rheinau).

Geologische Standortgebiete mit den in Etappe 2 vom Bundesrat als Zwischenergebnis bezeichneten Standortarealen für die Oberflächenanlage eines geologischen Tiefenlagers

In der Oberflächenanlage (vgl. Abb.) werden die Abfälle angeliefert, für die Einlagerung vorbereitet und dann über einen Hauptzugang zu den Lagerstollen in der Tiefe transportiert. Als Hauptzugang kommen Schächte oder Tunnel in Frage.

Schema der Oberflächenanlage am Beispiel eines Kombilagers für schwach- und mittelaktive sowie hochaktive Abfälle.

Elemente der Oberflächenanlage
1   BE/HAA-Verpackungsanlage
2   SMA-Verpackungsanlage
3   Transportbehälterbehandlungs­anlage
4   Abwasser- und Betriebsabfall­behandlungsanlage
5   Aufbereitungsanlage Verfüll-/ Versiegelungsmaterialien
6   Energieversorgungs-Einrichtungen
7   Lüftungsgebäude
8   Anlieferungsschleuse Bahn
9   Pforte
10 Administrationsbereich
11 Werkstätten
12 Garagen
13 Feuerwehrgebäude
14 Besucherzentrum

Neben der Oberflächenanlage (Hauptzugang) sind auch Nebenzugänge erforderlich. Nebenzugangsanlagen versorgen den unterirdischen Teil des Lagers unter anderem mit Strom und Frischluft sowie dienen dem Transport von Baumaterial und Personen.

Entsprechend ihrer Funktion gibt es drei Arten von Nebenzugangsanlagen: eine Nebenzugangsanlage Betrieb, eine Nebenzugangsanlage Lüftung sowie eine kombinierte Nebenzugangsanlage Betrieb und Lüftung. Die Nebenzugänge werden in der Regel als Schächte ausgestaltet, die an die Lage der Anlagen im Untergrund gebunden sind. Im Gegensatz zu den Standortarealen für Oberflächenanlagen ist der Freiraum zur Anordnung der Nebenzugangsanlagen dadurch kleiner. Eine Anlage am oberen Ende eines Schachtes wird im klassischen Bergbau auch als Schachtkopfanlage bezeichnet.

 

Visualisierung einer Nebenzugangsanlage Lüftung

 

Visualisierung einer Nebenzugangsanlage Betrieb

 

Visualisierung einer kombinierten Nebenzugangsanlage Betrieb und Lüftung

Im Hinblick auf die Rahmenbewilligungsgesuche konkretisiert die Nagra in Etappe 3 die Oberflächeninfrastruktur in den drei verbleibenden Standortgebieten Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost in Zusammenarbeit mit den Regionen. Die Nagra hat im Mai 2019 standortspezifische Vorschläge für die Oberflächeninfrastruktur veröffentlicht, die als Diskussionsbasis mit den Regionen dienen.

Mehr Informationen zur Konkretisierung der Oberflächeninfrastruktur in Zusammenarbeit mit den Regionen erhalten Sie auf der Unterseite «Zusammenarbeit» und in unserer Broschüre «Oberflächeninfrastruktur für geologische Tiefenlagerung – Vorschläge zur Konkretisierung».
Parallel zur Konkretisierung der Oberflächeninfrastruktur untersucht die Nagra die verbleibenden Standortgebiete weiter mit Tiefbohrungen.

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