Glossar

 

Tiefenlager

Weltweit ist anerkannt, dass für hochaktive und langlebige mittelaktive Abfälle nur die Lagerung in geologisch stabilen Gesteinen die Sicherheit über die notwendigen langen Zeiträume gewährleistet.

Dieser Grundsatz ist im Kernenergiegesetz verankert und gilt in der Schweiz auch für die schwach- und mittelaktiven Abfälle.

In Lagern an der Erdoberfläche sind die Abfälle zwar direkt kontrollierbar und leicht rückholbar. Die Lager müssen aber überwacht und unterhalten werden. Eine zwingende Voraussetzung dafür sind stabile gesellschaftliche Verhältnisse während der nötigen Lagerdauer. Gesellschaftliche und klimatische Entwicklungen sind nicht prognostizierbar, im Gegensatz zur Geologie und zum Verhalten der technischen Sicherheitsbarrieren. Deshalb sind geologische Tiefenlager vorzuziehen.

Heute Zukunft

Illustration: W4

In der Gesellschaft besteht weltweit weitgehend Einigkeit darüber, dass mit schädlichen Abfällen verantwortungsbewusst umgegangen werden muss.

Die Abfall verursachenden Generationen müssen die Verantwortung für die Entsorgung ihrer Abfälle übernehmen. Dabei gilt es, die Anliegen heutiger, aber auch zukünftiger Generationen angemessen zu berücksichtigen. Die Entsorgungsstrategie sollte weder auf der Annahme einer stabilen gesellschaftlichen Struktur bis in die ferne Zukunft noch auf der Annahme weiteren technologischen Fortschritts beruhen. 

Die International Atomic Energy Agency (IAEA) hat 1995 neun Sicherheitsprinzipien zum Umgang mit radioaktiven Abfällen erlassen, die alle auf ethischen Grundgedanken basieren. Die folgenden beiden Prinzipien sind besonders stark mit der ethischen Problematik verknüpft:

Prinzip 4

Schutz künftiger Generationen: Mit radioaktiven Abfällen soll so umgegangen werden, dass vorhergesagte mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit künftiger Generationen nicht grösser sind, als sie heute akzeptiert werden. 

Prinzip 5

Übertragen von Lasten auf künftige Generationen: Mit radioaktiven Abfällen soll so umgegangen werden, dass künftige Generationen keine übermässigen Lasten zu übernehmen haben.

Zur geologischen Tiefenlagerung der radioaktiven Abfälle bieten sich nur wenige Alternativen.

Für hochaktive Abfälle (HAA) ist die einzige angemessene Option die geologische Tiefenlagerung. Selbst wenn dereinst die Transmutation funktionieren sollte, wird es dennoch für die Restabfälle ein Tiefenlager brauchen. Immer wieder taucht die Idee auf, man könnte die HAA in den Weltraum schiessen, um sie so definitiv zu entsorgen. Allerdings ist das Risiko eines Unfalles zu gross; die Abfälle könnten unkontrolliert auf die Erde zurückfallen. 

Für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) besteht die Möglichkeit einer Lagerung an der Oberfläche, wie sie unter anderem in Frankreich und Spanien bereits praktiziert wird. In der Schweiz ist aber auch für SMA die geologische Tiefenlagerung gesetzlich vorgeschrieben. 

 

Teilansicht des spanischen Lagers El Cabril an der Oberfläche für schwachaktive Abfälle. Links im Vordergrund sind noch leere Lagerkompartimente zu erkennen. Bild: Enresa

Stabilität über lange Zeit

Gesteinsschichten können über viele Jahrmillionen stabil sein und ihre Eigenschaften behalten. Im geeigneten Untergrund bleibt die Zeit sozusagen stehen, während sich die Erdoberfläche mehrfach wandelt.