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Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

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24.12.2009

25 Jahre Felslabor Grimsel: Wo Forschung und Erdgeschichte aufeinandertreffen

Am 25. September dieses Jahres feierte die Nagra zusammen mit Gästen aus aller Welt das 25-Jahr-Jubiläum des Felslabors unterhalb des Grimselpasses.

Die gleichzeitige Verabschiedung von Hans Issler, der 30 Jahre Vorsitzender der Nagra-Geschäftsleitung und zwei Jahrzehnte Präsident der Verwaltung war, brachte zudem emotionale Momente

Ein international bedeutendes Felslabor

Das Felslabor hat sich in seiner 25-jährigen Geschichte zu einem weltweit anerkannten Forschungslabor auf dem Gebiet der sicheren Lagerung radioaktiver Abfälle in geologischen Tiefenlagern entwickelt. Die besonderen geologischen Verhältnisse im Felslabor bieten ideale Rahmenbedingungen für verschiedenartige Versuchskonzepte und die Bearbeitung unterschiedlichster Fragestellungen. Der über einen Kilometer lange, verzweigte Laborstollen befindet sich auf 1730 Meter über Meer im 300 Millionen Jahre alten Granit des Aarmassivs. Eine im weltweiten Vergleich einmalige Situation bietet ein als strahlenschutzkontrollierte Zone eingerichteter Laborstollen, der den Einsatz von geringen Mengen radioaktiver Testsubstanzen unter realistischen Verhältnissen erlaubt. Seit Ende der 90er-Jahre konzentrieren sich die Hauptprojekte auf Feldexperimente unter möglichst endlagerrealistischen Randbedingungen. Die Experimente testen bereits das Verhalten grossmassstäblicher Komponenten künftiger Tiefenlager.

25 Jahre Betrieb – eine Erfolgsstory

Heute beteiligen sich 25 Organisationen und Forschungsinstitute aus 11 Nationen sowie der EU an Projekten im Felslabor Grimsel. Der Leiter des Felslabors Grimsel, Ingo Blechschmidt, fasst die Geschichte des Felslabors so zusammen: «Das Felslabor ist Entwicklungsumgebung und Übungsterrain zugleich. Das Verhalten der Natur und die Möglichkeiten, die Gesteine beim langfristigen Einschluss von radioaktiven Stoffen bieten, werden mit Hilfe des Felslabors genau erforscht und verstanden. Die fast unendlich lange Geschichte des Gesteins erzeugt tiefen Respekt und ist gleichzeitig der Schlüssel in eine Zukunft mit sicheren Tiefenlagern in der Schweiz und anderswo.»

Würdigung von Hans Issler

Eindrücklich war auch die Verabschiedung von Hans Issler, der als ehemaliger Präsident der Nagra den Bau und den Betrieb des Felslabors über Jahrzehnte begleitete. Zahlreiche Vertreter der im Felslabor beteiligten Partnerorganisationen aus 11 Nationen waren anwesend und erwiesen Hans Issler die Ehre. Der neue Präsident des Verwaltungsrats, Ständerat Pankraz Freitag, würdigte Hans Issler für seine fachliche Kompetenz, seine ruhige, überlegte Art und sein nachhaltiges Handeln: «Hans, Du hast wesentlich dazu beigetragen, dass die technisch-wissenschaftliche Kompetenz der Nagra national und international so hohe Beachtung geniesst.»

Ingo Blechschmidt, Leiter des Felslabors, beim Führen einer Gruppe. Bild: Comet
Ständerat und Verwaltungsratspräsident Pankraz Freitag (rechts) zusammen mit Hans. Bild: Comet 

 

«Die Oberfläche verrät, was im Untergrund verborgen ist.» Ansichten eines Feldgeologen

 

Herfried Madritsch bei der Arbeit im freien Feld. Bilder: Nagra

 

Die Analyse von Gesteinen und die Interpretation von Landschaftsformen sind Methoden von Erdwissenschaftern. Sie erlauben es, Rückschlüsse auf Gesteinsschichten im Untergrund zu ziehen. Ein Interview mit Herfried Madritsch, einem der Nagra-Geologen, die im freien Feld mehr entdecken als nur die Welt an der Oberfläche.

Herr Madritsch, was macht ein Geologe bei der Nagra?
Die Geologen bei der Nagra beschäftigen sich mit den verschiedensten Aspekten der Erdwissenschaften. Das Spektrum der Untersuchungen reicht von der Durchführung von Experimenten über die Charakterisierung von physikalischen, mechanischen und chemischen Gesteinseigenschaften bis zu regionalen Studien zur geologischen Entwicklung jener Gebiete, die als Standorte für geologische Tiefenlager in Frage kommen. Für solche Studien liefern geologische Feldaufnahmen Datengrundlagen.

Was genau untersuchen Sie im Feld?
Geologische Feldaufnahmen können sehr unterschiedliche Zielsetzungen haben. Derzeit werden die bestehenden Deformationsstrukturen der Gesteine detailliert erfasst, im Besonderen die Orientierung, Häufigkeit und Beschaffenheit von Brüchen im Gestein. Zu diesem Zweck werden Steinbrüche oder natürliche Geländekanten, an denen Gesteine an der Oberfläche aufgeschlossen und sichtbar sind, vermessen und kartiert. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen lassen sich Rückschlüsse auf die mechanischen und hydrogeologischen Eigenschaften des Gesteins ziehen. Ausserdem kann der Geologe so die Deformationsgeschichte rekonstruieren, welche das Gestein im Laufe der geologischen Vergangenheit erlebt hat.

Was hat Ihre Arbeit mit einem Tiefenlager zu tun?
Geologen prognostizieren unter anderem aufgrund von Beobachtungen an der Oberfläche den geologischen Aufbau des Untergrundes bis in eine Tiefe von mehreren Kilometern. Diese Prognosen ergänzen Informationen aus Tiefbohrungen, seismischen Untersuchungen und Felslaborexperimenten. Ausserdem stellen die Ergebnisse der derzeitigen Feldaufnahmen wichtige Grundlagen für die Rekonstruktion der geologischen Entwicklung der Region dar. Der detaillierte Kenntnisstand dieser Entwicklungsgeschichte fliesst in die Bewertung der Langzeitstabilität eines geologischen Tiefenlagers mit ein.

Welche Gesteine untersuchen Sie?
Die aktuellen Untersuchungen konzentrieren sich auf Kalkgesteine, die den Opalinuston überlagern. Sie sind nahezu in der gesamten Nordschweiz an der Oberfläche aufgeschlossen. Da diese Gesteine bereits vor ca. 170–145 Millionen Jahren im Jura entstanden sind, haben sie bruchhafte Verformung über einen sehr langen Zeitraum aufgezeichnet und deshalb viel zu erzählen ...

Glauben Sie, dass geologische Formationen Abfälle für Zehntausende von Jahren einschliessen können? 
Glaube allein ist in der Wissenschaft nicht ausreichend. Es ist international anerkannt, dass die geologische Tiefenlagerung die sicherste Möglichkeit ist, hochradioaktive Abfälle über lange Zeit einzuschliessen. Selbstverständlich kann auch ein Geologe, dem sogar 1 Million Jahre prinzipiell als kurzer Zeitabschnitt erscheint, keine hundertprozentige Garantie über diesen langen Zeitraum abgeben. Aber wenn ein geologisches Tiefenlager an einem Standort errichtet wird, der die Langzeitsicherheit auch bei pessimistischen Zukunftsszenarien gewährleistet, sind wir auf der sicheren Seite.

Was können wir von der Natur lernen?
Als Geologe wird mir von der Natur vor Augen geführt, dass der Mensch nur einen verschwindend kleinen Zeitabschnitt der Erdgeschichte miterlebt. Unser respektvoller Umgang mit der Natur sollte daher selbstverständlich sein. Wir lernen von ihr. 

Messungen an einem geologischen Aufschluss in der Landschaft.

 

Plattform Bözberg: «Wir werden nicht nur mitreden, sondern auch unsere Forderungen einbringen.»

 

Kleines Foto: Die Mitglieder der Plattform Bözberg – Christoph Riner, Benjamin Müller, Ulrich Müller, Gerry Thönen, Peter Plüss, Jan Gerschler (es fehlen Gerhard Beuggert, Ulrich Krieger und René Birrfelder). Bild: Fotostudio Huber, Wettingen
Grosses Foto: Die eindrückliche Landschaft des Bözbergs. Bild: U. Frick

 

Die Region Bözberg ist eines der sechs Gebiete, die gegenwärtig vertieft auf ihre Eignung als Standort eines geologischen Tiefenlagers für radioaktive Abfälle untersucht werden. Die Plattform Bözberg vertritt die Region als Behördendelegation im Sachplanverfahren und kümmert sich um den Aufbau der regionalen Partizipation.

 Der Sachplan geologische Tiefenlager sieht bei der Standortsuche für die Entsorgung radioaktiver Abfälle den Einbezug der betroffenen Bevölkerung und der Gemeinden vor (regionale Partizipation). Vor diesem Hintergrund formierte sich im Mai 2009 unter der Federführung der beiden Planungsverbände Brugg Regio und Fricktal Regio die Plattform Bözberg. Sie betrachtet es als ihren Auftrag, die Interessen der Region zu vertreten und zu gewährleisten, dass interessierte Bevölkerungsgruppen ihre Anliegen in den Standortwahlprozess einbringen können. Sie fungiert dabei als Verbindungsstelle zwischen den betroffenen Gemeinden und den am Sachplanverfahren beteiligten Organisationen wie dem Bundesamt für Energie (BFE), dem Kanton Aargau oder der Nagra. Ausserdem informiert sie die Bevölkerung laufend und in verständlicher Weise über die aktuellen Entwicklungen.


Intensive Vorbereitung

Auch wenn der eigentliche Aufbau der regionalen Partizipation erst im kommenden Jahr beginnt, sind die Mitglieder der Plattform Bözberg bereits aktiv. Zu ihren aktuellen Tätigkeiten gehören etwa:

  • die Aneignung von Kenntnissen über das Sachplanverfahren und über die Entsorgung radioaktiver Abfälle,
  • die Mitarbeit in verschiedenen, am Sachplanverfahren beteiligten Gremien wie der Arbeitsgruppe Information & Kommunikation und dem Technischen Forum Sicherheit,
  • die Mitarbeit an der laufenden Teststudie des BFE über raumplanerische Beurteilungsmethodik für Tiefenlager,
  • der Aufbau eines Beziehungsnetzes zu den wichtigsten Akteuren im Sachplanverfahren und zu den anderen Regionen, die als mögliche Standorte für ein Tiefenlager zur Diskussion stehen.

 

Weil es unter den an der Partizipation Beteiligten durchaus unterschiedliche Standpunkte zu einem möglichen Tiefenlager in der Bözbergregion gibt, hat sich das Gremium auf ein paar grundlegende Regeln der Zusammenarbeit geeinigt. Dazu gehört etwa das Bekenntnis, sich trotz unterschiedlicher Ansichten mit Achtung und Toleranz zu begegnen und sich um einen permanenten Dialog untereinander, mit den Behörden und der Bevölkerung zu bemühen.


Den Anliegen der Region Nachdruck verschaffen

Die Plattform Bözberg begrüsst ausdrücklich, dass bei der Standortsuche für geologische Tiefenlager Sicherheitsaspekte und nicht etwa politische oder ökonomische Überlegungen an erster Stelle stehen. In diesem Zusammenhang hält das Startteam fest: «Es darf auf keinen Fall sein, dass das Tiefenlager einfach dort gebaut wird, wo der Widerstand der Bevölkerung am geringsten oder die Realisierung am kostengünstigsten ist!»

Den Aufbau der regionalen Partizipation erachtet das Gremium als grosse Herausforderung, aber auch als unabdingbare Voraussetzung für einen transparenten und fairen Standortwahlprozess. Die Region Bözberg ist bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen, erwartet aber auch, dass sich die im Sachplanverfahren vorgesehene Partizipation nicht auf ein passives Mitspracherecht beschränkt: «Wir wollen nicht nur mitreden, sondern werden unsere Forderungen von Anfang an einbringen.» 

Die Plattform Bözberg besteht im Moment aus einem Startteam, das sich aus folgenden Personen zusammensetzt:

Gerhard Beuggert, Vizeammann, Bözen; René Birrfelder, Gemeindeammann, Mönthal; Jan Gerschler, Gemeinderat, Effingen; Ulrich Krieger, Bürgermeister, Laufenburg (D); Benjamin Müller, Vizeammann, Gipf-Oberfrick; Ulrich Müller, Gemeinderat, Riniken; Peter Plüss, Gemeindeammann, Unterbözberg; Christoph Riner, Grossrat, Zeihen. Betreut wird die Plattform von Gerry Thönen, Geschäftsführer des Planungsverbandes Fricktal Regio.

Kontaktadresse
Plattform Bözberg
Laufenplatz 145
5080 Laufenburg
Tel. 062 874 47 40
Fax 062 874 47 41

 

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Schweizer Medienschaffende besichtigten Nuklearanlagen in Schweden

Das Nuklearforum Schweiz hat vom 9. bis 12. September eine Informationsreise für Medienschaffende durchgeführt. 12 Journalistinnen und Journalisten aus der Schweiz nahmen daran teil. Zwei Nagra-Vertreter begleiteten die Reisenden.

Die Informationsreise führte nach Stockholm, Forsmark und Oskarshamn. Neben der Ausgestaltung der Anlagen im schwedischen Granit interessierten sich die Journalisten vor allem auch für den Entscheidungsprozess in Schweden bezüglich des Baus von Tiefenlagern. Aktuellen Gesprächsstoff gab es genug – so entschied die schwedische Entsorgungsorganisation Svensk Kärnbränslehantering AB (SKB) diesen Sommer, ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle in Forsmark zu bauen.

Es gab genug Gelegenheit, ausführlich mit nationalen wie auch lokalen schwedischen Politikern zu sprechen. Diese betonten, dass der Einbezug der lokalen Bevölkerung zentral war für den Erfolg des Entscheidungsprozesses.

Saida Engström, Leiterin des Bereichs Umwelt und Öffentlichkeit bei der SKB, brachte es auf den Punkt: Es sei sehr wichtig, zuzuhören und auf die Bedenken der Personen einzugehen. So entstehe die notwendige Vertrauensbasis zur Bevölkerung.

Die 3 Reaktoren von Forsmark und das Eingangsgebäude zum Tiefenlager SFR.

 

Geologiewanderung Weinland: 700'000 Jahre zurück

Das Forum Vera (Verantwortung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle) sowie die Parteien SVP, FDP und CVP des Bezirks Andelfingen luden am 11. September zu einer gut besuchten Geologiewanderung im Weinland ein.

Oskar Keller, pensionierter und passionierter Geologe, zeigte den Interessierten Spuren geologischer Prozesse der letzten 700'000 Jahre.

Eiszeiten und Schmelzwasser prägten die Erdoberfläche und somit auch die heutige Landschaft; für alle Teilnehmenden eine beeindruckende Einsicht in die jüngere Erdgeschichte. 

Aufmerksame Zuhörer an der Geologiewanderung mit Oskar Keller

 

Nagra beteiligt am Impuls-Event beim KKW Beznau

Die Nagra informierte an der Jubiläumsfeier «Impuls Beznau» mit einem eigenen Ausstellungspavillon über die nukleare Entsorgung in der Schweiz und lud die Besucher auf eine packende Zeitreise durch die Erdgeschichte ein. «Spuren der Zukunft» war der Titel des Pavillons, mit dem die Nagra an der Feier zum 40-Jahr-Jubiläum des Kernkraftwerks Beznau am 7./8. November vertreten war. Im Zentrum der Ausstellung stand eine mehrere Meter lange Schautafel mit einem Überblick über die letzten 300 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die enormen Zeitdimensionen zogen viele Besucher in ihren Bann. Anhand der ausgestellten Fossilienfunde und Gesteine konnten sie sich ein Bild davon machen, wie Wissenschaftler aus Vergleichen mit der Natur Erkenntnisse für die sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle gewinnen. Eine Animation veranschaulichte das Prinzip der geologischen Tiefenlagerung. Viele Interessierte nutzten darüber hinaus die Gelegenheit, sich über das Standortwahlverfahren für Tiefenlager zu erkundigen, ihre Meinung zu äussern und mit den Mitarbeitenden der Nagra zu diskutieren.

Der Nagra-Pavillon «Spuren der Zukunft» (links) und eine Innenaufnahme des Pavillons mit einem Ausschnitt der sechs Meter langen, 300 Millionen Jahre umfassenden Schautafel (rechts).

 

Gewerbeausstellungen mit Beteiligung der Nagra im Herbst 2009

Stimmungsbilder zum Dialog der Nagra mit Messebesuchern an der Zofinger Messe, der Herbstmesse Laufenburg, der Expo Brugg-Windisch und der Schaffhauser Herbstmesse.

 

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