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Newsletter für Lehrkräfte

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28.06.2016

Lehrernewsletter Juni 2016

Schule & Jugend 

«Es ist an der Zeit, dass auch unsere Generation beginnt, sich mit dem Thema Entsorgung auseinander zu setzen»

Noah Bonito und Oliver Hösli (beide 19) von der Kantonsschule Wettingen schreiben zurzeit ihre Maturaarbeit über die Entsorgung radioaktiver Abfälle. Wir wollten von Noah Benito wissen, wie sie auf das Thema Entsorgung gekommen sind und welche Herausforderungen sie bei ihrer Maturaarbeit zu bewältigen haben. 

Vielseitig: Das Angebot der Nagra für Lernende.

Vielseitig: Das Angebot der Nagra für Lernende. (Bilder: Maria Schmid)

Die Nagra bietet ein umfangreiches Angebot an Materialien und Dienstleistungen für Lehrpersonen an. Neben Schulbesuchen und dem Verleih von Geiger-Müller-Zählrohren gehören auch Führungen in den Felslabors sowie der Versand von Schullektionen zu verschiedenen Themen wie Geologie, Erdbeben und Radioaktivität dazu. Dies ist aber längst nicht alles. Daneben beantwortet die Nagra auch Anfragen von Schülerinnen und Schülern, die ihre Abschluss- oder Projektarbeit über die Entsorgung radioaktiver Abfälle schreiben möchten.

Herr Bonito, erläutern Sie uns doch kurz das Thema Ihrer Maturaarbeit. 
N.B.: Wir beschäftigen uns mit dem möglichen geologischen Tiefenlager in dem Gebiet Jura Ost. Anhand von Interviews wollen wir herausfinden, welche Argumente für resp. gegen den genannten Standort sprechen. Zudem interessieren wir uns, welche Motive oder Ideologien hinter den Antworten stecken. 

Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen? 
N. B.: Ausschlaggebend ist die Aktualität der Entsorgungsfrage. Den Standort Jura Ost haben wir gewählt, weil er in der Nähe der Kantonsschule Wettingen liegt und wir damit einen direkten Bezug haben. Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist, dass auch unsere Generation beginnt, sich mit dem Thema der Entsorgung auseinanderzusetzen. 

Was fasziniert Sie an der Entsorgung am meisten? 
N. B.: Am meisten fasziniert mich die Tatsache, dass die Entscheidungen, die heute getroffen werden, viele weitere Generationen beeinflussen werden. Es sind Entscheidungen, die auch nach der heutigen oder der nachfolgenden Generation nicht in Vergessenheit geraten werden. 

Welche Herausforderungen stehen Ihnen bei der Maturaarbeit bevor? 
N. B.: Die grössten Herausforderungen werden die Transkription und die Analyse der Interviews sein. Einerseits sind es sehr zeitintensive Arbeiten, andererseits wird es schwierig sein, die Objektivität immer beizubehalten. 

Vielen Dank für das Interview.


Schule & Jugend 

«Die Jugendlichen schauen nach vorne»

Seit 2007 ist die Chemikerin Jutta Lang bei der Nagra zuständig für deren Schulangebote. In dieser Funktion nimmt sie an den TecDays der SATW (Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften, www.satw.ch) als Referentin teil. Auf Einladung besucht sie auch Schulen, um das Thema Entsorgung radioaktiver Abfälle mit den Jugendlichen zu diskutieren. Und wenn Schülerinnen oder Schüler ein Referat halten müssen, eine Vertiefungsarbeit oder eine Maturaarbeit zum Thema Entsorgung schreiben, landen sie bei Interviewanfragen an die Nagra ebenfalls bei ihr. 

Schülerinnen und Schüler im Felslabor Mont Terri.

Im Felslabor: Jutta Lang (Mitte) von der Nagra erklärt den Schülerinnen und Schülern die Nebelkammer im Besucherzentrum des Felslabors Mont Terri (www.mont-terri.ch). (Bild: Maria Schmid)

Pro Jahr gehen knapp 30 Anfragen von Schülern oder Studenten bei der Nagra ein, weil sie ein Interview oder sonstigen Input für ihre Arbeit über die Entsorgung von radioaktiven Abfällen brauchen. So breit die Palette der Anfragenden ist (vom Sekundarschüler über die Kantonsschülerin bis hin zum Kommunikationsstudenten), so verschieden ist in der Regel auch der Ansatz ihrer Arbeit. Mal begleitet eine Maturandin eine Nagra-Wissenschaftlerin zwei Tage lang bei ihrer Forschungstätigkeit, mal drehen Schüler einen Film über die verschiedenen Positionen in der Entsorgung. Eine Pädagogikstudentin nahm Kontakt mit uns auf, weil sie im Zuge ihrer Masterarbeit ein Ausbildungsmodul zur Entsorgung radioaktiver Abfälle entwickelt.

Die Nagra unterstützt alle Anfragenden, soweit es ihr möglich ist. Sie stellt sich als Interviewpartnerin zur Verfügung, vermittelt weiterführende Kontakte, organisiert Führungen im Felslabor, wenn das gewünscht wird, oder stellt Bilder und Grafiken zur Verfügung. Manchmal beträgt der Aufwand eine Stunde und manches Mal wird auch deutlich mehr Zeit investiert. Etwa wenn das Thema einen nicht gerade gängigen Aspekt der Entsorgung beleuchtet.

Dies war beispielsweise der Fall, als ein Maturand die immer wieder auftauchende Frage nach einer Auslandslösung plötzlich umdrehte. Er überprüfte, ob die Schweiz radioaktiven Abfall aus anderen Ländern aufnehmen und dies als lukratives Geschäftsmodell entwickeln könnte. Unseren Abfall ins Ausland zu geben, das kann sich so mancher vorstellen. Aber umgekehrt? Genau genommen, war dieser Maturand der erste, der sich mit dieser Fragestellung an uns wandte. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Nagra hat den Auftrag, die Entsorgung in der Schweiz umzusetzen, und zwar nur für den eigenen Abfall. Entsprechend fielen auch unsere Antworten aus. Die sehr detaillierten Fragen nach Abfallvolumen und Ausdehnungen aller möglichen geologischen Standortgebiete waren sehr aufwendig in der Beantwortung. Wir haben diese Fragen, wie alle eingehenden Fragen, auch umfassend beantwortet – in diesem Fall mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht.

Ist die Entsorgung von radioaktiven Abfällen ein Thema, welches die jüngeren Generationen beschäftigt?
Jutta Lang: Grundsätzlich sind radioaktive Abfälle nicht gerade ein Hype, weder bei Erwachsenen noch bei Heranwachsenden. Aber wenn die Gelegenheit besteht, mit jungen Menschen in einen Austausch zu treten, dann stelle ich immer wieder fest, dass sie sich sehr schnell in die Thematik reindenken können und dass sie dann engagiert diskutieren. Das Thema ist nicht nur eine wichtige nationale Aufgabe, es ist auch thematisch sehr vielfältig und spannend. 

Wie gehen Heranwachsende mit dem Thema Entsorgung um? Gibt es Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Generationen? 
J.L.: Mein Eindruck ist, dass jüngere Menschen recht pragmatisch an das Thema herangehen. Sie sind sich bewusst, dass der Abfall vorhanden ist und dass es eine Lösung braucht. Von Schülerinnen oder Schülern hört man ¬beispielsweise nie, dass man die Abfälle nicht hätte produzieren dürfen. Sie wissen, dass diese Diskussion müssig ist, denn die Abfälle sind bereits vorhanden. Oft höre ich dagegen die Frage: Was passiert, wenn wir den Abfall nicht entsorgen? Oder: Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn der Abfall an der Erdoberfläche bleibt, und was, wenn er im Untergrund ist? Die Jugendlichen schauen nach vorne. 

Was macht die Nagra, um junge Menschen mit dem Thema Entsorgung zu erreichen? 
J.L.: Wir haben auf unserer Website das Portal Schule & Jugend, auf dem wir Jugendliche aktiv ansprechen. Unter anderem befindet sich dort eine interaktive Pinnwand, mit der wir in den direkten Austausch treten. Als wissenschaftliche Organisation unterstützen wir die Förderung von Naturwissenschaften (zum Beispiel in Form von Schulprojekten), wir bieten Führungen speziell für Schulklassen in den Felslabors Grimsel und Mont Terri an und wir nehmen am Nationalen Zukunftstag teil, um einige Beispiele zu nennen. Vor allem aber wollen wir den Jugendlichen, genau wie dem Rest der Gesellschaft, ein kompetenter Ansprech- und Diskussionspartner sein. Wir suchen den Dialog mit allen Teilen der Bevölkerung. 

Vielen Dank für das Interview.

Falls auch Ihre Schülerinnen und Schüler Interesse daran haben, eine Arbeit oder Schulprojekt zusammen mit der Nagra durchzuführen, kontaktieren Sie Jutta Lang. Email: jutta.lang@nagra.ch oder +41 56 437 12 39.

Hier geht es zur Angebotsseite für Lernende: http://www.nagra.ch/de/fuerlernende.htm

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