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Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

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27.01.2011

«Die Transparenz in der Schweiz ist beeindruckend»

Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander besuchte am 17. September 2010 mit einer deutschen Delegation das Zentrale Zwischenlager ZWILAG in Würenlingen und das Felslabor Mont Terri.

Er wurde begleitet von Mitgliedern des Umweltministeriums und von der GNS (Gesellschaft für Nuklearservice) sowie von neun Journalisten. In Niedersachsen liegen die Asse, wo von 1967 bis 1978 rund 126’000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen (SMA) eingelagert wurden, sowie das SMA-Endlager Schacht Konrad. Zudem befindet sich das im Salz liegende Erkundungsbergwerk Gorleben für hochaktive Abfälle im Bundesland des Ministers.

Herr Minister Sander, warum besuchten Sie die Schweiz?

Nachdem ich in der Schweizer Botschaft in Berlin Markus Fritschi von der Nagra kennenlernte und wir uns über die sehr unterschiedlichen Diskussionen zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle in unseren Ländern austauschten, stand für mich fest: Über das transparente Vorgehen in der Schweiz muss ich mich vor Ort informieren. Denn in Deutschland geht es aktuell – nach immerhin zehn Jahren Stillstand – um die weitere Erkundung von Gorleben.

Was war für Sie besonders beeindruckend?

Zunächst hat mich überrascht, wie sachlich und unaufgeregt nicht nur die Politik, sondern insbesondere auch die Schweizer Bevölkerung mit dem Thema Kernenergie und Entsorgung umgeht. Das liegt vielleicht an der Schweizer Mentalität, aber auch daran, dass die Bevölkerung an den Entscheidungsprozessen umfangreich beteiligt wird. Dieses transparente Verfahren ist wirklich beeindruckend und zeitgemäss. In Deutschland hingegen wurde der Standort Gorleben bereits 1977 ausgewählt. Wir können die Uhren nicht zurückdrehen, aber auf jeden Fall einiges von der Schweiz lernen. 

Wie beurteilen Sie den Schweizer Weg bei der Entsorgung?

Ich bin davon überzeugt, dass dieser Weg gut und richtig ist. Erstens deshalb, weil die Entscheidungsprozesse in der Schweiz auch umkehrbar sind. Die Bevölkerung weiss, dass es die Möglichkeit gibt, Abfallbehälter aus einem Lager wieder herauszuholen, falls die Sicherheit nicht auf Dauer gegeben sein sollte. Zweitens ist die transparente Kommunikation wesentlich. In der Schweiz ist es nicht zuletzt dadurch gelungen, bei den Menschen eine bemerkenswerte Akzeptanz hinsichtlich des Themas Entsorgung zu erreichen. 

Können Deutschland und die Schweiz voneinander lernen?

In Fragen der Entsorgung kann Deutschland von der Schweiz lernen. So habe ich nach dem Besuch in der Schweiz beim deutschen Bundesumweltminister Röttgen bewirken können, dass die Rückholbarkeit jetzt auch in das deutsche Endlagerkonzept aufgenommen wird.
Fest steht auch, dass in Gorleben die weitere Erkundung in grosser Transparenz stattfinden muss. Mein Ziel ist eine Art «gläserne Erkundung», unter Einbeziehung der Bevölkerung und mit Beteiligung von internationalen Wissenschaftlern. Und dabei sind uns auch die Schweizer herzlich willkommen.

Hans-Heinrich Sander hat seit April 2003 das Amt des niedersächsischen Ministers für Umwelt und Klimaschutz inne und ist seitdem Mitglied des niedersächsischen Landtages.
Er wurde am 18. April 1945 in Golmbach, Landkreis Holzminden in Niedersachsen, geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der staatlich geprüfte Landwirt hat an der PH Göttingen studiert. Seit 1973 bis zur Wahl in den Landtag des Bundeslandes Niedersachsen im Jahr 2003 war Herr Sander Rektor einer Grund- und Hauptschule in Beven. Er ist Mitglied der FDP seit 1968, Mitglied im Vorstand und stellvertretender Vorsitzender der FDP Niedersachsen.
 

 

Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (links) mit dem Direktor des Felslabors Mont Terri, Paul Bossart, beim Betrachten des Opalinustons im Felslabor Mont Terri.

 

Tiefenlager und Grundwasser

Besuchergruppe im trockenen Stollen des Felslabors Mont Terri. Foto: Comet Trotz intensiver Beanspruchung während der Jurafaltung ist der Opalinuston des Felslabors Mont Terri wasserdicht – und das seit 180 Millionen Jahren.

 

Beim Bau eines geologischen Tiefenlagers werden für den dazu benötigten Zugangsweg in jedem Fall auch grundwasserführende Schichten zu durchqueren sein. Der Schutz des Tiefenlagers vor dem Grundwasser – und umgekehrt – ist Gegenstand des folgenden Artikels. 

 

Grundwasser im Untertagebau

Wer ein geologisches Tiefenlager bauen will, muss zunächst über einen vertikalen Schacht oder einen geneigten Zugangstunnel von mehreren Kilometern Länge in das Wirtgestein vordringen. Der Kontakt mit grundwasserführenden Schichten lässt sich dabei nicht vermeiden. 

Das Durchfahren solcher Gesteinsschichten gehört zum konventionellen Handwerk der Untertagebautechnik. Die Fachleute können dabei auf vielfältige Erfahrungen im Tunnel- und Untertagebau und auf verschiedenste Handlungsalternativen zurückgreifen. Vom Prinzip her gibt es drei Möglichkeiten, wie vermieden werden kann, dass Wasser in das geplante Untertagebauwerk fliesst:

  • Wasserführende Gesteinsschichten werden durch Injektionen mit Zement, Mörtel, Kunststoff oder mittels Folien abgedichtet.
  • Wasserzuflüsse aus lokalen Störungszonen werden aufgefangen und mit Pumpen abgeleitet.
  • Wasserführende Störungszonen werden – sofern möglich – umfahren.

Da die Linienführung des Zugangsstollens zu einem Tiefenlager relativ flexibel ist, bietet sich die Möglichkeit, schwierigen Stellen weitestgehend auszuweichen. Die Kosten für den Bau des Zugangs betragen nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten für den Bau eines geologischen Tiefenlagers. Deshalb muss kein schneller Vortrieb gemacht werden und schonende Methoden kommen zum Einsatz.


Überprüfung der Eignung unter Tage

Nachdem die Zugangswege aufgefahren und das wasserundurchlässige Wirtgestein (Lagergestein) erreicht ist, wird dort zunächst circa 20 Jahre lang ein Felslabor betrieben. Die Forschungsarbeit unter Tage dient primär der abschliessenden Eignungsprüfung der Standortgegebenheiten vor Ort. Dabei geht es auch um den Nachweis, dass kein fliessendes Wasser das zukünftige Lager erreichen kann.

Der Sicherheitsnachweis ist eine der Voraussetzungen für die Erteilung der nuklearen Betriebsbewilligung durch die Behörden. Danach werden die Behälter mit den radioaktiven Abfällen eingelagert und alle Lagerstollen einzeln versiegelt. 

Schutz des Grundwassers – auf das Gestein kommt es an  

Die Langzeitsicherheit eines Tiefenlagers ist wesentlicher Bestandteil des Entsorgungskonzepts der Schweiz. Um sie zu gewährleisten, muss das Wirtgestein bestimmte Eigenschaften haben. Dazu gehören: geringe Wasserdurchlässigkeit, gute Rückhalteeigenschaften für gelöste Stoffe, homogene Struktur, grossflächiges Vorkommen, ausreichende Mächtigkeit und bestimmte Tiefenlage. Der Opalinuston in der Nordschweiz ist ein solches Wirtgestein. Er hat die Aufgabe, die Abfälle im Tiefenlager langfristig und zuverlässig einzuschliessen.

Mit dem vom Bundesrat 2006 anerkannten Entsorgungsnachweis wurde wissenschaftlich belegt, dass der Opalinuston in der Schweiz sich für den Bau von geologischen Tiefenlagern eignet.

Grundwasser

Wasser, das infolge von Versickerung atmosphärischer Niederschläge und oberirdischer Gewässer durch Klüfte, Höhlen, Poren etc. in die Gesteine eindringt und dort Hohlräume zusammenhängend füllt.

Grundwasservorkommen

Gut durchlässige Gesteinskörper, die die Speicherung und Nutzung des Grundwassers erlauben und die von weniger durchlässigen Gesteinsschichten begrenzt werden.

Grundwasser im Untertagebau 

Wasserzuflüsse bei Tunnelbauten streuen von weniger als 0,1 l/s bis mehr als 1000 l/s, sie sind häufig sehr lokal und je nach Geologie schwer prognostizierbar. Relativ kleine Strukturen (Störungen/ Einzelklüfte) können die Ursache für grosse Zuflüsse sein. Im fallenden Vortrieb muss das vorkommende Bergwasser aus dem Stollen gepumpt werden (z. B. Schacht Sedrun der NEAT: Pumpen mit Leistungen von 1000 l/s über 1000 Meter Höhendifferenz).

Im Opalinuston fliesst kein Wasser

Obwohl der Grundwasserspiegel 200 Meter über dem Felslabor Mont Terri liegt und die Kalkschichten zwischen Felslabor und Grundwasservorkommen stark wasserführend sind, dringt kein Grundwasser in den Opalinuston ein. Das Stollensystem des Felslabors ist staubtrocken, selbst in der mitten durch das Felslabor verlaufenden tektonischen Störungszone.

 

Begegnungen mit der Nagra im Jahr 2010

Besuchergruppe im Felslabor Mont Terri JU erfährt, warum der Opalinuston geeignet ist für die Entsorgung radioaktiver Abfälle.  

 

Jörg Rüedi von der Nagra (Mitte) diskutiert mit Besucherinnen und Besuchern der Bergwerkfest in Herznach AG.

 

Saurier sind immer interessant – auch die Kleinsten haben ihren Spass am Ausstellungsstand der Nagra.

 

Im Jahr 2010 besuchten rund 1900 interessierte Gäste das Felslabor Grimsel.

 

Die Geologin Petra Blaser (Mitte) zeigt Besuchern des Nagra-Standes, wie man Steine am besten schleift

 

Vergnügliches Steineschleifen für Kinder an der hela-Messe in Laufenburg AG

 

 

Rege Teilnahme am beliebten Wettbewerb der Nagra.

 

 

Manchmal beisst man auf Granit – in diesem Fall handelt es sich jedoch um Opalinuston. Spass mit Nagra-Mitarbeiterin Annika Rüdebusch an der Herbstmesse in Schaffhausen.

 

Letzte Seite

Nagra baut Präzisionsmessstationen mit swisstopo

Die Nagra erweitert zurzeit das permanente satellitengestützte Präzisionsmessnetz der Schweiz. Die Messstationen zeichnen kleinste Bewegungen im geologischen Untergrund auf. Im Hinblick auf die Langzeitsicherheit von zukünftigen geologischen Tiefenlagern können damit die Modelle zur Bewegung der Erdkruste überprüft werden.

Die neuen Stationen ergänzen das bestehende Messnetz, das von swisstopo (Bundesamt für Landestopografie) bereits heute betrieben wird. Die Messungen erfolgen mit Hilfe der Signale des globalen Systems von Navigationssatelliten GNSS (Global Navigation Satellite System). Bei der Platzierung der neuen GNSS-Messstationen legt die Nagra den Fokus auf die vorgeschlagenen Standortgebiete für die Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle.

Geplant sind 10 neue GNSS-Stationen. Sie werden seit Mitte 2010 für mehrere Jahrzehnte betrieben mit dem Ziel, Bewegungen der Erdkruste von weniger als einem Millimeter pro Jahr bestimmen zu können.

Die Messstationen sind kompakt und unscheinbar gestaltet. Sie senden im Gegensatz zu Mobilfunkantennen keine Strahlung aus, sondern empfangen Signale von Satelliten. 

Die GNSS-Station bei Murgenthal AG 

 

Felslabor Mont Terri erhält Besucherpavillon

Vor dem Stolleneingang zum internationalen Felslabor Mont Terri in St-Ursanne (Kanton JU) wird zurzeit intensiv gebaut. Das seit 1996 betriebene Felslabor erhält einen neuen Besucherpavillon, der das steigende Interesse in- und ausländischer Besucher für das Felslabor abdecken soll. Geplant ist ein grosser Vortragsraum und eine den modernen Ansprüchen gerecht werdende Ausstellung, die Besucherinnen und Besuchern Informationen zur Entsorgung radioaktiver Abfälle und zum möglichen Wirtgestein Opalinuston näherbringt.

Strassen- und Zufahrtswege wurden bereits im Spätsommer 2010 erstellt. Der Bau des Gebäudes beginnt im Februar. Der Ausstellungsraum mit über 140 Quadratmetern Fläche wird bis 5’000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr aufnehmen können. Das «Mont Terri Centre des Visiteurs» wird getragen von swisstopo, dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und der Nagra.

Die Eröffnung des Besucherpavillons ist für September 2011 geplant.

Bautätigkeiten für den geplanten Besucherpavillon beim Felslabor Mont Terri. Foto: Comet

 

Nagra unterstützt die «tropische Insel in den Alpen»

Das Tropenhaus Frutigen wird als «tropische Insel in den Alpen» bezeichnet und ist ein ausgesprochen lohnendes Ausflugsziel für Jung und Alt. Es durfte im Oktober 2010 bereits den 100’000. Besucher begrüssen seit seiner Eröffnung am 21. November 2009. Spezielles Merkmal: Das Tropenhaus nutzt das rund 20 Grad warme Bergwasser aus dem Lötschberg-Eisenbahnbasistunnel für die Zucht wärmeliebender Fische und tropischer Pflanzen. Eine attraktive Ausstellung zu geologischen Fragen, zu Themen wie Energie, Fischzucht, Ernährung, Nachhaltigkeit und Tropen wird kombiniert mit ausgezeichneter Gastronomie.

Am 29. Januar 2011 eröffnet das Tropenhaus zusätzlich eine Themenausstellung mit dem Titel «Warum ist die Erde warm? – Sonderausstellung zum Thema Geothermie, natürliche Strahlung im Gestein und Geologie». Die Nagra unterstützt diese Sonderausstellung als Partner mit ihrem Know-how. Ein Besuch lohnt sich!

Das Tropenhaus Frutigen eröffnet am 29. Januar 2011 eine Sonderausstellung mit Unterstützung der Nagra. In der Aquakultur in Frutigen werden im warmen Tunnelwasser des Lötschbergs Sibirische Störe und Sterlete gezüchtet.

 

Literaturstudie zur Markierung von geologischen Tiefenlagern

Wie sollen Standorte von geologischen Tiefenlagern bis weit in die Zukunft für die Menschen lokalisierbar bleiben? Auch das schweizerische Kernenergiegesetz (KEG) beschäftigt sich in Artikel 40, Absatz 7 mit diesem Thema und hält fest: «Der Bundesrat schreibt die dauerhafte Markierung des Lagers vor.»

Das Bundesamt für Energie (BFE) hat im Mai 2010 eine Studie zur Markierung von geologischen Tiefenlagern publiziert. Im 80 Seiten starken Bericht dokumentiert der Autor und Geologe Marcos Buser (Mitglied der Eidgenössischen Kommission für nukleare Sicherheit, KNS) den Stand des aktuellen Wissens aufgrund weltweiter Literaturstudien.

Im Ergebnis zeigt die Studie, dass im Wesentlichen alle relevanten Themen zur Markierung bereits heute in der Literatur auf die eine oder andere Art angesprochen wurden. Eine zentrale Frage, die auch in der Literatur immer wieder auftaucht und kontrovers debattiert wird, ist, ob eine Markierung überhaupt die erhoffte Warnfunktion für künftige Gesellschaften erwirken kann.

Die ganzheitliche Betrachtung des Markierungskonzepts erfolgt künftig unter Einbezug aller technischen und nicht-technischen Faktoren. Technische Disziplinen öffnen sich für die Anliegen von Semiotik (Ausdrucksund Bedeutungskunde) und für Erkenntnisse aus Archäologie und Geschichte. Die unterschiedlichen Konzepte zur dauerhaften Markierung von Tiefenlagern umfassen neben langzeitbeständigen Zeugnissen vor allem auch bauliche Markierungstechniken, wie Bauten an oder unter der Oberfläche, vergrabene Gegenstände, Markierungsgegenstände im Schachtbereich, Lagerkammern, Stollen, Reflektoren und chemische Marker

www.bfe.admin.ch   -> Rubrik Dokumentation/Medieninformationen

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Beispiel einer Markierung: Schriften in Stein gemeisselt – für die Ewigkeit gedacht.
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