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Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

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18.02.2015

Die Nagra schlägt die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost für weitere Untersuchungen vor

Das etappenweise Standortwahlverfahren des Bundes, der Sachplan Geologische Tiefenlager (SGT), räumt der Sicherheit oberste Priorität ein. Die Nagra hat gemäss den Vorgaben des Sachplans und des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) die Standortgebiete aus der Etappe 1 untersucht und sicherheitstechnisch verglichen. Als Resultat werden die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost für die weiteren Untersuchungen für Etappe 3 des Sachplans vorgeschlagen.

Wichtigstes Entscheidungskriterium beim sicherheitstechnischen Vergleich in Etappe 2 war die Langzeitsicherheit. Die Nagra hat basierend auf den Vorgaben des Sachplans und des ENSI die Standortgebiete bewertet und verglichen. Wie gut sich ein Standortgebiet für ein geologisches Tiefenlager eignet, wird zuerst anhand von Dosisberechnungen geprüft.
Danach werden die Standortgebiete aufgrund ihrer geologischen Eigenschaften bewertet. Die Ergebnisse werden für den sicherheitstechnischen Vergleich verwendet (vgl. Tabelle). Ein Standortgebiet kann bei diesem Vergleich für die nächste Etappe nur dann zurückgestellt werden, wenn gegenüber den anderen Standortgebieten «eindeutige sicherheitstechnische Nachteile» nachgewiesen werden.

Resultate des Vergleichs
Alle sechs potenziellen Standortgebiete aus Etappe 1 erfüllen die hohen Sicherheitsanforderungen und sind für ein geologisches Tiefenlager geeignet. Im detaillierten Vergleich der Standortgebiete zeigen sich jedoch entscheidende Unterschiede. Die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost weisen – verglichen mit den anderen potenziellen Standortgebieten – die günstigsten Bedingungen auf sowohl für ein Lager für hochaktive Abfälle (HAA) als auch für ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA).

Basierend auf den Ergebnissen des sicherheitstechnischen Vergleichs schlägt die Nagra die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost für die weiteren Untersuchungen für Etappe 3 vor. Weiter schlägt sie vor, die Standortgebiete Südranden, Nördlich Lägern, Jura-Südfuss und Wellenberg im Verfahren zurückzustellen.

 

Vergleich der Standortgebiete für das HAA-Lager

Alle Standortgebiete erfüllen die definierten hohen Anforderungen für ein HAA-Lager.
Die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost weisen für ein HAA-Lager im Vergleich zum Standortgebiet Nördlich Lägern günstigere Bedingungen auf

Zürich Nordost:

Das Standortgebiet verfügt über ein günstiges Platzangebot Im technisch-wissenschaftlich bevorzugten Tiefenbereich. Das Wirtgestein Opalinuston – kombiniert mit mächtigen Rahmengesteinen – weist sehr günstige Barriereneigenschaften auf. Zudem ist die geologische Situation hinsichtlich Langzeitstabilität günstig.

Nördlich Lägern:

Im Standortgebiet ist das Platzangebot im technisch-wissenschaftlich bevorzugten Tiefenbereich ungünstig. In grösserer Tiefe ist das Platzangebot zwar etwas grösser, aber dort wäre es bautechnisch schwierig, ein Tiefenlager in der erwünschten Qualität zu bauen. Beim Bau könnte die nur bedingt günstige Tiefenlage zu einer erheblichen Schädigung der geologischen Barrieren führen.

Jura Ost:

Das Standortgebiet verfügt trotz der beschränkten Tiefenlage Des Wirtgesteins über ein günstiges Platzangebot im technisch-wissenschaftlich bevorzugten Tiefenbereich. Das Gebiet weist eine sehr günstige Barrierenwirkung auf. Die Langzeitstabilität ist durch die geologische Situation gegeben.

 

Der direkte Vergleich untereinander: das Resultat der vergleichenden Gesamtbewertung der geologischen Standortgebiete.

 

Entscheidrelevante Merkmale gemäss ENSI (vgl. Tabelle)

Wirksamkeit der geologischen Barriere:
Die Barrierenwirkung bestimmt, wie gut die im geologischen Tiefenlager eingelagerten radioaktiven Stoffe zurückgehalten werden und dort zerfallen. Die geologische Barriere umfasst das Wirtgestein und die darunter- und darüberliegenden Rahmengesteine.

Langzeitstabilität der geologischen Barriere:
Eine geeignete Langzeitstabilität sorgt dafür, dass die notwendige Barrierenwirkung über den Betrachtungszeitraum erhalten bleibt. Die Abnahme der Radiotoxizität der eingelagerten Abfälle als Folge des radioaktiven Zerfalls ist ausschlaggebend für die Länge des Betrachtungszeitraums, welcher für das HAA-Lager 1 Million Jahre beziehungsweise für das SMA-Lager 100’000 Jahre beträgt. Für die Langzeitstabilität sind die Erosion und mögliche differenzielle Bewegungen im Untergrund wichtig.

Explorier- und Charakterisierbarkeit der geologischen Barriere im Standortgebiet:
Die Explorierbarkeit bestimmt, wie genau und zuverlässig Lage und Parameter der sicherheitsrelevanten geologischen Schichten bestimmt werden können (z.B. sedimentäre Ablagerungen wie harte Kalkbänke mit erhöhter Durchlässigkeit). Die Charakterisierbarkeit beschreibt, wie genau und zuverlässig die für die Barrierenwirkung kritischen Eigenschaften erfasst werden können (z.B. einzelne wasserführende Klüfte).

Bautechnische Machbarkeit eines Tiefenlagers:
Hierbei wird die Schädigung des Wirtgesteins in direkter Umgebung der Lagerkammern beurteilt. Analysiert werden seine Barrierenwirkung und die mögliche Beeinträchtigung der technischen Barrieren als Folge des Baus der Lagerkammern. Hier wird auch der Zugang nach Untertag vom Standortareal zum untertägigen Lagerperimeter geprüft. Weiter wird geprüft, ob das Platzangebot innerhalb des Standortgebiets genügend gross ist.

 

Vergleich der Standortgebiete für das SMA-Lager

Alle Standortgebiete erfüllen die definierten hohen Anforderungen für ein SMA-Lager. Die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost weisen für ein SMA-Lager im Vergleich zu den Standortgebieten Südranden, Nördlich Lägern, Jura-Südfuss und Wellenberg günstigere Bedingungen auf.

Südranden:

Die Langzeitstabilität der geologischen Barriere ist nur bedingt günstig. Die untiefe Lage des Wirtgesteins schützt nur beschränkt vor Erosion. Das Platzangebot im Standortgebiet ist nur knapp günstig, da eine Felsrinne (die durch Seismikuntersuchungen 2011/2012 nachgewiesene Neuhauserwald-Rinne) das Gebiet teilt.

Zürich Nordost:

Das Standortgebiet verfügt über ein sehr günstiges Platzangebot im technisch-wissenschaftlich bevorzugten Tiefenbereich. Das Wirtgestein Opalinuston – kombiniert mit mächtigen Rahmengesteinen – verfügt über sehr günstige Barriereneigenschaften. Zudem sind Langzeitstabilität und Tiefenlage bezüglich bautechnischer Machbarkeit günstig.

Nördlich Lägern:

Im Standortgebiet ist das Platzangebot im technisch-wissenschaftlich bevorzugten Tiefenbereich ungünstig. In grösserer Tiefe ist das Platzangebot zwar etwas grösser, aber dort wäre es bautechnisch schwierig, ein Tiefenlager in der erwünschten Qualität zu bauen. Beim Bau könnte die ungünstige Tiefenlage zu einer erheblichen Schädigung der geologischen Barrieren führen.

Jura Ost:

Das Standortgebiet verfügt über ein sehr günstiges Platzangebot im technisch-wissenschaftlich bevorzugten Tiefenbereich. Der Opalinuston mit seinen Rahmengesteinen weist eine sehr günstige Barrierenwirkung auf. Zudem sind Langzeitstabilität und Tiefenlage bezüglich bautechnischer Machbarkeit günstig.

Jura-Südfuss:

Das Platzangebot im Standortgebiet ist im Vergleich zu den Standortgebieten Zürich Nordost und Jura Ost kleiner, da erhebliche Platzreserven nötig sind, weil die Gesteine tektonisch stärker überprägt sind. Zudem ist der einschlusswirksame Gebirgsbereich (Opalinuston und Rahmengesteine) nur wenig mächtig und die unteren Rahmengesteine tragen kaum zur Barrierenwirkung bei.

Wellenberg:

Im Standortgebiet Wellenberg hat das geklüftete Wirtgestein, die Mergelformationen des Helvetikums, im Vergleich zum Opalinuston ein beschränktes Selbstabdichtungsvermögen und eine beschränkte Homogenität. Dies führt zu einer weniger guten Barrierenwirkung. Die Bedingungen zur Langzeitstabilität sind durch die Lage in den Alpen auch ungünstiger als in der Nordschweiz. Zudem ist das Gebiet von der Oberfläche aus schwierig explorierbar.

 

Geologische Barriere                               Technische Barrieren

Gestaffelte Sicherheitsbarrieren schliessen in einem geologischen Tiefenlager die radioaktiven Stoffe sicher ein und verhindern weitestgehend deren Freisetzung in den menschlichen Lebensraum. Eine entscheidende Rolle spielt die geologische Barriere.

 

Standortsuche für Tiefenlager – Sachplan bestimmt Vorgehen

In Etappe 1 hatte die Nagra die Aufgabe, ausgehend von der ganzen Schweiz geologische Standortgebiete vorzuschlagen. Diese Vorschläge mussten anhand vorgegebener Kriterien zur Sicherheit und technischen Machbarkeit erarbeitet werden. Im Herbst 2008 schlug die Nagra sechs Standortgebiete vor: für das HAA-Lager und das SMA-Lager Zürich Nordost, Nördlich Lägern und Jura Ost; zusätzlich für das SMA-Lager die Standortgebiete Südranden, Jura-Südfuss und Wellenberg. Unter anderen beurteilten das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI und die Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit KNS die Vorschläge der Nagra. Kantone, betroffene Bundesstellen und Nachbarstaaten sowie interessierte Organisationen und Einzelpersonen nahmen in einer breiten, öffentlichen Anhörung zu den Vorschlägen Stellung. 2011 entschied der Bundesrat, alle sechs vorgeschlagenen Standortgebiete in das weitere Verfahren aufzunehmen.

In Etappe 2 hat die Nagra bis Mai 2014 – gestützt auf die Zusammenarbeit mit den Regionen und den Kantonen – in jeder der sechs Standortregionen mindestens ein Standortareal für die Oberflächenanlage eines allfälligen Tiefenlagers bezeichnet. Vertreter der jeweiligen Regionen diskutierten seit 2012 in Regionalkonferenzen über die Platzierung der Anlage. Neben dem sicheren Bau und Betrieb ist eine gute Einbettung der Anlage in die jeweilige Standortregion das Ziel. Weiter hat die Nagra die geologischen Standortgebiete sicherheitstechnisch miteinander verglichen. Im Dezember 2014 hat sie nun die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost für die weiteren Untersuchungen für Etappe 3 vorgeschlagen.

Wie geht es weiter?

Das BFE hat die Berichte der Nagra mit den Vorschlägen der Standortgebiete für Etappe 3 Anfang 2015 veröffentlicht. Es folgt die fachtechnische Prüfung durch die Behörden, bevor alle Unterlagen 2016 in eine breite öffentliche Anhörung gehen. Voraussichtlich 2017 entscheidet der Bundesrat über die Aufnahme der Vorschläge der Nagra in den Sachplan. Für Etappe 3 werden die vorgeschlagenen Standortgebiete mittels 3D-Seismik und Sondierbohrungen vertieft untersucht. Die Nagra gibt gestützt auf diese erdwissenschaftlichen Untersuchungen gegen 2020 bekannt, für welche Standortgebiete sie Rahmenbewilligungsgesuche für ein HAA- und ein SMA Lager oder ein Kombilager ausarbeiten wird. Danach reicht die Nagra die Rahmenbewilligungsgesuche voraussichtlich 2022 ein.

Für die weitere Konkretisierung ist erneut eine Zusammenarbeit mit den Standortkantonen, Regionen und Gemeinden vorgesehen. Es folgen wieder eine behördliche Prüfung, eine breite öffentliche Anhörung und der Bundesratsentscheid, der zirka 2027 erwartet wird. Das Parlament muss diesen Entscheid genehmigen. Der Parlamentsentscheid wiederum untersteht dem fakultativen Referendum. Sofern dieses ergriffen wird, entscheidet das Schweizer Stimmvolk etwa 2029 über die Standorte für geologische Tiefenlager.

Ausgehend von der «weissen Karte Schweiz» hat die Nagra ...

 

... geeignete Grossräume und Gesteine bestimmt für beide Kategorien radioaktiver Abfälle und in Etappe 1 sechs geologische Standortgebiete vorgeschlagen.

 

Die Vorschläge der Nagra für Etappe 3 nach dem aktuellen sicherheitstechnischen Vergleich in der Etappe 2.

 


Wie ist die Standortsuche geregelt?
Das Bundesamt für Energie (BFE) leitet das Verfahren, welches die Standortsuche für geologische Tiefenlager zur Entsorgung aller radioaktiven Abfälle in der Schweiz regelt. Der Bundesrat hat 2008 das Vorgehen im Sachplan geologische Tiefenlager (SGT) festgelegt. In drei Etappen, jeweils abgeschlossen durch einen Entscheid des Bundesrats, erarbeitet die Nagra Vorschläge. Diese werden von den Behörden geprüft. Ziel ist, je einen Standort für ein HAA- beziehungsweise ein SMA-Lager (HAA = hochaktive Abfälle, SMA = schwach- und mittelaktive Abfälle) oder einen gemeinsamen Standort für beide Lagertypen auszuwählen. Dabei hat Sicherheit oberste Priorität.

 

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