Glossar

 

Newsletter / e-info

Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

Zurück zur Übersicht

31.07.2014

Provisorische Standortwahl für Tiefenlager wird 2020 erwartet

Entscheidende Jahre liegen vor uns – provisorische Standortwahl für Tiefenlager wird 2020 erwartet.

Das Bundesamt für Energie (BFE) hat im April darüber orientiert, dass der Abschluss der Standortwahl bis zur rechtskräftigen Rahmenbewilligung für geologische Tiefenlager rund 10 Jahre länger dauert als geplant. Gründe sind die Komplexität und der Pioniercharakter des Verfahrens. Allerdings werden in den nächsten Jahren die entscheidenden Weichen gestellt. Die Nagra wird um 2020 bekanntgeben, wo sie Rahmenbewilligungsgesuche einreichen will. Schon dieses Jahr schlägt sie den Behörden vor, welche der sechs geologischen Standortgebiete weiter untersucht werden sollen. Ab Mitte 2015 sind seismische Messungen geplant und ab 2017 weitere Bohrungen.

Eines ist klar: Der Sachplan ist in seiner Komplexität und mit dem intensiven Einbezug der Bevölkerung weltweit ein Pionierprojekt. Die breit angelegte Beteiligung der Regionen und Kantone hat sich bewährt; zum Beispiel bei der Bezeichnung der Areale für die Oberflächenanlagen. Die regionale Partizipation dauerte allerdings länger: «Mehr Zeit» war ein besonderes Anliegen der Regionen. Auch die behördlichen Prüfungsschritte sind heute länger als ursprünglich geplant.

Viel zu tun bis zur provisorischen Standortwahl 2020

Voraussichtlich bereits Ende dieses Jahres reicht die Nagra dem BFE die Berichte ein mit den Vorschlägen zur «Einengung» von den heute vorhandenen sechs Standortgebieten auf mindestens zwei pro Abfallkategorie (Lagertyp). Das BFE wird diese Berichte Anfang 2015 veröffentlichen. Es folgt die fachtechnische Prüfung, bevor alle Unterlagen 2016 in eine breite Anhörung gehen. Der Bundesratsentscheid zur Einengung wird im Jahr 2017 erwartet.
Für den Entscheid zur abschliessenden Standortwahl in der Etappe 3 plant die Nagra intensive Feldarbeiten in den verbleibenden Standortgebieten. Ab Mitte 2015 beginnen seismische Messungen, und Gesuche für weitere Sondierbohrungen werden eingereicht. Ab 2017 dürften die ersten Bohrplätze eingerichtet werden und die Bohrungen anlaufen. Nach weiteren rund zwei bis drei Jahren liegen alle Grundlagen für den fundierten sicherheitstechnischen Vergleich der Standorte vor. Gestützt darauf gibt die Nagra um 2020 bekannt, für welche(n) Ort(e) sie ein Rahmenbewilligungsgesuch ausarbeiten will.

Die Schritte bis zum definitiven Standortentscheid

Die Rahmenbewilligung legt den Standort und die Anlagen in den Grundzügen fest. Ab 2020 konkretisiert die Nagra das Projekt unter Einbezug der Standortregion und des Standortkantons. Das formale Gesuch für eine Rahmenbewilligung soll gegen 2022 eingereicht werden. Es folgen wieder Prüfung, Anhörung und Bundesratsentscheid. Dieser muss vom Parlament genehmigt werden. Der Parlamentsentscheid untersteht dem fakultativen Referendum. Sofern dieses ergriffen wird, entscheidet das Schweizer Volk etwa 2029 über den Standort für ein geologisches Tiefenlager.

Grafik Zeitplanung
Die aktualisierte Zeitplanung bis zur Einreichung der Rahmenbewilligung für geologische Tiefenlager in der Schweiz.

 

Die Areale für die Oberflächenanlagen in allen sechs Regionen sind bezeichnet

Karte mit den sechs Standortregionen für geologische Tiefenlager und den dafür bezeichneten Arealen für Oberflächenanlagen.

 

Die Regionalkonferenzen der sechs Standortregionen haben sich zweieinhalb Jahre intensiv mit der Platzierung der Standortareale für die Oberflächenanlagen eines geologischen Tiefenlagers befasst. Ein wichtiger Schritt ist nun vollzogen. Alle Regionen haben ihre Stellungnahmen dazu abgegeben. Gestützt darauf hat die Nagra mit Planungsstudien die Standortareale bezeichnet und mögliche Ausgestaltungen der Anlagen aufgezeigt.

Links: Standortareal JO-3+ für schwach-/ mittelaktiv oder hochaktive Abfälle bzw. als Kombi-Anlage.

Rechts: Standortareal JS-1 für schwach-/ mittelaktive Abfälle

Links: Standortareal NL-6 für schwach-/mittelaktive oder hochaktive Abfälle bzw. als Kombi-Anlage.

Rechts: Standortareal SR-4 für schwach-/mittelaktive Abfälle.

Links: Standortareal NL-2 für schwach-/mittelaktive oder hochaktive Abfälle bzw. als Kombi-Anlage.

Rechts: Standortareal ZNO-6b für schwach-/mittelaktive oder hochaktive Abfälle bzw. als Kombi-Anlage.

Links: Standortareal WLB-1-SMA für schwach-/mittelaktive Abfälle

Rechts: Standortareal ZNO-6b für schwach-/mittelaktive oder hochaktive Abfälle bzw. als Kombi-Anlage (Variante abgesenkt)

 

30 Jahre internationale Forschung im Felslabor Grimsel – neue Ausstellung eröffnet

Eröffnung der Ausstellung «Untertageforschung weltweit» am 12. Juni 2014 durch Dr. Ingo Blechschmidt, Dr. Piet Zuidema und Dr. Stratis Vomvoris im Stollen des Felslabors Grimsel (alle Nagra, von rechts nach links). Foto: ©Comet

 

Dieses Jahr feiert das Felslabor Grimsel sein 30-jähriges Bestehen. Die eindrückliche Forschungsanlage im Grimselgranit ist weltweit bekannt. 19 Organisationen aus 12 Nationen und der EU beteiligen sich am Forschungsprogramm. Anlässlich des Jubiläums wurde am 12. Juni die neue Ausstellung «Untertageforschung weltweit» eröffnet, welche die grosse Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit zeigt. Besuchern des Felslabors steht die neue Ausstellung ab sofort offen.

Am Donnerstag, 12. Juni 2014, eröffnete die Nagra im Rahmen des alljährlichen Treffens der 19 Forschungspartner aus aller Welt (ISCO-Meeting) im Felslabor Grimsel die neue Ausstellung «Untertageforschung weltweit». 16 grossformatige Bildtafeln stellen die Forschungsstätten von acht Forschungsorganisationen in Verbindung zueinander und gewähren Einblick in die Felslabore weltweit.

«In aktuell mehr als zehn Langzeitprojekten arbeiten wir eng mit renommierten Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland zusammen», sagt Dr. Ingo Blechschmidt, Ressortleiter des Felslabors. Die ausgezeichnete Infrastruktur bietet ideale Forschungsbedingungen. Unter anderem dürfen geringe Mengen Radioaktivität (in Form sogenannter Tracer) eingesetzt werden. «Das Felslabor Grimsel ist das einzige Untertagelabor weltweit, in dem unter kontrollierten Bedingungen Experimente mit Radionukliden in geklüftetem Gestein durchgeführt werden – und das seit 30 Jahren», sagt Blechschmidt. 

Warum forschen ausländische Entsorgungsorganisationen  im FLG?

Die Partner schätzen die gute Zusammenarbeit im Felslabor Grimsel. Felslabore haben eine sehr wichtige Aufgabe: Sie müssen Antworten auf wesentliche Fragen zur Sicherheit von geologischen Tiefenlagern liefern. Dazu gehört, dass die Entsorgungsorganisationen gemeinsam wesentliche Erkenntnisse erwerben und weltweit Erfahrungen austauschen. So sagt Dr. Hiroyuki Umeki, Direktor des Geological Disposal Research Department/Japan Atomic Energy Agency (JAEA): «Unsere Beteiligung an den bahnbrechenden Experimenten im Felslabor Grimsel in den vergangenen drei Jahrzehnten war sehr hilfreich für unsere Aktivitäten in Japan. Wir schätzen die offene und angenehme Zusammenarbeit mit der Nagra und dem Felslabor Grimsel sehr.» 

Ausstellung für Besucher ab sofort offen

Die neu eröffnete Ausstellung im Stollen des Felslabors porträtiert – neben dem Felslabor Grimsel selbst – in eindrücklichen Bildern sieben weitere Untertagelabore aus Japan, Schweden, Frankreich, Südkorea, Finnland und der Schweiz. Die neue Ausstellung steht den Besuchern des Felslabors Grimsel ab sofort offen.

Mitglieder der Forschungspartner der Nagra auf dem Weg zur neuen Ausstellung
«Untertageforschung weltweit» im Rahmen des alljährlichen ISCO-Treffens. Foto: ©Comet

 

Auch Folklore gehört zur Eröffnung. Ein Alphornbläser bringt den Besuchern aus Japan, Schweden, Frankreich, Südkorea, Finnland und der Schweiz die imposanten Klänge des urschweizerischen Instruments näher. Foto: ©Comet

 

Besuch ins Felslabor Grimsel

Von Juni bis Oktober bietet die Nagra Gruppen ab 10 Personen kostenlose Führungen an.
Renate Spitznagel  056 437 1282 renate.spitznagel@nagra.ch

etc.

Erdbebenmessnetz in der Nordschweiz weiter ausgebaut – 10 Stationen neu in Betrieb genommen

Im Auftrag der Nagra und der Schweizer Kernkraftwerke hat der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich in den vergangenen zwei Jahren das Erdbebenmessnetz in der Nordschweiz weiter ausgebaut. Damit wurde das seit 2003 vorhandene Stationsnetz des SED und der Nagra stark verdichtet.

Die Erweiterung des Messnetzes zielt darauf ab, speziell schwache seismische Aktivitäten in der Umgebung der Standortgebiete für hochradioaktive Abfälle genauer zu erfassen und deren Entstehung noch besser zu verstehen. Die gesammelten Daten helfen dabei, aktive Störungszonen mit sehr langsamen tektonischen Bewegungen zu identifizieren und mit bekannten geologischen Strukturen in Verbindung zu bringen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse dienen der Langzeitsicherheit geologischer Tiefenlager.

Die Seismometer wurden laut SED in abgelegenen Gebieten installiert, um den Einfluss von Erschütterungen durch Bautätigkeiten oder Strassenverkehr so gering wie möglich zu halten. Dadurch können sehr schwache, für den Menschen nicht spürbare Beben aufgezeichnet und ihr Ursprung lokalisiert werden.

Innerhalb der roten Kreise befinden sich die zehn neuen Messstationen des Schwachbebennetzes in der Nordschweiz und in Süddeutschland. Insgesamt wurden sieben Oberflächen-Stationen und drei Bohrloch-Stationen gebaut.

 

www.seismo.ethz.ch

 

Prototyp besteht ersten Testbetrieb

Tiefenlagerstollen für hochaktive Abfälle sollen dereinst mit Bentonit verfüllt und abgedichtet werden. Der Prototyp einer speziellen Verfüllmaschine wird diesen Herbst bei einem der wichtigsten grossen Experimente im Mont Terri, dem Full-Scale Emplacement (FE) Experiment, erstmals eingesetzt (1:1-Simulation eines Lagerstollens für hochaktive Abfälle). Die Verfüllmaschine besteht aus fünf mehrere Meter langen Förderschnecken, welche spezielles Bentonit-Granulat in den Stollen fördern und es dabei auch verdichten können.

Erste Tests in Grono GR haben nun gezeigt, dass die Maschine zuverlässig arbeitet. Als Nächstes soll der rund 50 Meter lange FE-Stollen im Felslabor Mont Terri mit einem Durchmesser von rund 3 Metern noch dieses Jahr mit dem Prototyp verfüllt und abgedichtet werden. 

Oben: Das über 13 Meter lange Einbringungsgerät für die Stollenverfüllung mit Bentonit-Granulat hat erste Tests in Grono GR erfolgreich bestanden. Bald wird der Prototyp ins Felslabor Mont Terri transportiert, um im Oktober 2014 den FE-Stollen zu verfüllen und das Heizexperiment zu starten.

Unten: Modell eines Tiefenlagerbehälters für verbrauchte Brennelemente im Originalmassstab, wie es im FE-Versuch eingesetzt und durch die Verfüllmaschine mit Bentonit umschlossen wird.

 

Corina Eichenberger - die neue VR-Präsidentin der Nagra

Corina Eichenberger übernimmt das Präsidium des Verwaltungsrats der Nagra und tritt die Nachfolge des im Oktober 2013 verstorbenen Pankraz Freitag an. Frau Eichenberger wurde an der Generalversammlung der Nagra vom 26. Juni einstimmig gewählt.

Die 59-jährige Aargauerin ist seit 2007 Nationalrätin. Dank ihrer langjährigen politischen und beruflichen Tätigkeit bringt sie eine breite Erfahrung in Energie-, Umwelt- und Rechtsfragen mit. Corina Eichenberger ist Mitglied der Geschäftsprüfungskommission und der Sicherheitspolitischen Kommission. Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder.

Mit der Wahl zur Verwaltungsratspräsidentin der Nagra legt sie ihr bisheriges Mandat als Präsidentin des Nuklearforums nieder. «Ich freue mich auf die verantwortungsvolle Aufgabe. Wir sind unseren Nachkommen eine sichere Entsorgung aller radioaktiven Abfälle schuldig,» sagte sie an der Generalversammlung der Nagra.

Die Standortsuche für geologische Tiefenlager war an der Generalversammlung vom 26. Juni ein zentrales Thema. «Vor uns liegen entscheidende Jahre», erklärt Eichenberger. Jahre, in denen die jetzige Generation schauen müsse, dass es mit der Entsorgung vorangeht.

1209_etc_letzte_artikel
Die neue VR-Präsidentin der Nagra, Corina Eichenberger

 

Zurück zur Übersicht
Um unsere Dienste zu verbessern, verwenden wir Cookies. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden. Erfahren Sie hier mehr über Rechtliches und Datenschutz
Akzeptieren