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Titelbild Kombilager

Ein Kombilager für radioaktive Abfälle?

Die radioaktiven Abfälle der Schweiz werden dereinst in geologischen Tiefenlagern tief unter dem Erdboden entsorgt. Dies geschieht in einem sogenannten «Kombilager» oder aber in zwei Einzellagern.

Radioaktive Abfälle besitzen unterschiedliche Eigenschaften. Daher müssen schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) beziehungsweise hochaktive Abfälle (HAA) getrennt voneinander entsorgt werden. In der Schweiz sind dazu zwei geologische Tiefenlager an unterschiedlichen Standorten vorgesehen: eines für schwach- und mittelaktive Abfälle und eines für hochaktive Abfälle. Eine Alternative zu zwei Einzellagern ist ein Kombilager für beide Abfalltypen an einem gemeinsamen Standort, was einige Vorteile bieten würde.

Voraussetzungen für ein Kombilager

Ein Kombilager besitzt eine gemeinsame Oberflächeninfrastruktur aber getrennte Lagerteile im Untergrund für die schwach- und mittelaktiven Abfälle sowie für die hochaktiven Abfälle. Damit die Nagra ein Kombilager bauen könnte, muss sie Vorgaben der Bundesbehörden erfüllen. Zum Beispiel muss ein geeigneter Standort für ein Kombilager ausreichend Platz für beide Lagerteile bieten und diese dürfen sich langfristig nicht gegenseitig negativ beeinflussen. Das ENSI beschreibt die Vorgaben detailliert. Gemäss aktuellem Kenntnisstand hat es in allen drei möglichen Standortregionen genügend Platz für ein Kombilager. In wenigen Jahren entscheidet sich, ob die Nagra ein Kombilager realisieren kann. Wie nachfolgend beschrieben, hätte ein Kombilager deutliche Vorteile gegenüber zwei Einzellagern.

Kombilager für radioaktive Abfälle Entsorgung von Atommüll
Darstellung eines geologischen Tiefenlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle sowie hochaktive Abfälle (Kombilager). Die Zugänge sind in diesem Beispiel als Schächte ausgelegt. Abbildung: Nagra.

Kombilager hat Vorteile

Im Vergleich zu zwei Einzellagern braucht es für ein Kombilager weniger Anlagen an der Oberfläche und Zugänge zum Tiefenlager. Der Platzbedarf an der Oberfläche halbiert sich dadurch. Das geringere Bauvolumen der Oberflächeninfrastruktur, das kleinere Volumen des Ausbruchmaterials beim Bau und der geringere Ressourcen- und Energieverbrauch beziehungsweise CO2-Ausstoss sprechen ebenso für ein Kombilager. Hinzu kommt auch ein Kostenvorteil: Ein Kombilager kostet rund 1,5 Milliarden Franken weniger als zwei Einzellager.

Bei einem Kombilager konzentrieren sich die ökologischen und sozio-ökonomischen Auswirkungen auf einen Standort oder eine Region. Die Auswirkungen sind dort aber im Vergleich zu der Summe von zwei Einzellagern deutlich kleiner. Der Personalbedarf ist bei einem Kombilager zudem geringer als bei zwei Einzellagern und das Personal vor Ort kann für eine längere Betriebszeit angestellt werden.

Grossbaustelle
Das Bauvolumen bei der Oberflächeninfrastruktur eines Kombilagers ist geringer als bei zwei Einzellagern. Foto: 172462042 © Lucapbl | Dreamstime.com

Rahmenbewilligung des Bundesrats notwendig

Die Nagra muss ihren Vorschlag zur Wahl des Standorts für ein Tiefenlager in einem Bericht zum Rahmenbewilligungsgesuch begründen. Sie muss vorgängig auch entscheiden, ob sie ein Gesuch für ein Kombilager oder eines für zwei Einzellager ausarbeiten will. Gemäss aktueller Datenlage bevorzugt die Nagra ein Kombilager. In einer Rahmenbewilligung werden Standort, Grösse und ungefähre Lage der wichtigsten Bauten eines Tiefenlagers festgelegt. Entscheidend für die Standortwahl ist die Langzeitsicherheit. Die Nagra muss aber auch eine gesamthafte Betrachtung machen für den Fall, dass sich unterschiedliche Standorte bezüglich Sicherheit nicht unterscheiden. Diese Betrachtung beinhaltet auch Aspekte der Raumnutzung, Ökologie, Wirtschaft und Gesellschaft.

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