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Druck Version: Nagra Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle Seite: 86830 Datum & Zeit: 23.05.2012 03:43:22 Sprache: DE |

| September 2009 |
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Herr Freitag, warum engagieren Sie sich persönlich für die Entsorgung radioaktiver Abfälle?
Weil diese Aufgabe sehr wichtig ist für unser Land. Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle muss in der Schweiz gelöst werden – unabhängig davon, ob das Volk dem Bau neuer Kernkraftwerke zustimmt oder nicht. Die Abfälle sind da! Meine Arbeit bei der Nagra ist anspruchsvoll. Dank meinem Werdegang habe ich jedoch günstige Voraussetzungen: Als Mathematiker bringe ich technisches Verständnis mit, als ehemaliger Baudirektor kenne ich Planungen und Abläufe, und als Ständerat weiss ich viel über die politischen Prozesse unseres Landes und die Sorgen der Schweizer Bevölkerung.
Was ist Ihre Aufgabe als Verwaltungsratspräsident?
Mir obliegt die Leitung der Verwaltung, also des Kontrollorgans der Nagra, und die Durchführung der jährlichen Generalversammlung. Meine Aufgabe hat wesentlich mit strategischer Entwicklung und gesamtheitlicher Führung der Firma zu tun, was ich in intensiver Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung der Nagra umsetze. Zudem vertrete ich die Verwaltung nach innen und die Genossenschaft Nagra nach aussen. Dazu gehören auch internationale Kontakte.
Das Thema der Entsorgung radioaktiver Abfälle löst bei vielen Ängste und Sorgen aus. Was sagen Sie dazu?
Dafür habe ich Verständnis. Radioaktivität macht den meisten Menschen Angst – obwohl wir im Alltag bekanntlich schadlos mit natürlicher Strahlung leben. Die Entsorgung radioaktiver Abfälle ist eine emotional schwierige, aber trotzdem notwendige Aufgabe. Technisch lässt sie sich lösen, wenn wir sorgfältig sind und das Konzept robust ist. Ich sage immer: Die Sicherheit hat oberste Priorität. Das müssen wir kompromisslos aufzeigen können – der Dialog mit der Bevölkerung ist dafür entscheidend.
Kann ein aktiver Dialog das Verständnis für die Aufgaben der Nagra wirklich erhöhen?
Das Verständnis bezüglich der Aufgabe einer sicheren Entsorgung ist die Voraussetzung für eine aktive Mitwirkung und letztlich eine genügende Akzeptanz für den künftigen Bau eines Tiefenlagers. Gegenseitiges Verständnis wird durch einen aktiven Dialog gefördert und ist vertrauensbildender als eine Einweg-Kommunikation.
Einige sagen, die Nagra sei ein «versteckter Arm der Atomlobby ». Wie sehen Sie das?
Da ist nichts Verstecktes. Im Gegenteil: Die Nagra entspricht einem zentralen Erfordernis unseres Kernenergiegesetzes. Sie hat einen klaren gesellschaftlichen Auftrag: Radioaktive Abfälle sind von ihren Verursachern auf eigene Kosten sicher zu entsorgen, unabhängig davon, was das Schweizer Volk zur Zukunft der Kernkraft bestimmen wird. Da der Bund verantwortlich ist für radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung, ist unser Staat ebenfalls Genossenschafter der Nagra.
Welche Eindrücke hinterlässt die Nagra bei Ihnen?
Es ist eine gut organisierte Firma. Über 80 Mitarbeitende vereinen ein sehr grosses Know-how und viel Erfahrung. Ihre Kernkompetenz, die wissenschaftliche und technische Arbeit, ist national und international anerkannt. Um glaubwürdig zu bleiben und am Schluss Erfolg zu haben, sind Stehvermögen und eine gute Unternehmenskultur mit klarer Führung und entsprechendem Auftritt in der Gesellschaft unabdingbar. Daran arbeiten wir hart.

Ständerat Pankraz Freitag ist seit Dezember 2008 Verwaltungsratspräsident der Nagra. Er ist Vorsitzender des obersten Kontrollorgans der Nagra. Freitag ist Ständerat und vertritt den Kanton Glarus in der kleinen Kammer in Bern. |