Glossar

 

Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle

Ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle ist gemäss Kernenergiegesetz als geologisches Tiefenlager zu bauen.

Es verfügt über Kavernen, die ein Volumen von rund 100 000 Kubikmeter lagerfähig verpacktem Abfall aufzunehmen vermögen.

Ein vertikaler Schacht oder ein Tunnel ermöglichen den Zugang zu den Lagerkavernen in einer maximalen Tiefenlage für schwach- und mittelaktive Abfälle von rund 600 Metern.

Nach mehreren Jahrzehnten können die Kavernen komplett verfüllt werden. Auch nach dem Verschluss des Hauptlagers ist es im Pilotlager möglich, das Verhalten der Sicherheitsbarrieren zu kontrollieren. 

 

Bild: Infel AG, Claudio Köppel

1  Hauptlager SMA
2  Pilotlager
3  Testbereich
4  Zugangstunnel
5  Lüftungsschacht und Betriebsschacht

Die Oberflächeninfrastruktur ist Bestandteil eines geologischen Tiefenlagers.

Ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle besteht auch aus Anlagen an der Erdoberfläche oder in Oberflächennähe. Diese «Oberflächeninfrastruktur» wird für die Realisierung und den Betrieb des Tiefenlagers benötigt.

Modellhafte standortspezifische Gestaltung der Oberflächenanlage für das Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle. Ort, Ausgestaltung und Einpassung in die Landschaft werden in Zusammenarbeit mit der regionalen Bevölkerung bestimmt. Bild: maars, Zürich

Ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) besteht im Untergrund aus einem Testbereich, einem Pilot- und einem Hauptlager mit grossen Lagerkavernen.

Diese Anlagen sind durch einen Zugangstunnel und einen Schacht mit der Oberfläche verbunden und liegen in etwa 400 Meter Tiefe.

Nach dem Auffahren von Sondierstollen und Sondierschacht werden als erstes die Bauten für erdwissenschaftliche Untersuchungen Untertag gebaut. Während zirka fünf Jahren wird hier das Wirtgestein am Lagerstandort nochmals genau geprüft.

Das Pilotlager ist eine kleinere Lagerkaverne, in die die ersten Abfallcontainer eingelagert werden, welche während der gesamten Betriebs- und Beobachtungsphase überwacht werden.

Das Hauptlager besteht aus mehreren grossen Lagerkavernen, in denen die SMA in Betoncontainern gestapelt werden.

Die Stollen und Kavernen werden mit Schienen und Kranen ausgerüstet, damit die Einlagerung ferngesteuert verlaufen kann.

Es besteht je nach Gelände die Möglichkeit, einen Teil der Betriebs- und Anlieferungsanlagen unter der Oberfläche zu bauen.

Die Fässer mit den lagerfähig aufbereiteten (konditionierten) schwach- und mittelaktiven Abfällen werden bevorzugt mit der Bahn zur Oberflächenanlage des Tiefenlagers gebracht.

Nach einer Eingangskontrolle werden sie in die Umladestation transportiert. Dort werden sie überprüft und später in vorgefertigte Lagercontainer aus Beton umgeladen. Diese werden mit Zementmörtel ausgegossen.

Die Lagercontainer werden mit der Stollenbahn über den Zugangstunnel zu den Lagerkavernen gebracht.

Von dort werden die Container mit einem Laufkran zum Einlagerungsort befördert und übereinander gestapelt.

Die Kavernen werden etappenweise mit einem speziellen Mörtel verfüllt und später verschlossen.

In einem Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle unterscheidet man vier verschiedene Sicherheitsbarrieren: drei technische und eine geologische Barriere.

Die Abfälle werden in einer Matrix verfestigt und in Fässern eingeschlossen (erste technische Barriere).

Mehrere solcher Fässer werden in eine Betonwanne gestellt, die mit Mörtel aufgefüllt wird (zweite technische Barriere).

Die Betonwannen werden in grossen Kavernen über- und nebeneinander gestapelt und der Zwischenraum mit einem Spezialmörtel verfüllt (dritte technische Barriere).

Das Wirtgestein bildet zusammen mit den überlagernden Gesteinen die geologische Barriere.

Modell eines Lagercontainers für schwach- und mittelaktive Abfälle. Bild: Nagra

Betriebsablauf in der Oberflächenanlage eines Lagers SMA

Film ©Nagra

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