Glossar

 

Oberflächeninfrastruktur

Die Oberflächeninfrastruktur ist Bestandteil eines geologischen Tiefenlagers.

Ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle besteht auch aus Anlagen an der Erdoberfläche oder in Oberflächennähe. Diese «Oberflächeninfrastruktur» wird für die Realisierung und den Betrieb des Tiefenlagers benötigt, während die Abfälle selbst in Kavernen und Stollen im tiefen Untergrund eingelagert werden. Diese Infrastruktur besteht aus Oberflächenanlage, Nebenzugangsanlagen, Verpackungsanlage, Bauten für die Erschliessung und Ausbruchdeponien. Zudem sind temporäre Flächen für Baustelleninstallationen notwendig.

Ende 2018 hat der Bundesrat in den drei Standortregionen folgende Räume für eine Oberflächenanlage festgelegt: JO-3+ (Jura Ost, Gemeinde Villigen), NL-2 und NL-6 (Nördlich Lägern, Gemeinden Weiach bzw. Stadel) sowie ZNO-6b (Zürich Nordost, Gemeinden Marthalen und Rheinau). Der Bundesrat hat auch entschieden, dass die Entsorgungspflichtigen in Zusammenarbeit mit den Regionalkonferenzen und dem jeweiligen Standortkanton auch die Platzierung der Verpackungsanlagen für die radioaktiven Abfälle ausserhalb der Standortregion prüfen können.

Diskussion in den Regionen: Oberflächeninfrastruktur

Im Hinblick auf die Rahmenbewilligungsgesuche konkretisiert die Nagra nun die Oberflächeninfrastruktur in den drei verbleibenden Standortgebieten Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost in Zusammenarbeit mit den Regionen und Kantonen. Die Nagra hat im Mai 2019 standortspezifische Vorschläge für die Oberflächeninfrastruktur veröffentlicht, die als Diskussionsbasis mit den Regionen dienen.

Mehr Informationen dazu erhalten Sie in unserer Broschüre «Oberflächeninfrastruktur für geologische Tiefenlagerung – Vorschläge zur Konkretisierung».

Standort der Verpackungsanlage wird diskutiert

Im August 2020 wurde unter Federführung des BFE mit den Regionen und Kantonen die Diskussion um einen externen Standort der Verpackungsanlage für hochaktive Abfälle gestartet. Als Grundlage für die überregionale Zusammenarbeit hat die Nagra einen Arbeitsbericht veröffentlicht, in dem die Vor- und Nachteile verschiedener Varianten zur Platzierung der Anlage dargestellt werden.

Geologische Standortgebiete mit den in Etappe 2 vom Bundesrat als Zwischenergebnis bezeichneten Standortarealen für die Oberflächenanlage eines geologischen Tiefenlagers

In der Oberflächenanlage (vgl. Abb.) werden die Abfälle angeliefert, für die Einlagerung vorbereitet und dann über den Hauptzugang zu den Lagerkammern in der Tiefe transportiert. Als Hauptzugang kommen Schächte oder Tunnel in Frage.

Schema einer Oberflächenanlage am Beispiel eines Kombilagers für schwach- und mittelaktive sowie hochaktive Abfälle.

Elemente der Oberflächenanlage
1   BE/HAA-Verpackungsanlage (BEVA)
2   SMA-Verpackungsanlage
3   Transportbehälterbehandlungs­anlage
4   Abwasser- und Betriebsabfall­behandlungsanlage
5   Aufbereitungsanlage Verfüll-/ Versiegelungsmaterialien
6   Energieversorgungs-Einrichtungen
7   Lüftungsgebäude
8   Anlieferungsschleuse Bahn
9   Pforte
10 Administrationsgebäude
11 Werkstätten
12 Garagen
13 Feuerwehrgebäude
14 Besucherzentrum

Neben der Oberflächenanlage (Hauptzugang) sind auch Nebenzugänge erforderlich. Nebenzugangsanlagen versorgen den unterirdischen Teil des Lagers unter anderem mit Strom und Frischluft sowie dienen dem Transport von Baumaterial und Personen.

Entsprechend ihrer Funktion gibt es drei Arten von Nebenzugangsanlagen: eine Nebenzugangsanlage Betrieb, eine Nebenzugangsanlage Lüftung sowie eine kombinierte Nebenzugangsanlage Betrieb und Lüftung. Die Nebenzugänge werden in der Regel als Schächte ausgestaltet, die an die Lage der Anlagen im Untergrund gebunden sind. Im Gegensatz zu den Standortarealen für Oberflächenanlagen ist der Freiraum zur Anordnung der Nebenzugangsanlagen dadurch kleiner. Eine Anlage am oberen Ende eines Schachtes wird im klassischen Bergbau auch als Schachtkopfanlage bezeichnet.

 

Visualisierung einer Nebenzugangsanlage Lüftung

 

Visualisierung einer Nebenzugangsanlage Betrieb

 

Visualisierung einer kombinierten Nebenzugangsanlage Betrieb und Lüftung

«Heisse Zelle» zum Umladen von hochaktiven Abfällen im Zwischenlager in Würenlingen – eine ähnliche Anlage wäre das Herzstück einer Verpackungsanlage (BEVA). Foto: Zwilag AG

Die meisten hochaktiven Abfälle der Schweiz lagern verpackt in Transport- und Lagerbehältern in Zwischenlagern. Vor der Entsorgung in einem geologischen Tiefenlager müssen sie dereinst in einer BEVA (Verpackungsanlage für hochaktive Abfälle) in kleinere Endlagerbehälter umverpackt werden.

Es gibt verschiedene Optionen für die Platzierung:

  • Als Teil der Oberflächeninfrastruktur eines Tiefenlagers
  • Bei einem der bestehenden Zwischenlager
  • Bei den Kernkraftwerken Leibstadt und Gösgen
  • An einem völlig neuen Ort («grüne Wiese»)

Aus Sicht der Nagra wird die BEVA am sinnvollsten beim Tiefenlager oder extern beim Zwischenlager in Würenlingen betrieben, weil dies die meisten Synergien ergeben wird. Beispielsweise betreibt das ZWILAG bereits eine Umladezelle für hochaktive Abfälle. Zudem werden unnötige Transporte zu neuen Standorten vermieden. Wo diese Anlage stehen soll, wird derzeit diskutiert.

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