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Nagra informiert: Aktuelles zur nuklearen Entsorgung

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29.11.2016

Die Nagra optimiert die Sicherheit künftiger geologischer Tiefenlager weiter

Der Grundstein für sichere geologische Tiefenlager in der Schweiz ist gelegt. Die Entsorgungsnachweise für alle Kategorien radioaktiver Abfälle sind anerkannt, die Schlüsselfragen sind geklärt und die Nagra verfügt über einen soliden technisch-wissenschaftlichen Kenntnisstand. Nun geht es um die Optimierung der Sicherheit. Ungewissheiten gibt es nur noch bei einigen Teilaspekten. Die entsprechenden Anforderungen und Bearbeitungsschritte für deren Reduzierung sind bekannt.

Mit den Entsorgungsnachweisen für alle Kategorien radioaktiver Abfälle anerkannte der Bundesrat die Machbarkeit sicherer geologischer Tiefenlager in der Schweiz: 1988 für die schwach- und mittelaktiven Abfälle (SMA) und 2006 für die hochaktiven Abfälle (HAA). Oberstes Ziel ist der zuverlässige Einschluss der Abfälle über einen langen Zeitraum – an einem oder zwei dafür am besten geeigneten Standorten. Der geologische Untergrund der Schweiz wurde während über 40 Jahren systematisch untersucht. Diese Arbeiten gehen heute weiter, und die Suche nach Standorten erfolgt gemäss dem Sachplan geologische Tiefenlager (SGT).

Das Mass der zu erreichenden Sicherheit

Ist der am besten geeignete Standort gefunden, muss die Nagra für die Einreichung eines Rahmen-, Bau- und Betriebsbewilligungsgesuchs je einen Sicherheitsnachweis erstellen. Darin zeigt sie jeweils schrittweise und stufengerecht auf, dass ein Tiefenlager

  • bautechnisch machbar ist,
  • sicher betrieben werden kann und
  • für genügend lange Zeit Schutz bietet.

Dabei legt die Nagra das Mass der erreichten Sicherheit, offene Punkte und allfällige Ungewissheiten dar. Bis zur Betriebsbewilligung müssen alle Bestandteile des Lagers so geplant sein, dass die gesetzlichen Anforderungen optimal erfüllt werden.

Das Entsorgungsprogramm 2016 als Road-Map

Das aktuelle Entsorgungsprogramm (EP) wird diesen Dezember veröffentlicht und zeigt auf, wie die Entsorgung der radioaktiven Abfälle der Schweiz geplant und auch umgesetzt wird – von der Zwischenlagerung bis hin zu Planung, Bau, Betrieb und Verschluss der Tiefenlager.

«Mit unserer zielgerichteten Forschungs und Entwicklungsarbeit optimieren wir die Sicherheit geologischer Tiefenlager weiter.»
Irina Gaus, Hydrogeologin, Gesamtprojektleiterin Forschung & Entwicklung
    «Da die Entsorgung ein Generationenprojekt ist, müssen wir Wissen nicht nur erarbeiten, sondern es auch weitergeben. Und das über mehrere Jahrzehnte hinweg. Ich schätze den Austausch mit Wissenschaftlern bei meiner vielseitigen Arbeit.»
Veerle Cloet, Chemikerin & Umweltingenieurin, Projektleiterin Materialverhalten

 

Arbeiten eines Nagra-Wissenschaftlers an einem Demonstrationsversuch im Felslabor Mont Terri. (Foto © Comet Photoshopping, Dieter Enz)

 

Neues Entsorgungsprogramm der Nagra

Geologische Tiefenlager sind ein generationenübergreifendes Projekt. Es stellt hohe Anforderungen an Wissenschaft und Gesellschaft. Kernstück auf dessen Realisierungsweg bildet das Entsorgungsprogramm (EP). Dieses zeigt anhand einer sogenannten Road-Map alle notwendigen Arbeitsschritte auf, die für die Entsorgung sämtlicher radioaktiven Abfälle der Schweiz durchlaufen werden müssen – von der Inventarisierung der Abfälle über deren Zwischenlagerung bis hin zu Planung, Bau, Betrieb und Verschluss der Tiefenlager.
Das EP muss den Bundesbehörden vorgelegt und alle fünf Jahre aktualisiert werden. Der Bericht zum aktuellen Entsorgungsprogramm (NTB 16-01) kann bei der Nagra bestellt oder ab Ende Dezember direkt auf www.nagra.ch heruntergeladen werden.

Bildergalerie zu Forschungs- und Entwicklungsarbeiten hinsichtlich Materialtechnologie sowie zu Untersuchungen in Felslabors und im freien Feld. Erst ein enges Ineinandergreifen aller Arbeiten liefert robuste Resultate bezüglich Machbarkeit und Sicherheit eines geologischen Tiefenlagers.

 

Über 40 Jahre Erfahrung – umfassender Kenntnisstand

Seit ihrer Gründung 1972 dokumentiert die Nagra die Erkenntnisse aus ihrem Tätigkeitsfeld in technischen Berichten. Ein Meilenstein auf diesem Gebiet ist das Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm (F,E&D-Programm). Es wurde 2009 erstmals veröffentlicht, und in diesen Tagen folgt, zusammen mit dem Entsorgungsprogramm, eine aktualisierte Fassung. Im F,E&D-Programm zeigt die Nagra auf, dass sie den aktuellen Stand von Technik und Wissenschaft gesamtheitlich berücksichtigt. Die Arbeiten decken ein breites Spektrum von Themen ab; Schwerpunkte sind Fragen zur Geologie, zur Sicherheit und zu relevanten Phänomenen und Prozessen, zu den radioaktiven Abfällen, zum Lagerkonzept, zu den technischen Barrieren sowie zum Verschluss der geologischen Tiefenlager.

Weitere Demonstrations- und Feldarbeiten in Etappe 3

Bis zur Einreichung der Rahmenbewilligungsgesuche in Etappe 3 des Sachplans finden auf dem Feld und in den Felslabors weitere Arbeiten statt.

Forschungs- und Demonstrationsprojekte:

Arbeiten in Felslabors, die punktuell zu einem weiteren, vertieften Verständnis aller wichtigen Prozesse in und um ein Tiefenlager führen. Dies betrifft unter anderem die Themen:

  • detaillierte Untersuchung von Wirtgesteinseigenschaften und Prozessen, die im Wirtgestein ablaufen
  • Transporteigenschaften von Stoffen in den technischen Barrieren und im Opalinuston
  • Design und Verhalten der technischen Barrieren
  • Gasentwicklung und Gastransport in Tiefenlagern
  • Auswirkungen chemischer und physikalischer Prozesse auf technische Barrieren und den Opalinuston

Feldarbeiten – Seismik und Bohrungen:

Für Etappe 3 des Sachplans unterzieht die Nagra die verbleibenden Standortgebiete weiteren Untersuchungen wie 3D-seismischen Messungen und Sondierbohrungen. Hauptziele der Feldarbeiten sind die Wahl von Standorten für geologische Tiefenlager, die Überprüfung ihrer Eignung und die Abgrenzung der Lagerbereiche im Untergrund.

Nach Abschluss und Auswertung der 3D-Seismik und der Sondierbohrungen gibt die Nagra etwa 2022 den oder die besten Tiefenlagerstandort(e) bekannt, für die sie Rahmenbewilligungsgesuche ausarbeiten will. Diese Gesuche werden ums Jahr 2024 eingereicht. Nach Prüfung durch die Sicherheitsbehörden befinden Bundesrat und Parlament darüber. Dieser Entscheid untersteht dem nationalen fakultativen Referendum – wird dieses ergriffen, entscheiden die Schweizer Stimmberechtigten über die Rahmenbewilligungsgesuche (ca. 2031). Nach Erteilung der Rahmenbewilligung steht fest, wo das SMA- und das HAA-Lager gebaut werden kann.


«In den international anerkannten Forschungszentren Felslabor Grimsel und Felslabor Mont Terri bieten wir unseren Partnern optimale Forschungsbedingungen und eine vollausgerüstete Infrastruktur.»
Ingo Blechschmidt, Geowissenschaftler, Ressortleiter des Felslabors Grimsel
  «Wir werden mit jeder Sondierbohrung rund 1000 Meter tief in den Untergrund vordringen und die ganze Sequenz der geologischen Schichten genau analysieren können. So eichen wir die Resultate unserer seismischen Messungen im Zentimeterbereich.»
Herwig R. Müller, Ingenieurgeologe, Projektleiter
   «3D-seismische Messungen und Sondierbohrungen dienen der möglichst genauen Analyse des geologischen Untergrunds von der Oberfläche aus – wesentliche Elemente, um den richtigen Standort für ein geologisches Tiefenlager zu finden.»
Marian Hertrich, Geophysiker, Projektleiter 3D-seismische Messungen

 

Felslabors dienen der Erforschung der Machbarkeit von geologischen Tiefenlagern. Die Nagra arbeitet im Felslabor Grimsel BE ...

 

... und im internationalen Felslabor Mont Terri JU mit mehr als 20 Organisationen aus 12 Nationen zusammen. (Fotos © Comet Photoshopping, Dieter Enz)

 


Seismische Messungen auch in Nördlich Lägern – und Bohrungen in den Standortgebieten ab 2019

3D-seismische Messungen – durchgeführt mit den abgebildeten Vibrationsfahrzeugen – liefern ein flächendeckendes und räumliches Abbild des geologischen Untergrunds. Sondierbohrungen erlauben ergänzend einen direkten Einblick in die Gesteine der Tiefe und deren exakten Aufbau. (Foto © Comet Photoshopping, Dieter Enz)  

 Am 27. September dieses Jahres hat die Nagra 16 Gesuche für Sondierbohrungen in den von ihr vorgeschlagenen Standortgebieten Jura Ost und Zürich Nordost beim Bundesamt für Energie (BFE) eingereicht. Damit haben die Bewilligungsverfahren begonnen. Parallel dazu starteten am 20. Oktober auch seismische Messungen in Nördlich Lägern.

Seit Februar 2016 sind die 3D-seismischen Messungen der Nagra in den Standortregionen Jura Ost und Zürich Nordost abgeschlossen. Zurzeit laufen seismische Messungen in Nördlich Lägern. Sie ermöglichen ein räumliches Abbild der Gesteinsschichten im geologischen Untergrund. Nach dieser grossflächigen Durchleuchtung der geologischen Schichten erfolgt in Etappe 3 des Sachplans geologische Tiefenlager die Untersuchung anhand von Bohrungen. Pro Gebiet sollen 3–5 Bohrungen abgeteuft werden. Mit den Sondierbohrungen wird die Nagra den Kenntnisstand im Hinblick auf die definitive Standortwahl in Etappe 3 des Sachplans vertiefen. Bohrungen liefern detaillierte Informationen zu den Gesteinseigenschaften und dienen der Eichung der Resultate aus der Seismik.

Am 27. September 2016 hat die Nagra je acht Gesuche für die beiden Standortregionen Jura Ost und Zürich Nordost eingereicht, deren öffentliche Auflage im 1. Quartal 2017 stattfindet. Die Bewilligungen liegen voraussichtlich im Jahr 2018 nach dem Entscheid des Bundesrats zur Etappe 2 des Sachplans vor, sodass frühestens im 2019 mit den Sondierbohrungen begonnen werden kann. Anfang 2017 wird die Nagra auch noch Gesuche für Sondierbohrungen in der Standortregion Nördlich Lägern einreichen.

3D-seismische Messungen aktuell auch in Nördlich Lägern

Neben den bereits im vergangenen Winter ausgeführten Messkampagnen in Zürich Nordost und Jura Ost führt die Nagra solche aktuell auch im Gebiet Nördlich Lägern durch. Sie dauern voraussichtlich bis Ende Februar 2017.

  • Fläche des Messgebiets: 91 km2 zwischen Bülach und Neerach im Süden sowie Hüntwangen bis Hohentengen (D) im Norden
  • Geplante Auslage: 20’260 Geofonpunkte
  • Geplante Messleistung: ca. 220 Anregungspunkte/Tag, entspricht rund 75 Messtagen

Aufnahme eines Bohrplatzes – am Beispiel der Geothermiebohrung in Schlattingen. (Foto © Comet Photoshopping, Dieter Enz)

 

Geplante Sondierbohrungen in der Region Jura Ost (Eingabe der acht Bohrgesuche beim Bundesamt für Energie am 27. September 2016).

 

Geplante Sondierbohrungen in der Region Zürich Nordost (Eingabe der acht Bohrgesuche beim Bundesamt für Energie am 27. September 2016).

 


Teilnahme der Nagra am 10. Länderworkshop des Forum on Stakeholder Confidence in Bern

Kann die Schweiz etwas für sich lernen, wenn sie weiss, wie beispielsweise Kanada mit seiner Bevölkerung über radioaktive Abfälle redet? Ja! Das ist zumindest die Erfahrung aus dem diesjährigen Forum on Stakeholder Confidence.

Die meisten Länder haben radioaktiven Abfall und müssen diesen bekanntlich entsorgen. Im Jahr 2000 haben sich Mitgliederländer der NEA (Nuclear Energy Agency) zum Forum on Stakeholder Confidence (FSC) zusammengeschlossen, um als lernende Organisation den Dialog mit Anspruchsgruppen besser zu verstehen und das gegenseitige Vertrauen für wesentliche Entscheidungen in der nuklearen Entsorgung zu fördern. Folgende 19 Länder sind Mitglieder des FSC: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada, die Republik Korea, Norwegen, Polen, die Russische Föderation, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn und die Vereinigten Staaten. Die Europäische Kommission ist ebenfalls Mitglied.

Vom 7. bis 9. September dieses Jahres fand der 10. Nationale Länderworkshop des FSC in Bern statt, organisiert vom Bundesamt für Energie. Ziel des Anlasses war, anhand von Beispielen in den verschiedenen Ländern voneinander zu lernen. Für die Schweiz sprach Doris Leuthard, Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation: «Der Sachplan geologische Tiefenlager macht klare Vorgaben zum Vorgehen», sagte sie an der Eröffnung im Berner Kongress- und Kulturzentrum. Die Bundesrätin ist zuversichtlich, dass die Schweiz bei der Suche nach einem Tiefenlagerstandort mit dem partizipativen Verfahren auf einem guten Weg ist – unter anderem auch deshalb, weil Bund, Kantone und Gemeinden als Partner agierten. Die Sicherheit habe bei der Standortwahl unumstritten oberste Priorität, sagte sie weiter.

Bundesrätin Doris Leuthard begrüsste die Gäste und verschiedene Referenten, darunter auch Andreas Gautschi, Bereichsleiter Sicherheit, Geologie & Radioaktive Materialien der Nagra. (Foto BFE)

 

Zeitreise zum Tiefenlager jetzt auch auf YouTube

Die neue Ausstellung der Nagra – eine Zeitreise als dreidimensionale Animation in ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle – wurde dieses Jahr bereits an über 20 Messen und Veranstaltungen erfolgreich gezeigt. Ab sofort können Sie die virtuelle Reise auch zu Hause machen. Damit Sie sich den Film anschauen können, brauchen Sie nicht unbedingt eine Virtual-Reality-Brille wie beispielsweise Oculus Rift. Ein leistungsstarker PC oder ein modernes Smartphone reichen aus. Für den PC empfehlen wir die Internet-Browser Chrome, Firefox oder Opera. Mit Mausklicks können Sie den Blickwinkel im 360°-Video verändern. Falls Sie zusätzlich eine Virtual-Reality-Brille besitzen und einen leistungsstarken PC, können Sie die Zeitreise in voller Grösse und in 3D-Animation geniessen. Auf einem Smartphone sehen Sie sich den Film als 360°-Video am besten mit der YouTube App an. Sie benötigen dazu eine spezielle Halterung mit Optik wie die Google Cardboard, die aus modernen Smartphones eine Virtual-Reality-Brille macht.

Link: http://tinyurl.com/zyzr8b8

Ausschnitt aus der Animation «Zeitreise zum Tiefenlager», die jetzt auch auf YouTube zu sehen ist und so über PC oder Smartphone zu Hause angeschaut werden kann.

 

Was beinhaltet das Entsorgungsprogramm EP16?

Das am 1. Februar 2005 in Kraft getretene Kernenergiegesetz KEG verlangt ein sogenanntes Entsorgungsprogramm der Entsorgungspflichtigen. Dieses ist alle paar Jahre den aktuellen Verhältnissen anzupassen und dem Bundesrat vorzulegen.

Gegenstand und Ziel des Entsorgungsprogramms ist die Erstellung einer umfassenden und übersichtlichen Dokumentation zu allen Arbeitsschritten im Hinblick auf die Entsorgung sämtlicher radioaktiven Abfälle der Schweiz. Die dafür notwendigen Tätigkeiten (strategisches Arbeitsprogramm) und die konzeptuellen Vorgaben und Annahmen für die Auslegung der Anlagen und deren schrittweise Realisierung werden im EP16 aufgezeigt.

Die Hauptthemen:

  • Herkunft, Art und Menge aller radioaktiven Abfälle
  • Auslegung und Art der für die Entsorgung benötigten geologischen Tiefenlager
  • Realisierungsplan (Planung, Bau, Betrieb und Verschluss) der geologischen Tiefenlager – inkl. Forschungs- und Entwicklungsprogramm
  • Angaben zur zentralen sowie dezentralen Zwischenlagerung der Abfälle – inkl. Finanzplan bis zur Ausserbetriebnahme der Kernanlagen

Der technische Bericht zum EP16 und auch die oben gezeigte Broschüre können bei der Nagra bestellt oder ab Ende 2016 direkt unter www.nagra.ch/downloadcenter.htm eingesehen werden.

 

 

 

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