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Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

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11.12.2014

Corina Eichenberger – die neue Verwaltungsratspräsidentin der Nagra im Gespräch

Corina Eichenberger wurde an der Nagra-Generalversammlung vom 26. Juni 2014 zur Verwaltungsratspräsidentin gewählt. Sie trat die Nachfolge des im Oktober 2013 verstorbenen Ständerats Pankraz Freitag an. Die 59-jährige Aargauerin ist seit über 100 Tagen im Amt. Wir haben mit ihr ein persönliches Gespräch geführt.

Frau Eichenberger, wie haben Sie die ersten 100 Tage als VR-Präsidentin der Nagra erlebt?

Sehr positiv. Ich habe viele neue und interessante Leute kennenlernen dürfen. Ich habe erlebt, dass die Nagra sehr kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, und festgestellt, dass es sehr spannend ist, in den Gesprächen immer wieder Neues zu lernen. Ich bin daran, mich in das komplexe Fachgebiet der Entsorgung radioaktiver Abfälle weiter einzuarbeiten.

Was war für Sie der Reiz, das VR-Präsidium der Nagra zu übernehmen?

Ich habe bereits grosse Erfahrung im Bereich Energiepolitik und den damit zusammenhängenden Themen mitgebracht, nicht zuletzt aufgrund meines früheren Präsidiums des Nuklearforums. Natürlich kenne ich die Thematik der radioaktiven Abfälle seit Längerem. Die Aufgabe der Entsorgung dieser Abfälle beeindruckt mich. Ich habe grossen Respekt davor und möchte meinen Beitrag zur sicheren Entsorgung der Abfälle leisten, speziell im Hinblick auf kommende Generationen.

Was sagen Sie den Leuten, die in einer Standortregion leben?

Ich bin mir bewusst, dass geologische Tiefenlager bei der Bevölkerung Ängste auslösen können. Aber ich glaube, wir gehen mit grossem Respekt und Verantwortungsbewusstsein an die gestellte Aufgabe heran. Das Wichtigste bei der Wahl des Standorts ist die Sicherheit der Tiefenlager. Deshalb handeln wir in Kenntnis der neuesten technischen und wissenschaftlichen Ergebnisse.

Der Bundesrat hat die Absicht bekundet, aus der Kernenergie auszusteigen. Was bedeutet das für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle?

Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle muss gemacht werden, unabhängig davon, wie die Energiepolitik der Schweiz aussieht und wie lange unsere Kernkraftwerke in Zukunft noch laufen. Der Auftrag der Nagra bleibt mit einem Ausstieg aus der Kernenergie unverändert.

Was ist Ihnen persönlich wichtig bei der Entsorgung der radioaktiven Abfälle?

Die Sicherheit von Mensch und Umwelt muss prioritär sein. Die Entsorgung darf keine negativen Auswirkungen auf die Menschen haben und muss verträglich sein mit den Bedürfnissen der Region. Es liegt mir persönlich am Herzen, dass wir diese Herausforderung auch in Zukunft meistern und mit höchstem Verantwortungsbewusstsein angehen. Dafür exponiere ich mich auch gerne persönlich in der Politik und meinem Umfeld. Denn ich nehme die Entsorgung radioaktiver Abfälle als meine Verpflichtung gegenüber künftigen Generationen wahr.

Corina Eichenberger
Corina Eichenberger, die neue Verwaltungsratspräsidentin der Nagra. Bild: Maria Schmid

Corina Eichenberger wurde am 14. Oktober 1954 in Aarau geboren. Sie hat von 1974 bis 1979 an der Universität Basel Jura studiert und ist seit 2004 in einem Basler Advokaturbüro tätig. Ihre Schwerpunkte sind Wirtschaftsrecht, Aktienrecht, Vertragsrecht, Familienrecht und Mediation.

Seit 2007 ist sie Mitglied des Nationalrats und vertritt die «FdP. Die Liberalen» in der grossen Kammer. Dank ihrer langjährigen politischen und beruflichen Tätigkeit bringt sie breite Erfahrung in Energie-, Umwelt- und Rechtsfragen mit. Frau Eichenberger ist Mitglied der Geschäftsprüfungskommission und der Sicherheitspolitischen Kommission.

Sie ist Witwe und Mutter zweier erwachsener Kinder.

 

Testlauf für künftige Tiefenlagerung hochaktiver Abfälle im Felslabor Mont Terri gestartet

Testeinsatz der speziellen, von der Firma Rowa entwickelten Stollen-Verfüllmaschine in Grono GR. Gesamthaft wurden mit der Maschine zwischen Mai und August 2014 rund 100 Tonnen Bentonit verfrachtet und in ein Stollenmodell eingefüllt. Bild: Comet Photoshopping


Im Felslabor Mont Terri geht das bisher grösste und aufwändigste Experiment der Nagra nach dreijähriger Vorbereitungszeit in die entscheidende Phase: Seit Oktober 2014 werden im rund 50 Meter langen Stollen des Felslabors Mont Terri drei Versuchsbehälter mit eingebauten Heizelementen eingelagert. Aktuell verfüllt eine speziell entwickelte Verfüllmaschine den Stollen mit Bentonitgranulat. Dieses «Full-Scale Emplacement» Experiment (kurz FE-Experiment) wird in den nächsten Jahren wertvolle Erkenntnisse für die weitere Planung von Tiefenlagerstollen liefern.

Bevor im Felslabor Mont Terri mit der Verfüllung des FE Stollens mit Bentonitgranulat begonnen werden konnte, hat die Nagra – zusammen mit der für die Entwicklung des Prototyps beauftragten Firma Rowa Tunnelling Logistics – in einer Fabrikhalle in Grono GR die Funktionalität der Maschine mehrere Wochen lang getestet. Zwischen Mai und August 2014 hatte sie zweimal erfolgreich je 50 Tonnen Bentonitgranulat in ein 1:1-Stollenmodell eingebracht. Die angestrebte minimale Dichte von 1,45 Tonnen pro Kubikmeter hat sie ohne Schwierigkeiten erreicht beziehungsweise sogar übertroffen.

Einsatz der Verfüllmaschine jetzt im Mont Terri

Seit Anfang September 2014 steht der Prototyp im internationalen Felslabor Mont Terri. Dort bestand die mit fünf Schneckenförderern ausgerüstete Maschine ihre erste Bewährungsprobe, indem sie einen mit Stahlbögen gestützten Abschnitt des FE-Stollens erfolgreich verfüllte. In einigen Stunden förderte die Verfüllmaschine etwa 55 Tonnen Bentonitgranulat in den hintersten Bereich des Stollens, der einen Durchmesser von rund 3 Meter aufweist. Derzeit werden die 4,6 Meter langen, tonnenschweren Versuchsbehälter mit eingebauten Heizelementen in den FE-Stollen eingebracht. Sie simulieren die Wärmeabgabe der hochaktiven Abfälle in einem späteren Tiefenlagerstollen im Massstab 1:1.

Die Verfüllung des Stollens mit Bentonitgranulat ist bereits weit fortgeschritten. Die Arbeiten dauern jedoch mehrere Wochen, da die Messtechniker hunderte Messinstrumente mit grösster Sorgfalt im umliegenden Gestein sowie rund um die Versuchsbehälter anbringen müssen. Abschliessend wird der FE-Stollen mit einem Beton-Bauwerk dicht verschlossen.

Das FE-Experiment ist international breit abgestützt: Partner der Nagra sind die Entsorgungsorganisationen aus Frankreich (ANDRA) und Kanada (NWMO), die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)mbH sowie das U.S. Department of Energy (DOE/LBNL).

Mit dem FE-Experiment beteiligt sich die Nagra am EU-Projekt «Large Underground COncept EXperiments » (LUCOEX). Damit erhält die Nagra eine Finanzierung durch das 7. Rahmenprogramm der Europäischen Atomgemeinschaft (European Atomic Energy Community).

Bentonit ist eine Mischung aus verschiedenen Tonmineralien. Das natürlich vorkommende Gestein entsteht durch Verwitterung aus vulkanischer Asche und ist benannt nach der Benton Formation in Fort Benton / Montana (USA).
Bentonit enthält als wichtigsten Bestandteil Montmorillonit (60–80 %), was seine starke Wasseraufnahme- und Quellfähigkeit erklärt. Die innere Oberfläche eines Gramms Bentonit beträgt bis zu 600 m2/g.
Testlauf

Blick in den offenen, frisch erstellten FE-Stollen vor dem Einbringen der drei Versuchsbehälter. Bild: Comet Photoshopping

Testlauf
Verfüllung des FE-Stollens und Einschluss eines Versuchsbehälters mit Bentonitgranulat. Bild: Nagra

 

Das Buch zur Geschichte der nuklearen Entsorgung in der Schweiz veröffentlicht

Geschichte der nuklearen Entsorgung

Das Buch zur Geschichte der nuklearen Entsorgung in der Schweiz ist im Verlag der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienen und im Buchhandel erhältlich. Bild: Nagra

 

Hans Issler (ehemaliger Präsident der Nagra), Jörg Hadermann (ehemals Leiter des Labors für Endlagersicherheit im Paul Scherrer Institut) und Auguste Zurkinden (ehemals Leiter der Abteilung Transporte und Entsorgung bei der nuklearen Sicherheitsbehörde HSK, heute ENSI) prägten die Geschichte der Entsorgung der radioaktiven Abfälle in der Schweiz massgeblich. Ihre Erfahrungen sind in einem Buch festgehalten, das im Verlag der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienen ist.

In einem 800 Seiten umfassenden detaillierten Bericht haben Hans Issler, Jörg Hadermann und Auguste Zurkinden die Geschichte der nuklearen Entsorgung in der Schweiz vom Zweiten Weltkrieg bis Ende 2006 aufbereitet. Der Publizist Andreas Pritzker hat die umfangreichen Unterlagen im jetzt publizierten Buch zusammengefasst. Es entstand ein wichtiges und auch für Laien verständliches Zeitdokument, das einen Überblick über alle wichtigen Fragen und Ansätze zur Entsorgung radioaktiver Abfälle in der Schweiz gibt.

Das Buch zeigt auf, wie die verschiedenen Akteure aus Energiewirtschaft, Wissenschaft und Behörden die Arbeiten von den Anfängen in den 40er-Jahren bis zum Entsorgungsnachweis 2006 gestalteten. Das Buch vermittelt breites Wissen zu fachspezifischen Fragen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, die sich bei der Entsorgung auch heute noch stellen.

Von den Anfängen bis zum Entsorgungsnachweis

Die Reise in die junge Vergangenheit bezieht auch die Gesetzgebung mit ein – von den ersten Richtlinien zur Behandlung radioaktiver Stoffe bis zur Inkraftsetzung des heute geltenden Kernenergiegesetzes. Das Buch beschreibt weiter die Entstehung des ersten Entsorgungskonzepts in den 70er-Jahren, spannt den Bogen zum «Projekt Gewähr» im Kristallin (1985) und schliesst mit der Genehmigung des Entsorgungsnachweises durch den Bundesrat im Jahr 2006 ab. Zudem beschreibt es ausführlich die bewegte Geschichte des Endlagerprojekts am Wellenberg.

Die zahlreichen gewonnenen Erkenntnisse auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung über die sechs Jahrzehnte faszinieren. Die internationale Zusammenarbeit in Felslabors und die intensiven Feldarbeiten zeigen, wie stark der Kenntnisstand in dieser Zeit gewachsen ist. Die zentrale Idee bei allen Entwicklungen hat man dabei nie aus den Augen verloren: das Konzept der geologischen Tiefenlagerung. Es wird deutlich, wie robust dieses Konzept von Anfang an war.

Das Buch würdigt den Entwicklungsweg der nuklearen Entsorgung in der Schweiz durchaus auch kritisch. Er wird als keineswegs geradlinig, sondern mit vielen Windungen verlaufend, beschrieben. Für Hans Issler steht nach 40 Jahren intensiver Abklärungen aber fest: «Radioaktive Abfälle lassen sich in der Schweiz sicher und umwelt gerecht entsorgen! Wichtige Grundsteine bilden die beiden Entsorgungsnachweise, mit denen die Machbarkeit gezeigt wurde.»

Hans Issler

Hans Issler beim Signieren des Buchs zur Geschichte der nuklearen Entsorgung in der Schweiz. Bild: Nagra

Besuch von Königin Beatrix der Niederlande

Das Buch zeigt eine historische Momentaufnahme aus dem Jahr 1993: Besuch von Königin Beatrix der Niederlande, zusammen mit dem damaligen Bundesrat Adolf Ogi, im Felslabor Grimsel. Rechts vorne Hans Issler, der damalige Geschäftsleiter der Nagra. Bild: Comet Photoshopping

 

etc.

Schüler erstellt Modell eines Tiefenlagers

Der 16-jährige Dominic Müller aus Niederweningen hat im Rahmen der Abschlussarbeit der dritten Sekundarschule ein Modell eines Tiefenlagers für radioaktive Abfälle erstellt. Das gut 1 Meter grosse Modell zeigt eine Oberflächenanlage inklusive Verpackungsanlage («heisse Zelle»), Zugangsrampe und Transportschacht zum Tiefenlager sowie das eigentliche Tiefenlager. Es ist mit LED-Lampen beleuchtet und optisch sehr gelungen.

Gegenüber unserem Entsorgungskonzept hat Dominic Müller allerdings die eine oder andere Vereinfachung vorgenommen – etwas schmunzeln mussten einige Wissenschaftler der Nagra schon, als sie das Modell des jungen «Ingenieurs» zu sehen bekamen. Aber insgesamt ist es anschaulich und sehr informativ. Und die Verantwortlichen der Nagra freuen sich ganz besonders, dass Dominic Müller ihnen dieses Modell überlässt.

Dominic Müllers Werk kann an unserem Messestand bei Gewerbeausstellungen bestaunt werden.

Modell

Dominic Müller aus Niederweningen zeigt stolz sein Modell eines Tiefenlagers, das er im Rahmen einer Abschlussarbeit gebaut hat. Bild: Nagra


Neuer Internetauftritt der Nagra

Die Nagra hat einen neuen Auftritt im World Wide Web. Die neue Site wurde am 18. November online geschaltet. Ziel der Neuentwicklung war, den stetig zunehmenden öffentlichkeitsrelevanten Informationsbedarf in moderner und attraktiver Form abzudecken. Die Site ist übersichtlich, dynamisch und benutzerfreundlich gestaltet.

Die Startseite präsentiert sich schlank und elegant mit den stets aktuellsten Medieninhalten und einer klaren inhaltlichen Trennung zwischen Medieninformation und Information zu den Sachthemen. Technisch ist die Site den neuesten Anforderungen und Trends angepasst, optimiert für Smartphones und Tablets. Eine Reihe themenrelevanter Bilder- und Videogalerien machen neugierig.

Besuchen Sie uns unter www.nagra.ch. Wir wünschen Ihnen ein angenehmes und spannendes Surfen!

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Der neue Internetauftritt der Nagra: informativ und modern.

 

Kernkraftwerk Mühleberg wird 2019 stillgelegt

Die BKW Energie AG hat entschieden, das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) 2019 endgültig ausser Betrieb zu nehmen. Das KKM wird damit das erste kommerzielle Kernkraftwerk in der Schweiz sein, das stillgelegt wird. Die Stilllegungsarbeiten dürften aus heutiger Sicht 2033 abgeschlossen sein.

Der Rückbau basiert auf einem Stilllegungsprojekt, das den Ablauf der Arbeiten genau beschreibt. Während der ersten Jahre werden die Brennelemente abtransportiert und die nuklearen Systeme (z.B. der Reaktor) demontiert. Stark strahlende Anlageteile werden mit Robotertechnik ferngesteuert abgebaut und zerlegt. Das radioaktive Material wird nach der Demontage sortiert, falls möglich dekontaminiert und freigegeben. Die verbleibenden radioaktiven Abfälle werden vor Ort tiefenlagergerecht verpackt und ins zentrale Zwischenlager Zwilag in Würenlingen transportiert. Diese Abfälle werden in Tiefenlager verbracht, sobald diese zur Verfügung stehen.
Nach Abschluss der Stilllegung wird auf dem Gelände des ehemaligen KKM keine über die natürlichen Werte hinausgehende Radioaktivität mehr messbar sein. Ziel der Stilllegung ist eine anderweitige Nutzung des Kraftwerkareals: Denkbar sind eine naturnahe Nutzung oder auch ein neuer Industriestandort.

Mühleberg
2019 wird Mühleberg als erstes Kernkraftwerk der Schweiz ausser Betrieb genommen. Die radioaktiven Abfälle aus der Stilllegung werden im zentralen Zwischenlager Zwilag in Würenlingen gelagert, bis ein geologisches Tiefenlager verfügbar ist.
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