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Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

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26.04.2012

TIME RIDE - Die neue Sonderausstellung der Nagra

TIME RIDE - Die neue Sonderausstellung startet am 13. April im Hauptbahnhof Zürich

Am 13. April um 18.30 Uhr startet der TIME RIDE der Nagra im Hauptbahnhof Zürich. Die Sonderausstellung zeigt eine spannende Reise in die Tiefen der Erde. Diese führt mittels einer Liftfahrt in eine Tiefe von 600 Meter, zurück in die Entstehungszeit des Opalinustons durch die Welten der Vergangenheit.

Der TIME RIDE gastiert dieses Jahr an mehreren Orten. Lassen Sie sich dieses eindrückliche Erlebnis nicht entgehen. Herzlich willkommen im TIME RIDE.

Besuchen Sie den TIME RIDE
Zürich Hauptbahnhof 13.04 – 15.04.2012
BEA, Bern 27.04. – 06.05.2012
Züspa, Zürich 21.09. – 30.09.2012
Schaffhauser Herbstmesse 24.10. – 28.10.2012
Winti Mäss, Winterthur 28.11. – 02.12.2012

 

Die Sonderausstellung TIME RIDE – eine spektakuläre Reise in die Tiefen der Erde und in die Entstehungszeit des Opalinustons vor rund 180 Millionen Jahren. Foto: Comet

 

Sachplan geologische Tiefenlager: «Alle werden gleich behandelt»

Bundesrätin Doris Leuthard. Foto: Didier Martenet

Nagra-Info hatte Gelegenheit, mit der Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) ein Interview zu führen. Bundesrätin Doris Leuthard ist unter anderem verantwortlich für das Verfahren zum Sachplan geologische Tiefenlager (SGT).

Frau Bundesrätin, ist es möglich, in der Schweiz sichere Tiefenlager zu bauen? Bundesrätin Leuthard: Aufgrund der heutigen Kenntnisse ist das technisch möglich. Die Sicherheitsbehörden und -kommissionen des Bundes (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat, Kommission Nukleare Sicherheit, Kommission Nukleare Entsorgung) haben die sicherheitstechnischen Aspekte der von der Nagra 2008 vorgeschlagenen sechs Standortgebiete geprüft. Darauf basierend hat der Bundesrat entschieden, dass diese Standortgebiete vertieft untersucht werden sollen.

«Die sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben. Sie ist auch eine moralische Verpflichtung.»

Was ist der Stellenwert des Bundesratsentscheids zur Etappe 1 des Sachplans?
Das ist ein wichtiger Meilenstein! Wir haben fast vier Jahre an der Etappe 1 gearbeitet und konnten sie Ende letztes Jahr abschliessen. Der zurückgelegte Weg war nicht immer frei von Reibungen und Schwierigkeiten. Mit dem Einsatz der Startteams und mit dem Aufbau der Regionalkonferenzen haben die Vertreter der Kantone und Gemeinden dazu beigetragen, dass Hindernisse in den Regionen und in den Köpfen abgebaut werden konnten. Sie haben eine Pionierleistung vollbracht. Dank diesen Arbeiten verfügen wir heute über einen hohen Kenntnisstand hinsichtlich der möglichen, geeigneten Standorte für geologische Tiefenlager.
In den nächsten vier Jahren geht es nun darum, zusammen mit den Standortregionen nebst der Vertiefung der Sicherheitsfragen Aspekte der Konkretisierung der Lagerprojekte sowie der Untersuchungen der sozioökonomischen und raumplanerischen Auswirkungen aufzuarbeiten. Die sogenannte regionale Partizipation ist ganz wichtig in Etappe 2. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage, damit die Nagra pro Abfallkategorie mindestens zwei Standorte vorschlagen kann. Die Sicherheit hat dabei oberste Priorität.

Ihr Departement ist federführend bei der Standortwahl für geologische Tiefenlager. Warum braucht es dieses aufwändige Sachplanverfahren?
Mit dem Sachplan wird ein transparentes, nachvollziehbares und faires Auswahlverfahren gewährleistet. Dabei ist klar: Ein solches Verfahren ist aufwändig und zeitintensiv. Alle werden gleich behandelt, niemand kann sich dem entziehen. Ich bin überzeugt, dass wir damit das Ziel, die bestmöglichen Standorte für geologische Tiefenlager zu finden, erreichen, auch dank einer konstruktiven Zusammenarbeit mit allen wichtigen Akteurinnen und Akteuren.

Das Sachplanverfahren ist übrigens ein bewährtes Raumplanungsinstrument des Bundes. Durch das stufenweise Vorgehen in drei Etappen bietet es grösstmögliche Transparenz. Wir kriegen aus dem Ausland viel Anerkennung für unser Auswahlverfahren.

Die Schweizer Regierung hat den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie beschlossen. Was bedeutet das hinsichtlich der Entsorgung radioaktiver Abfälle?
Die sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben. Sie ist auch eine moralische Verpflichtung – unabhängig davon, ob jemand für oder gegen die Kernenergie ist. Für die laufenden Arbeiten hat die Energiestrategie 2050 nur begrenzt eine Bedeutung. Die Nutzung der Kernenergie und die Entsorgung der zu einem grossen Teil bereits heute vorhandenen radioaktiven Abfälle müssen unabhängig voneinander gelöst werden. Die Arbeiten laufen daher im geplanten Rahmen weiter.
Ich erwarte aber, dass diejenigen Kreise, welche einen Ausstieg aus der Kernenergie gefordert haben, nun konstruktiv mitarbeiten, zumal die künftige Menge von radioaktivem Abfall nun beschränkt sein dürfte.

«Wir meinen es ernst mit der regionalen Partizipation.»

Als Auftakt für diese Etappe 2 musste die Nagra für die Diskussion in den Regionen Vorschläge für Standorte der Oberflächenanlagen machen. Wie beurteilen Sie die teilweise lautstarke Kritik dazu?
Das Sachplanverfahren geniesst eine sehr breite Unterstützung in der Schweiz. Die Vorschläge für Oberflächenanlagen sind Teil des Prozesses. Auch in diesem Schritt wollen wir transparent vorgehen. Wir meinen es ernst mit der regionalen Partizipation. In fünf Standortregionen wurden Regionalkonferenzen gegründet. So können Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerbe ihre Anliegen, Fragen und Bedürfnisse einbringen. Dazu gehört natürlich auch Kritik.
Ich begrüsse kritische Stimmen, solange die Kritik konstruktiv bleibt. Dann nämlich können wir in der konstruktiven Auseinandersetzung einen Ausgleich der Interessen erreichen und die bestmögliche Lösung erarbeiten.


Was ist Ihre Botschaft an die Bevölkerung, wenn es um die Entsorgung der radioaktiven Abfälle gehtZ

Die Standortvorschläge der Nagra für die Oberflächenanlagen liegen vor und ich lade alle ein, diese möglichst unvoreingenommen zu diskutieren. Es ist alles offen. Aber unsere Generation hat Ja gesagt zur Nutzung der Kernenergie und daher tragen wir die Verantwortung zur Entsorgung der Abfälle, was ja weniger riskant ist als der Betrieb von KKW. Die Standortregionen sollten daher von der Möglichkeit Gebrauch machen und bei der Konkretisierung der Lagerprojekte sowie den Untersuchungen der Auswirkungen auf Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft aktiv mitarbeiten.
Wir stehen vor einem wichtigen Schritt im Auswahlverfahren. Das kommende Jahr bringt für uns alle grosse Herausforderungen, denn eine solche grossangelegte Mitwirkung mit offenem Ausgang ist in der Schweiz ein Novum. 

Die engagierte Bundesrätin im Gespräch. Sie weiss um die Brisanz des Themas und steht hinter dem Sachplanverfahren. Foto: UVEK, Beat Schweizer

 

Was geschieht in der Etappe 2 des Sachplans?
In der rund 4 Jahre dauernden Etappe 2 des Sachplans untersucht die Nagra die sechs geologischen Standortgebiete sicherheitstechnisch vertieft und engt auf mindestens zwei Standorte pro Abfallkategorie ein. Ein zentraler Bestandteil der Etappe 2 ist die regionale Partizipation mit den Regionalkonferenzen. Diese arbeiten mit bei der Erstellung der sozioökonomisch-ökologischen Wirkungsstudie (SÖW), und sie konkretisieren in Zusammenarbeit mit der Nagra Vorschläge zur Ausgestaltung, Platzierung und Erschliessung der Oberflächeninfrastruktur.


Bundesrätin Doris Leuthard ist seit August 2006 Mitglied des Bundesrats und leitete bis am 1. November 2010 das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (EVD). Danach übernahm sie das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Damit ist sie unter anderem verantwortlich für alle Dossiers des Bundesamts für Energie (BFE), welches das Verfahren zum Sachplan geologische Tiefenlager (SGT) leitet. Doris Leuthard hat an der Universität Zürich Rechtswissenschaften studiert und war Partnerin in einem Anwaltsbür. Die 49-jährige Politikerin ist Mitglied der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) und verheiratet. 

Seismische Messungen der Nagra abgeschlossen

Links: Vibrationsfahrzeug der Messfirma DMT im winterlichen Feldeinsatz.
Rechts: Philip Birkhäuser, Projektleiter Seismik bei der Nagra.

 

«Mit den seismischen Messungen gewinnen wir weitere wichtige Informationen über den Untergrund», erklärt Philip Birkhäuser, Projektleiter Seismik bei der Nagra. Die Messungen dienen der vertieften Untersuchung der Standortgebiete für geologische Tiefenlager. Die Ergebnisse fliessen zusammen mit vielen anderen Daten in den Einengungsprozess im Rahmen des Sachplans geologische Tiefenlager ein.

Vom 24. Oktober 2011 bis 7. März 2012 wurden vier der sechs vorgeschlagenen Standortgebiete vertieft seismisch untersucht: Südranden, Nördlich Lägern, Jura Ost und Jura-Südfuss.

Die Messungen hatten zum Ziel, die geologischen Informationen für den Sicherheitsvergleich weiter zu vertiefen. Die Standortgebiete Zürich Nordost und Wellenberg wurden bereits sehr detailliert untersucht. Insgesamt wurde eine Strecke von rund 300 km vermessen, auch auf Empfehlung der betroffenen Kantone durchgeführt.

Gestartet wurden die Messungen in den beiden geologischen Standortgebieten Nördlich Lägern und Jura Ost. Beide Gebiete sind aufgrund der verfügbaren Kenntnisse sowohl für die Lagerung von schwach- und mittelaktiven Abfällen als auch für jene von hochaktiven Abfällen geeignet. Da man bei den hochaktiven Abfällen in den Langzeitsicherheitsanalysen einen Zeitraum von einer Million Jahren betrachten muss, wurden die Messlinien wie ein Netz auch über die Standortgebiete hinaus gelegt. «In Anbetracht der langen Zeiträume muss man auch geologische und tektonische Gegebenheiten rund um die Gebiete genau betrachten», erläutert Birkhäuser.

Im Verlauf der Messkampagne dehnte man die Untersuchungen dann auf die beiden Gebiete Jura-Südfuss und Südranden aus. In diesen Gebieten wurden je drei Linien in den Grenzen des geologischen Standortgebiets vermessen. «Wir haben das bereits bestehende seismische Netz mit unseren Messlinien verdichtet und bekommen so Daten, die bei der Einengung eine Rolle spielen können», erklärt Birkhäuser.

Rund 100 Messtage waren die insgesamt 130 Mitarbeiter der beauftragten Firmen draussen im Feld aktiv. Von goldenen Herbsttagen über eiskaltes Schneetreiben bis hin zum ersten Frühlingserwachen – es wurde von Montag bis Samstag gemessen. Da es keine Schweizer Firma gibt, die einen Auftrag in diesem Umfang abwickeln kann, wurde die deutsche Firma DMT beauftragt. DMT hat weltweit viel Erfahrung auf diesem Gebiet.

Mit ihrem Tross aus Vermessern, Kabelauslegern, Bohr- und Sprengmeistern, den Fahrern der Lastwagen und vielen Zuarbeitern zog sie Messlinie für Messlinie entlang. An manchen Orten bzw. in manchen Ortschaften kam sie bis zu dreimal vorbei – was für die Anwohner durchaus verwirrend sein konnte. Jeder Grundstücksbesitzer, auf dessen Gelände gemessen oder Kabel verlegt wurden, musste vorgängig um Erlaubnis gefragt werden. Nicht immer hat dabei alles restlos geklappt. In ganz wenigen Fällen war die Information nicht genügend oder zu spät – bei der Grösse des Projekts fast unvermeidbar. In diesen Einzelfällen wurden individuelle Lösungen gefunden.
Gesamthaft waren es rund 1700 Grundstückbesitzer, die angefragt wurden. Nur vierzehn haben ihre Erlaubnis verweigert. «Diese grosse Zustimmung hat uns sehr gefreut», sagt Birkhäuser. «Jetzt folgt die Phase der sorgfältigen Auswertung der gewonnenen Daten», fährt er fort. Gegen Ende des Jahres werden die Ergebnisse vorliegen.

Abschluss der seismischen Messungen: 7. März 2012, 14.15 Uhr an der Zollstrasse in Neuhausen SH

 

Philip Birkhäuser erklärt bei einer Feldbegehung das Prinzip der seismischen Messungen.

 

etc.

Die Partizipation in den Regionen hat begonnen

Am 30. November 2011 startete die Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager (SGT) mit der Festlegung der sechs geologischen Standortgebiete durch die Landesregierung. Darauf folgend präsentierte die Nagra anlässlich einer Medienkonferenz des Bundesamts für Energie (BFE) am 20. Januar 2012 die 20 Standortvorschläge für die Platzierung von Oberflächenanlagen geologischer Tiefenlager. Damit verbunden wurde auch die intensive Partizipationsphase in den Regionen eingeläutet.

Das BFE informierte – zusammen mit dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat und mit Vertretern der Kantone und der Regionalkonferenzen sowie der Nagra – die Bevölkerung der Standortregionen zwischen dem 30. Januar und dem 6. März 2012 über die Vorschläge und das weitere Vorgehen. An den insgesamt 15 Informationsabenden gab es viel zu diskutieren, und die Bevölkerung war engagiert dabei.

Die Fachgruppen Oberflächenanlagen der Regionalkonferenzen erörtern nun in den nächsten Monaten die Vorschläge. Gestützt auf die Ergebnisse der Zusammenarbeit wird mindestens ein Standort pro Region bezeichnet. Ende 2012 soll Klarheit bestehen, wo die Standorte zur Errichtung der Oberflächenanlagen in allen sechs Regionen liegen könnten.

 

Markus Fritschi von der Nagra bei seinem Vortrag an der Informationsveranstaltung in Schlatt TG.

 

Umweltminister von Baden-Württemberg lobt das Schweizer Standortauswahlverfahren

Das Bundesland Baden-Württemberg gibt der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland neue Impulse. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/ Die Grünen), besuchte im November 2011 die Schweiz und informierte sich über die Erfahrungen mit dem schweizerischen Sachplanverfahren. Er liess sich im ZWILAG in Würenlingen und im Felslabor Monti Terri das Schweizer Entsorgungskonzept erläutern. Der deutsche Landesminister bezeichnete das Verfahren in der Schweiz nach seinem Besuch als vorbildlich. «Wir halten den Endlager-Suchprozess in der Schweiz für vorbildlich und streben für Deutschland eine ähnliche Vorgehensweise an», sagte Herr Untersteller.



Franz Untersteller, Umweltminister von Baden-Württemberg


Das baden-württembergische Umweltministerium kommt zum Schluss, dass die Endlagerung in tiefen geologischen Formationen langfristig den bestmöglichen Schutz vor den radioaktiven Abfällen gewährleistet. «Unsere Generation hat die Verpflichtung, für die Umsetzung dieser Lösung zu sorgen», heisst es in einem Eckpunktepapier des Ministeriums.
In diesem Papier gibt das Land Baden-Württemberg auch eine Antwort auf das immer wieder aufgegriffene Argument, man solle doch die radioaktiven Abfälle langfristig an der Oberfläche lagern. So heisst es wörtlich: «Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg hält die geologische Endlagerung für die einzige verantwortbare Lösung zum dauerhaften und nachhaltigen Umgang mit den Wärme entwickelnden radioaktiven Abfällen.»

Das Eckpunktepapier (Suchwort Eckpunktepapierist einsehbar auf der Website des Umweltministeriums Baden-Württemberg: www.um.baden-wuerttemberg.de
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