
Juli 2011 |

Die Nagra hat in der Nordschweiz bereits viele Bohrungen abgeteuft und diverse Seismikprogramme durchgeführt. Sie verbessert die vorhandene Wissensbasis laufend für die anstehende Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager (SGT). Kein Standort darf aufgrund weniger umfangreicher Untersuchungen oder geringerer Kenntnisse ausgeschlossen werden.
Im Oktober 2008 hat die Nagra sechs Standortgebiete vorgeschlagen, die die Errichtung von sicheren Tiefenlagern erlauben. Über diese Vorschläge der Etappe 1 wird der Bundesrat vermutlich diesen Herbst entscheiden. Danach folgt die Etappe 2 des Sachplans mit vertieften Untersuchungen und einem sicherheitstechnischen Vergleich zwischen den Standortgebieten.
Am Ende der Etappe 2 darf kein Standort in der Auswahl bleiben, der sicherheitstechnisch als eindeutig weniger geeignet bewertet wird als die anderen. Ebenso darf auch keiner ausgeschlossen werden, nur weil der Kenntnisstand für diesen Standort nicht ausreicht, um seine Eignung stufengerecht schlüssig zu bewerten. Diese Bewertung erfolgt anhand sogenannter provisorischer Sicherheitsanalysen und eines sicherheitstechnischen Vergleichs. Für die provisorischen Sicherheitsanalysen muss der Kenntnisstand einen schlüssigen Vergleich der Standorte erlauben, aber noch nicht die Detaillierung für ein Rahmenbewilligungsgesuch mit vertieften Sicherheitsanalysen in Etappe 3 erreichen. Die Anforderungen dazu sind im Sachplan und in einem speziellen Bericht des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) festgelegt worden.
Wie viel muss die Nagra wissen für die Etappe 2?
Zurzeit läuft ein umfangreiches erdwissenschaftliches Untersuchungsprogramm zur Erhöhung des Kenntnisstandes von Etappe 1 zu Etappe 2 für den anschliessenden sicherheitstechnischen Vergleich. Die Prüfung durch das Eidgenössische Nuklearinspektorat hat ergeben, dass in Etappe 2 des Sachplans keine zusätzlichen Forschungsbohrungen notwendig werden. Solche Bohrungen werden in Etappe 3 durchzuführen sein.
Für die Etappe 2 des Sachplans hat das ENSI jedoch 41 Forderungen gestellt, die mit dem laufenden Untersuchungsprogramm abgearbeitet werden müssen, damit der Kenntnisstand den Anforderungen der Etappe 2 genügt.
Weitere Untersuchungen im Gang
Die Nagra vertieft die vorhandenen Kenntnisse zurzeit laufend. «Die Nordschweiz ist geologisch bereits sehr gut durchleuchtet», sagt Piet Zuidema, Leiter Technik & Wissenschaft der Nagra. «Trotzdem erhöhen wir schon jetzt den Kenntnisstand deutlich», ergänzt er.
Neben den geplanten Seismikmessungen im nächsten Winter (vgl. Seite 1) laufen zahlreiche andere Untersuchungen:
– Bezüglich Geometrie und Strukturen des Wirtgesteins werden in allen Standortgebieten Tiefenlage des Wirtgesteins sowie Lage und Orientierung von Störungen durch verschiedene Methoden überprüft.
– Hinsichtlich den Eigenschaften des Wirtgesteins werden die Kenntnisse über die Effinger Schichten und den sogenannten Braunen Dogger ergänzt. Auch für den Opalinuston werden durch Untersuchungen an Bohrkernen weitere Daten gewonnen.
– Für die Untersuchung der Eigenschaften des Wirtgesteins können auch Daten aus Erdwärmebohrungen verwendet werden (z. B. Geothermiebohrung Schlattingen).
– Für die Standortgebiete Bözberg und Jura-Südfuss werden die hydrogeologischen Kenntnisse verbessert.
– Im Themenkomplex «Geologische Langzeitentwicklung» sind standortübergreifende Untersuchungen in Arbeit, unter anderem bezüglich Verbreitung, Form und Alter von Talfüllungen und quartären Terrassen sowie Spuren neotektonischer Aktivität.
– Im Standortgebiet Jura Ost wird zusätzlich das Erosionspotenzial speziell untersucht.

Untersuchungsmethoden: Schweremessungen(oben), satellitengestützte
Präzisions-Messungen(unten), Opalinuston-Bohrkerne(rechts).