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Der Standortvorschlag für das Tiefenlager rückt näher

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Im September 2022 steht das Jahrhundertprojekt Tiefenlager vor einem Meilenstein: Nach jahrzehntelanger Forschung schlägt die Nagra einen Standort für das geologische Tiefenlager vor. Die offizielle Bezeichnung für diesen Meilenstein lautet «Auswahl der Standorte für die Vorbereitung der Rahmenbewilligungsgesuche (ASR)».

Die Untersuchungen der letzten Jahre fanden in drei potenziellen Gebieten statt: Jura Ost westlich von Brugg, Nördlich Lägern nordwestlich von Bülach und Zürich Nordost im Zürcher Weinland. Der Untergrund aller drei Gebiete weist passende Bedingungen für einen sicheren Lagerstandort auf. Denn das Gestein Opalinuston, das dort in mehreren hundert Metern Tiefe liegt, ist dicht und schliesst den radioaktiven Abfall sicher ein – eine natürliche Schutzbarriere.

Wo entsorgen
Foto: Nagra

In einem zweiten Schritt erarbeitet die Nagra für den vorgeschlagenen Standort ein Rahmenbewilligungsgesuch und reicht dieses circa 2024 ein. Es stellt die Basis für den Entscheid des Bundesrats dar.

Das Tiefenlager ist ein Jahrhundertprojekt für unsere und künftige Generationen: Gemeinsam müssen wir eine Lösung für die Entsorgung des radioaktiven Abfalls der Schweiz finden – damit auch unsere Nachfahren eine sichere Zukunft und eine intakte Umwelt vorfinden. 

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Was ist die Nagra?

Seit 50 Jahren arbeiten bei der Nagra verschiedene Generationen an der Lösung eines gesellschaftlichen Problems, dem Atommüll: Fachleute aus den Naturwissenschaften – wie Geologie, Physik, Chemie und Biologie –, dem Ingenieurswesen, der Kommunikation, den Finanzen und sämtlichen weiteren Bereichen, die nötig sind, um einen Betrieb administrativ und koordinativ zu unterstützen. 

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) arbeitet im Auftrag der Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke, der Zwischenlager Würenlingen AG (Zwilag) und des Bundes. Die Nagra hat die Aufgabe, ein Tiefenlager zu planen, zu bauen und zu betreiben. Dazu erarbeitet sie die technischen und wissenschaftlichen Grundlagen und arbeitet mit Forschungsinstituten im In- und Ausland zusammen. Die Erkenntnisse werden von den zuständigen Behörden und Kommissionen geprüft und bewertet. Das Tiefenlager ist ein nationales Gemeinschaftsprojekt für eine sichere Zukunft und Umwelt der nachfolgenden Generationen. 

Nagra Logo

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Was sind die Kriterien für den Standortvorschlag?

Entscheidend für die Sicherheit des Lagerstandorts sind die geologischen Verhältnisse im Untergrund, nicht diejenigen an der Erdoberfläche. Bei der Bestimmung des optimalen Standorts liegt das Hauptaugenmerk daher auf der Geologie. Zwar sind auch sozioökonomische und raumplanerische Kriterien wichtig, sie sind aber der Sicherheit untergeordnet und für den Standortvorschlag nicht relevant.

Nagra Mitarbeiter im Felslabor
Foto: Nagra

Der optimale geologische Untergrund

Der Opalinuston ist das beste Gestein für das geplante Schweizer Tiefenlager, das sogenannte Wirtgestein. Der Opalinuston ist dicht, kann allfällige Risse selbst wieder abdichten und bindet radioaktive Teilchen an sich. So schliesst er radioaktive Stoffe langfristig ein. Der Opalinuston ist der wichtigste natürliche Schutz des Tiefenlagers. Aber auch die tonhaltigen Schichten direkt unter und über dem Opalinuston helfen mit, die Abfälle sicher einzuschliessen.

Foto Opalinuston in Windisch
Foto: Nagra

Mittels Feldarbeiten wie seismischen Messungen, Quartärbohrungen und Tiefbohrungen sowie Forschungen im Felslabor untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nagra den Untergrund der verschiedenen Standorte. Mit seismischen Messungen wird der Untergrund durchleuchtet, ähnlich wie mit einem Ultraschallgerät, sodass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Aufbau der Gesteinsschichten besser erkennen können. Quartärbohrungen ermöglichen es, die obersten – also geologisch jüngsten – Schichten zu analysieren und zu verstehen, wie Gletscher und Flüsse in der Vergangenheit die Landschaft verändert haben. Tiefbohrungen dienen dazu, tiefer liegende Gesteinsschichten zu untersuchen.

Nagra_Bohrplatz_Arbeitende
Foto: Nagra / © Comet Photoshopping, Dieter Enz

Noch wenige Monate bis zum Standortvorschlag

2019 begann die Nagra mit den Tiefbohrungen in den drei infrage kommenden Standortregionen. Mittlerweile sind die insgesamt neun Bohrungen abgeschlossen. In den kommenden Monaten werten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Daten aus diesen Gesteinsuntersuchungen aus: Sie bilden die wissenschaftliche Grundlage für den Standortvorschlag der Nagra im September 2022. 

Wie geht es nach dem Standortvorschlag weiter?

Nachdem die Nagra den aus geologischer Sicht besten Standort für ein Tiefenlager bekannt gegeben hat, arbeitet sie ein sogenanntes Rahmenbewilligungsgesuch aus.

Das Rahmenbewilligungsgesuch, das vom Schweizer Gesetz vorgeschrieben wird, skizziert die Grundzüge des Projekts. Die Nagra plant, das Gesuch 2024 einzureichen, anschliessend wird es von den Behörden geprüft. Etwa 2029 entscheidet der Bundesrat über die Bewilligung und unterbreitet seinen Entscheid dem Parlament. Gegen diese Bewilligung kann das Referendum ergriffen werden. Der definitive Standortentscheid erfolgt voraussichtlich 2031.

Wer entscheidet?

Über die Bewilligungen von Kernanlagen – zu denen auch Tiefenlager zählen – entscheidet generell der Bundesrat. Dieser Entscheid muss anschliessend vom Parlament genehmigt werden. Der Parlamentsentscheid wiederum untersteht dem fakultativen Referendum. Sollte das Referendum gegen die Bewilligung ergriffen werden, stimmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Schweiz ungefähr 2031 über den Standort des Tiefenlagers ab.

Gemeinsam zum Ziel: die Akteure

Nur gemeinsam können wir das Jahrhundertprojekt Tiefenlager für die Schweiz realisieren:

VerursacherKernkraftwerke sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihren radioaktiven Abfall sicher zu entsorgen. Aus diesem Grund haben die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke und der Bund die Genossenschaft Nagra gegründet und finanzieren diese auch. Die Kraftwerke gehören grösstenteils den Kantonen und Gemeinden.
NagraDie Nagra plant und realisiert das geologische Tiefenlager. Ihre umfangreichen Untersuchungen bilden eine solide wissenschaftliche Grundlage für die Ermittlung des optimalen Standorts und für das Rahmenbewilligungsgesuch, das ungefähr 2024 eingereicht wird.
BehördenDas Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) ist die Aufsichtsbehörde und macht der Nagra Vorgaben. Es beurteilt den Standortvorschlag und prüft die Arbeit der Nagra sowie das Rahmenbewilligungsgesuch.

Das Bundesamt für Energie (BFE) leitet das Sachplanverfahren, organisiert die regionale Partizipation und informiert über den Stand des Projekts. Es wird die Kantone und die Fachstellen des Bundes dazu aufrufen, zum Rahmenbewilligungsgesuch Stellung zu nehmen.
PolitikDem Bundesrat obliegt die Bewilligung für den Bau von Kernanlagen – zu ihnen zählt auch das Tiefenlager. Etwa 2029 wird der Bundesrat über das Rahmenbewilligungsgesuch entscheiden und den Beschluss dem Parlament vorlegen. Gegen diesen Entscheid kann das Referendum ergriffen werden. 
Standortregionen und BevölkerungDie möglichen Standortregionen begleiten das Auswahlverfahren und setzen sich mit dem Tiefenlager auseinander. Die Kantone, die Gemeinden, die Bevölkerung und Organisationen aus den möglichen Standortregionen sowie aus dem benachbarten Deutschland bringen ihre Anliegen in der regionalen Partizipation ein. Den Kern bilden dabei die Regionalkonferenzen, die ebenfalls zum Rahmenbewilligungsgesuch Stellung beziehen werden.
nagra bohrplatz bachs
Foto: Nagra

Was ist Atommüll und woher stammt er?

Als Atommüll bezeichnet man radioaktive Stoffe, die nicht verwendbar sind oder laut Gesetz nicht mehr verwendet werden dürfen. Radioaktive Abfälle entstehen in der Schweiz grösstenteils in Kernkraftwerken, aber auch in Medizin, Industrie und Forschung. Heute liegt der radioaktive Abfall der Schweiz grösstenteils im Zwischenlager in Würenlingen.

Zwilag
Foto: ZWILAG

Übersicht Bohrungen

Seit 2019 hat die Nagra in den drei potenziellen Standortgebieten neun Tiefbohrungen durchgeführt: in den Gemeinden Bözberg, Bachs, Bülach, Stadel, Marthalen, Trüllikon und Rheinau.

    Zeitstrahl

    Ein Jahrhundertprojekt erfordert Fachwissen, langfristige Planung, verantwortungsvolles Handeln und ein gutes Zusammenwirken aller Beteiligten. Klicken Sie sich durch die Jahre und erfahren Sie mehr über bereits erreichte und künftige Meilensteine des Tiefenlagerprojekts.

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    ©2022 Nagra, Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle