Glossar

 

Naturreaktoren

Ähnliche Prozesse wie in einem verfüllten geologischen Tiefenlager finden auch in der Natur statt.

Vor zirka zwei Milliarden Jahren sind in einem westafrikanischen Uranerzvorkommen in Oklo (Gabun) auf natürliche Weise Kernreaktoren entstanden.

Uran-235 (damals noch ca. 3% natürlicher Anteil des Uranerzes) setzte eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion in Gang, die durch Wasser in den Spalten des Urangesteins moderiert wurde. Dadurch wurden einige Tonnen hochaktiver Abfall (Spaltprodukte) und Plutonium produziert, die im Gestein eingeschlossen blieben.

Die Natur hat in Oklo somit ein Kernkraftwerk und ein «geologisches Lager für hochaktive Abfälle» geschaffen. Die radioaktiven Stoffe haben sich seither kaum vom Entstehungsort wegbewegt. Und zwar ohne optimierte geologische Bedingungen und ohne technische Sicherheitsbarrieren, die eine Ausbreitung von Spaltprodukten und Plutonium verhindern können und wie sie in von Menschenhand geschaffenen Lagern vorgesehen sind. Die Natur erlaubt in Oklo einen Blick in ein Lager für radioaktive Abfälle nach zwei Milliarden Jahren.

Vergleich

Vergleich des Uranerzvorkommens von Oklo (links) mit dem geplanten geologischen Tiefenlager für hochaktive Abfälle (rechts) in der Schweiz.

Im Gegensatz zu einem Naturreaktor kann es in einem geologischen Tiefenlager auf Grund des geringen Gehalts an Uran-235 in verbrauchten Brennelementen zu keiner spontanen Kettenreaktion (d. h. Kernschmelze) kommen.