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Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

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24.11.2011

Besucherzentrum Felslabor Mont Terri eröffnet

Anlässlich der Feier zur Eröffnung des neuen Besucherzentrums des Felslabors Mont Terri begrüsste Bundesrat Ueli Maurer am 5. September in St-Ursanne JU rund hundert Gäste aus Wissenschaft und Politik

Im Felslabor erforschen 14 Organisationen aus 8 Ländern die Eigenschaften des Opalinustons. Dieses Tongestein kommt in der Schweiz für die Lagerung radioaktiver Abfälle in Frage. Das Besucherzentrum ist ab sofort für alle Interessierten offen.

Rund zwei Jahre dauerten Planung und Bau des Besucherzentrums Mont Terri in St-Ursanne. Unter der Leitung von Gabriel Jeannerat, Architekt aus St-Ursanne, errichteten vornehmlich jurassische Firmen den modernen und schlanken Bau in kurzer Zeit.

Am 5. September konnte das Besucherzentrum eröffnet werden. Eine der Öffentlichkeit zugängliche Ausstellung bringt den Gästen die Forschung im internationalen Felslabor Mont Terri näher. Die am Labor beteiligten Organisationen werden vorgestellt, allgemeine Fakten zur Radioaktivität behandelt und technische Aspekte der Entsorgung radioaktiver Abfälle aufgezeigt.

Interessierte Gruppen können sich auf anschauliche Weise über den aktuellsten Stand der nuklearen Entsorgung informieren. Damit unterstreicht die Ausstellung die Rolle des Felslabors als offene Diskussionsplattform. Alle sind eingeladen, anschliessend an den Besuch des Zentrums das Felslabor im Opalinuston zu erleben.

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Der mit Holz ausgekleidete Bau neben dem Bahnhof St-Ursanne beherbergt einen Vortragssaal und eine Ausstellung, die der Bevölkerung die Forschung im internationalen Labor näherbringt.

 

Das 2009 gegründete Konsortium «Besucherzentrum Mont Terri» hat das Besucherzentrum geplant und gebaut. Der Kanton Jura ist Eigentümer des Felslabors und überwacht Betrieb, Forschung und Information.

Anmeldung kostenloser Besuche

Renate Spitznagel: 056 437 12 82 renate.spitznagel@nagra.ch

 

Bundesrat Ueli Maurer, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), bei der Eröffnungsfeier des Besucherzentrums und bei der Besichtigung des Felslabors Mont Terri am 5. September 2011. Dem VBS untersteht auch das Bundesamt für Landestopografie (swisstopo); diesem obliegt die Betriebsleitung des Felslabors.

 

Etappe 2 des Sachplans: Mitsprache der lokalen Bevölkerung läuft an im Rahmen der regionalen Partizipation

 

Nagra-Projektleiter Philipp Senn: «Eine konstruktive Zusammenarbeit ermöglicht optimierte Lösungen».

 

In den nächsten Wochen wird der Entscheid des Bundesrates zu den im Jahr 2008 von der Nagra vorgeschlagenen geologischen Standortgebieten erwartet. Damit wird die Etappe 1 des Sachplans geologische Tiefenlager (SGT) abgeschlossen und die Etappe 2 kann anlaufen. Im Zentrum der Etappe 2 stehen die aktive Teilnahme der lokalen Bevölkerung an der Standortsuche und ihre Mitsprache bei wichtigen Fragen. Die Verfahrensleitung obliegt dem Bundesamt für Energie (BFE). Die Nagra hat zu Beginn der Etappe 2 die Aufgabe, konkrete Vorschläge für die Platzierung und Erschliessung der Empfangsanlagen an der Oberfläche zu erarbeiten. Diese Projektvorschläge bilden die Basis und mithin den Ausgangspunkt der regionalen Partizipation. Nagra-Info befragte Philipp Senn, den verantwortlichen Projektleiter Partizipation der Nagra, über die anstehenden Schritte.

Philipp Senn, was ist denn unter Partizipation zu verstehen?

Zur Abgrenzung möglicher Standortregionen für geologische Tiefenlager wurden in Etappe 1 des Sachplanverfahrens geologisch-technische Kriterien angewandt. Zu Beginn der Etappe 2 wird das Hauptaugenmerk auf die Festlegung konkreter Standorte für die Empfangsanlagen an der Oberfläche und auf mögliche Auswirkungen eines Tiefenlagers gelegt. Dazu sollen die Standortregionen als «Experten der Region» für lokale Fragestellungen in das Verfahren einbezogen werden. Diese Zusammenarbeit wird regionale Partizipation genannt.
Für die Umsetzung der Mitarbeit im Rahmen der regionalen Partizipation ist im Lauf der letzten eineinhalb Jahre in jeder Region durch ein Startteam eine sogenannte Regionalkonferenz aufgebaut worden (mit Ausnahme der Region Wellenberg).

Wie soll denn diese Regionalkonferenz funktionieren?

Ähnlich wie ein Parlament. Der Konferenz gehören zwischen 80 und 120 Mitglieder an, welche vom Startteam möglichst breit abgestützt aus Behördenvertretern, regionalen Organisationen (z.B. interessierten Vereinen) und der Bevölkerung der Region rekrutiert werden. Die Konferenz wird von einer mehrköpfigen Leitungsgruppe geführt. Auch werden Fachgruppen gebildet, die sich wie Parlamentskommissionen in spezielle Fachfragen vertieft einarbeiten. Begleitet wird die Konferenz in erster Linie vom Bundesamt für Energie.

Welche Aufgaben kommen auf die Regionalkonferenz zu?

Als Diskussionsgrundlage wird die Nagra pro Standortregion mehrere mögliche Areale für die Empfangsanlage vorschlagen. Diese werden voraussichtlich im Frühjahr 2012 in den Regionen an Informationsveranstaltungen vorgestellt. Danach diskutieren die Regionalkonferenzen die verschiedenen Varianten.
Der Sachplan geologische Tiefenlager bezeichnet für die Partizipation folgende Schwerpunktthemen:

  • Beurteilung der von der Nagra erarbeiteten Vorschläge zur Platzierung, Ausgestaltung und Erschliessung der Oberflächeninfrastruktur (z.B. Empfangsanlage); gegebenenfalls auch Ausarbeitung eigener Vorschläge.
  • Erarbeitung von Strategien, Massnahmen und Projekten für die nachhaltige Entwicklung ihrer Region respektive Aktualisieren bereits bestehender Konzepte.
  • Einbringen spezifischer Aspekte der Region als Grundlage für sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudien, welche vom BFE in Zusammenarbeit mit den Standortregionen in Auftrag gegeben und durchgeführt werden.
  • Die Regionalkonferenz kann sich in eigener Regie mit weiteren Fragen auseinandersetzen, die im Zusammenhang mit dem allfälligen Bau und Betrieb eines Tiefenlagers stehen.

 

Mögliche Organisationsstruktur einer Regionalkonferenz während der Etappe 2 des Sachplans.

 

Was ist regionale Partizipation?

Im Rahmen des Sachplans geologische Tiefenlager bezeichnet die regionale Partizipation ein wichtiges Instrument der möglichen Standortregionen zur Mitwirkung im Sachplanverfahren. Mit diesem Instrument entwickeln und formulieren Bevölkerung, Institutionen sowie Interessengruppen in oder aus der jeweiligen Standortregion ihre Forderungen, Anliegen, Fragen, Bedürfnisse und Interessen zuhanden des Bundes und der Gemeinden der Standortregion.

Modellhafte Oberflächenanlage für hochaktive Abfälle (HAA). So könnte eine Empfangsanlage für hochaktive Abfälle aussehen. Das grösste Gebäude ist die Brennelement-Verpackungsanlage (BEVA). Wie und wo eine solche Anlage gebaut werden soll, wird in den Regionen im Jahr 2012 intensiv diskutiert.

 

Neben dem eigentlichen Tiefenlager im Untergrund stehen vor allem auch die bereits erwähnten Bauten an der Erdoberfläche im Fokus der Diskussion. Wie hat man sich eine solche Anlage vorzustellen?

Es werden verschiedene kleinere und grössere Gebäude auf einem Areal von etwa 5 ha (SMA) bis 8 ha (HAA) erstellt: Büro- und Betriebsgebäude, Lüftungsanlagen, Fahrzeug und Geräteschleusen sowie eine Verpackungsanlage für die angelieferten Abfälle. Zur untertägigen Erschliessung werden neben einem Tunnel auch Schachtanlagen erforderlich sein.

Im Zusammenhang mit diesen Oberflächenanlagen war kürzlich in den Medien von einer «Atomfabrik» die Rede. Was sagen Sie dazu?

Dieser Ausdruck wurde als plakative Bezeichnung für die Brennelement-Verpackungsanlage (BEVA) verwendet. In der BEVA werden die verbrauchten Brennelemente aus den Transportbehältern genommen, in die kleineren Tiefenlagerbehälter umgeladen und so neu verpackt. Vergleichbare Arbeiten sind heute bereits weltweit Routine, in der Schweiz beispielsweise im Zentralen Zwischenlager ZWILAG. Das Umladen und der Verschluss der Behälter erfolgen in einem abgeschirmten, massiven Gebäudeteil, der auch gegen mögliche Folgen eines Flugzeugabsturzes oder Erdbebens ausgelegt ist. Wie bereits in den Baukonzepten des Nagra-Entsorgungsprogramms 2008 dokumentiert, ist diese BEVA ein integrierender Bestandteil des Gesamtsystems «Tiefenlager», das als Nuklearanlage der Aufsicht und Bewilligung durch die Fachbehörden im Rahmen der Kernenergie-Gesetzgebung untersteht.

Regionale Partizipation: Was geben Sie dem Leser, der Leserin mit auf den Weg?

Der Nagra obliegt gemäss Sachplan die Aufgabe, Vorschläge zur Anordnung und Ausgestaltung der notwendigen Oberflächeninfrastruktur zu erarbeiten. Die Regionen können dazu Stellung nehmen und auch eigene Vorschläge einbringen. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihre Region am besten. Ihre Meinung und ihr Fachwissen zur Platzierung und Ausgestaltung einer Empfangsanlage sind wertvoll und gefragt. Übergeordnetes Ziel ist es, Projekte so zu konkretisieren, dass sie möglichst gut vereinbar sind mit den Interessen und Entwicklungsplänen der beteiligten Region: Eine konstruktive Zusammenarbeit ermöglicht optimierte Lösungen!

Wichtige Kriterien für die Platzierung der Empfangsanlagen

Kriterium technische Machbarkeit und Eignung
Erschliessung; Lage und Situation des Standortareals; Zugangskorridor ins Tiefenlager; Baustelleninfrastruktur.

Kriterium Raum- und Umweltverträglichkeit
Mineral- und Thermalwassernutzung; Natur- und Landschaft, Kulturgüter, Ortsbilder; Ressourcenschonung; Grundwasser und Gewässer; Naturgefahren. 

Kriterium Kompatibilität mit Vorstellungen der Region
Heutige Nutzung; Einsehbarkeit, Zersiedelung, Siedlungsnähe; Naherholung.

 

ModellhafteOberflächenanlage für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA)

 

Seismische Messungen in der Nordschweiz

Die Nagra berichtete im letzten Info über die geplanten seismischen Messungen in den beiden Regionen Nördlich Lägern und Jura Ost. Inzwischen wurde alles für den Beginn der Arbeiten vorbereitet und die Messungen starteten am24. Oktober im Kanton Aargau und enden voraussichtlich Anfang März 2012 im Kanton Zürich. Total werden ca. 260 km Messlinien aufgenommen. Vibrationsfahrzeuge oder kleine Sprengladungen (in wenigen Metern tiefen Bohrlöchern) erzeugen schwache Schwingungen, die an den Gesteinsschichten reflektiert und an der Oberfläche gemessen werden. Die Behörden, die Bevölkerung und die Medien werden während der Messkampagne informiert. Besucher können sich jeweils selbst ein Bild von den Messungen machen.

Vibrationsfahrzeuge, mit denen schwache Schwingungen (seismische Wellen) in den Untergrund abgegeben werden. In unwegsamem Gelände kommt ein kleines Bohrgerät für Sprengseismik zum Einsatz.

 

Website Nagra: Das Wichtigste in 20 Minuten

Die Website der Nagra wurde im September durch einen einfach erklärten Einstiegsteil ergänzt. Neun wichtige Aspekte im Zusammenhang mit der Entsorgung radioaktiver Abfälle in der Schweiz sind kurz und für alle verständlich dargestellt. «In 20 Minuten schnappt man damit wesentliche Argumente zur Entsorgung radioaktiver Abfälle auf», sagt Meinrad Ammann, Leiter Publizistik der Nagra und Verantwortlicher für die Website. Wer sich mehr in die Materie vertiefen will, kann zu jedem Thema mit einem Klick zu technisch anspruchsvolleren Fakten gelangen. Durch Animationen und Kurzfilme werden die Besucher der Website zusätzlich unterstützt.

Korrigenda Vergletscherung

Betrifft nur die gedruckte Ausgabe "info Nr. 35"  

Im letzten Nagra-Info publizierten wir einen Artikel zum Thema «Tiefenlager und Gletscher» mit einer Verbreitungskarte der Vergletscherung in der Schweiz, die den Stand während der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) zeigt. Das dazu abgedruckte Vergletscherungsbild des Wehntals vor rund 230’000 Jahren stammte aus einer Bildersammlung des Mammutmuseums in Niederweningen. Leider war in der deutschsprachigen Version dieser Ausgabe die zugehörige Legende falsch. Die Karte zeigt nicht wie angegeben die maximale Gletscherausdehnung in der Schweiz vor rund 700’000 Jahren, sondern die maximale Vergletscherung der Schweiz während der letzten Eiszeit, welche vor rund 10’000 Jahren endete. Für diesen Fehler entschuldigt sich die Nagra bei den Leserinnen und Lesern und bedankt sich für alle entsprechenden Zuschriften.

Maximale Gletscherausdehnung in der Schweiz während der letzten Eiszeit. Schön zu sehen die vollständige Bedeckung der Alpen und die grossen Gletscherzungen, die aus den Alpen ins Mittelland vorstiessen. Bild: swisstopo

 

Harmonisierung der Entsorgungspläne in Europa

Der Rat der Europäischen Union (EU) hat am 19. Juli 2011 eine Richtlinie über die Entsorgung verbrauchter Brennelemente und radioaktiver Abfälle verabschiedet. Diese Richtlinie ist bereits in Kraft getreten. Die Mitgliedsstaaten müssen demnach über ihre ersten nationalen Programme bis 2015 Bericht erstatten. Schwerpunkt der Richtlinie ist die Forderung an jeden EU-Mitgliedsstaat, einen nationalen Entsorgungsplan aufzustellen, der umfassende Massnahmen für bereits vorhandene sowie noch anfallende radioaktive Abfälle und verbrauchte Brennelemente vorsieht. Dies soll Transparenz schaffen und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen bei der Entsorgung und der Endlagerung von Nuklearabfällen gegenüber der Öffentlichkeit gewährleisten. Die Entsorgungspläne sollen mindestens alle zehn Jahre überprüft und in regelmässigen Abständen weiterentwickelt werden. Die Richtlinie sieht vor, dass die Kosten der Entsorgung der Nuklearabfälle diejenigen tragen, die sie erzeugt haben (Verursacherprinzip, in der Schweiz bereits umgesetzt). Ferner werden künftig die von der Internationalen Atomenergie- Organisation (IAEO) entwickelten Sicherheitsstandards rechtsverbindlich sein. Die verabschiedete Richtlinie weist darauf hin, dass die letzte Verantwortung für die Entsorgung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle bei den einzelnen Mitgliedsstaaten liegt.

Entsorgungsprogramm der Schweiz Technischen Bericht NTB 08-01
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