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Stollen im Felslabor Grimsel

Geballte Kompetenz unter dem Berg

Blog von Adrian Uhlmann

450 Meter tief unter dem Juchlistock verbirgt sich das Felslabor Grimsel – ein seit fast 40 Jahren etabliertes internationales Forschungslabor. 20 Organisationen aus 12 Ländern führen dort Experimente durch. Eintauchen in den Untergrund.

Dichter Nebel und Wolken verbergen die Sicht auf Staumauern und Berggipfel. Von der wunderschönen Grimsellandschaft sehen wir an diesem Dienstagmorgen nichts. Was wir nicht wussten: Das Wetter würde sich noch bessern.
Vorerst aber geht es vom Grau ins Schwarz: Was uns dort unter Tag wohl erwartet?

Von internationalem Renommee

Das Felslabor Grimsel wurde 1984 eröffnet. Die internationale Beteiligung wuchs sehr schnell stark an, wie wir von Ingo Blechschmidt erfahren. Er ist der Leiter des Felslabors.

Wissenschaft und Forschung wird weltweit betrieben. Kollaborationen wie sie es im Felslabor Grimsel gibt, ermöglichen den Aufbau eines weltumspannenden Beziehungsnetzes. So bleibt auch die Schweiz am Puls des Geschehens. Und: Die Nagra kann mit dieser Plattform erfolgreich ihr Know-how der internationalen Forschungsgemeinschaft zugänglich machen.

Ingo Blechschmidt mit Besuchergruppe
Grimsel-Leiter Ingo Blechschmidt führt gewandt durch die Stollen des Felslabors.

Ingo Blechschmidt führt uns von einem Experiment zum nächsten. Den Orientierungssinn haben wir schon nach kürzester Zeit verloren. Die Stollen sehen alle gleich aus. Das geht wohl den meisten Besuchern so, die hier jeweils zwischen Juni und Oktober in den Genuss einer Führung kommen.

Besuch im Felslabor Grimsel

Sie möchten das Felslabor Grimsel besuchen? Gute Idee! Für Gruppen ab 7 bis 25 Personen bieten wir von Juni bis Oktober geführte Besichtigungen an. Aufgrund der Grossbaustelle der Kraftwerke Oberhasli (Ersatz Staumauer Spitallamm) ist die Kapazität für Besuchergruppen momentan limitiert.

Zwei aktuell sehr spannende Experimente heissen HotBENT und GAST. Beim Grossversuch HotBENT (High Temperature Effects on Bentonite Buffers) wollen die WissenschaftlerInnen herausfinden, wie warm es in einem Lagerstollen für radioaktive Abfälle werden darf. Mit Heizelementen wird tonhaltiges Material namens Bentonit erwärmt. Dieser Bentonit dient als Abdichtung und soll verhindern, dass fliessendes Wasser mit Atommüll in Kontakt kommt. Falls der Bentonit durch den Atommüll nämlich zu stark erhitzt wird, besteht die Gefahr, dass er nicht mehr richtig abdichtet. Das Experiment im Felslabor soll zeigen, bis zu welchen Temperaturen der Bentonit seine Eigenschaften optimal ausspielen kann.

Magisches Finale

Nicht minder interessant: Das GAST-Experiment. Die Abkürzung steht für GAs permeable Seal Test. Durch Korrosion von Metallen und Abbau von organischen Materialien können in einem Tiefenlager für Atommüll auch Gase entstehen. Wird der Druck durch diese Gase zu hoch, könnte das Einfluss auf die Sicherheitsbarrieren des Tiefenlagers haben. Das Gas soll entweichen können, ohne dass die Barriere-Eigenschaften des Abdichtungsbauwerks beeinträchtigt werden. Das Experiment simuliert deshalb den kontrollierten Gastransport aus einem Tiefenlager für radioaktive Abfälle in einer realistischen Umgebung.

Aus Sicherheitsgründen können wir dieses Experiment nicht besuchen. Hier im Felslabor verhält es sich gleich wie bei der Suche nach dem geeigneten Standort für ein Tiefenlager: Der Sicherheit wird alles untergeordnet.

Während wir uns ohne unseren Guide inzwischen garantiert hoffnungslos verlaufen hätten, freut dieser sich auf das grosse Finale: Er drückt auf einen Schalter, das Licht geht aus. Ein Raunen geht durch unsere kleine Gruppe. Ingo Blechschmidt zückt eine UV-Lampe und richtet sie auf die Stollenwand. Da beginnt es magisch-grün zu leuchten.

Die Wand leuchtet grün
UV-Strahlen lassen die Wand grün leuchten.

Blechschmidt hat mithilfe des UV-Lichts radioaktive Teilchen sichtbar gemacht – die natürliche Strahlung des Granitgesteins. Sie ist so schwach, dass sie für uns Menschen keine Gefahr darstellt. Spannend und schön zugleich sind sie, Blechschmidts Special Effects.

Apropos schön: An diesem lehrreichen Tag warten weitere tolle Belohnungen auf uns. Zuerst können wir eine Kristallkluft bestaunen, die 1974 beim Bau des Kraftwerks Oberhasli freigelegt wurde.

Kristallkluft
Prachtvolle Schönheit der Natur: Die beim Bau des Kraftwerks freigelegte Kristallkluft.

Anschliessend beenden wir unsere Erkundungstour unter Tage. Und als wir den Stollen am frühen Nachmittag verlassen, erblicken wir nicht nur das Tageslicht, sondern auch die vielbeschworene Schönheit der Grimselwelt.

Grimselsee
Prachtvolle Schönheit der Natur zum Zweiten: Blick auf den Grimselsee.

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