Hätten die Römer vor 2000 Jahren an Stelle des Kolloseums ein oberirdisches Zwischenlager für radioaktive Abfälle gebaut – würde es heute noch stehen? Wären die Abfälle darin jederzeit sicher eingeschlossen gewesen?
Zwischenlager sind eine gute Lösung, solange sich Menschen um ihre Überwachung und Wartung kümmern. Wir können uns aber nicht darauf verlassen, dass kommende Generationen diese Aufgabe übernehmen. Radioaktive Abfälle müssen nicht nur für 2000 Jahre sicher gelagert werden, sondern für Zehntausende von Jahren.
Gesellschaften und Umwelt verändern sich ständig. Tief in der Erde hingegen steht die Zeit praktisch still. Die Erdgeschichte zeigt: Gesteinsschichten können über unvorstellbar lange Zeit stabil sein und Stoffe über Jahrmillionen einschliessen. Diese Eigenschaft macht sich die geologische Tiefenlagerung zunutze: Radioaktive Abfälle werden in mehreren Hundert Meter Tiefe in einem dichten Gestein eingelagert. Dort bleiben sie auch ohne menschliches Zutun dauerhaft eingeschlossen und stellen für unsere Nachkommen keine Gefahr dar.
Bohrkern aus dem Opalinuston der Nordschweiz. In diesem Gestein findet man heute noch sehr gut erhaltene Überreste von Meerestieren aus der Zeit, in der es entstanden ist - vor rund 180 Millionen Jahren. Funde wie diese zeigen, dass die Natur Stoffe über extrem lange Zeit einschliessen kann. (Bild: Comet)