Glossar

 

FAQ

  • Allgemeines und rechtliche Grundlagen
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      • Wer ist die Nagra? Was ist ihr Auftrag?

        Für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle gilt gemäss Kernenergiegesetz das Verursacherprinzip. Die Nagra wurde 1972 von den Verursachern der radioaktiven Abfälle in der Schweiz gegründet und damit beauftragt, sichere und umweltverträgliche Lösungen zur Entsorgung radioaktiver Abfälle zu entwickeln und zu realisieren. Genossenschafter der Nagra sind die Betreiber der Kernkraftwerke, die Zwilag sowie die Schweizerische Eidgenossenschaft, die verantwortlich ist für die radioaktiven Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung.

        Die zur Entsorgung radioaktiver Abfälle notwendigen Arbeiten sind im alle fünf Jahre zu aktualisierenden Entsorgungsprogramm zusammengestellt. Der Bundesrat hat dieses Programm im August 2013 gutgeheissen.

        Im Rahmen der Vorgaben des Gesetzgebers obliegt es der Nagra, geologische Tiefenlager in der Schweiz zu planen, zu errichten und zu betreiben. Diese Aufgabe umfasst auch die Suche nach geeigneten Standorten gemäss «Sachplan geologische Tiefenlager» (SGT) unter der Leitung des Bundesamts für Energie (BFE). Die Nagra erarbeitet im Sachplanverfahren Standortvorschläge, die von den zuständigen Behörden und Kommissionen geprüft werden, bevor der Bundesrat nach einer breiten Anhörung entscheidet. Zudem stellt die Nagra die Gesuche um Erteilung der Rahmenbewilligungen für die Tiefenlager.

      • Wer überwacht die Arbeit der Nagra?

        Die Standortuntersuchungen und der spätere Bau und Betrieb von geologischen Tiefenlagern werden vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) beaufsichtigt und kontrolliert. Das ENSI ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes (Bundesgesetz ENSIG vom 22. Juni 2007). Es nahm am 1. Januar 2009 seine Tätigkeit als Nachfolgeorganisation der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) auf.

        Der Bundesrat und die Bewilligungsbehörden verfügen über folgende zusätzliche Expertengremien und Kommissionen: Arbeitsgruppe des Bundes für die nukleare Entsorgung (AGNEB), Expertengruppe geologische Tiefenlagerung (EGT) und Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit (KNS). Sie beraten den Bundesrat und die Behörden in Sicherheitsfragen.

        Wichtige Berichte und Konzepte werden im Auftrag der Behörden zusätzlich von ausländischen Experten begutachtet, die von internationalen Organisationen (z. B. Nuclear Energy Agency, NEA) berufen werden.

      • Das 2005 in Kraft getretene Kernenergiegesetz verlangt ein Entsorgungsprogramm. Verliefen die Arbeiten vorher ohne Programm?

        Die Arbeiten der Nagra stützten sich auf ein langfristiges Entsorgungsprogramm der Abfallverursacher ab. Dieses wurde periodisch aktualisiert (im Schnitt alle fünf Jahre). Das im Februar 2005 in Kraft getretene neue Kernenergiegesetz verlangt, dass das Entsorgungsprogramm von den Bundesbehörden geprüft und vom Bundesrat genehmigt werden muss. Die vom Bundesrat erlassene Verordnung zum Kernenergiegesetz definiert, was ein Entsorgungsprogramm zu enthalten hat:

        - Herkunft, Art und Menge der radioaktiven Abfälle;
        - benötigte geologische Tiefenlager einschliesslich ihres Auslegungskonzepts;
        - Zuteilung der Abfälle zu den geologischen Tiefenlagern;
        - Realisierungsplan;
        - Dauer und benötigte Kapazität der zentralen und dezentralen Zwischenlagerung;
        - Finanzplan für Entsorgungsarbeiten bis zur Ausserbetriebnahme der Kernanlagen;
        - Informationskonzept.


        Im Herbst 2008 hat die Nagra das geforderte Entsorgungsprogramm den Bundesbehörden eingereicht. Der Bundesrat hat es im August 2013 gutgeheissen. Er hat dabei zur Auflage gemacht, dass die Nagra zukünftig zusammen mit dem Entsorgungsprogramm auch ein Forschungsprogramm einreichen muss. Diese beiden Programme müssen zusammen mit der nächsten Kostenstudie 2016 den Bundesbehörden neu vorgelegt werden.

      • Was regelt der «Sachplan geologische Tiefenlager (SGT)»?


        Das Bundesgesetz über die Raumplanung legt in Artikel 13 fest: «Der Bund erarbeitet Grundlagen, um seine raumwirksamen Aufgaben erfüllen zu können. Er erstellt die nötigen Konzepte und Sachpläne und stimmt sie aufeinander ab.» Die Kernenergieverordnung zum neuen Kernenergiegesetz verlangt, dass Ziele und Vorgaben für die geologische Tiefenlagerung in einem Sachplan des Bundes festgelegt werden.

        Der «Sachplan geologische Tiefenlager» hat zum Ziel, Standorte für geologische Tiefenlager in der Schweiz festzulegen. Er gibt die Verfahrensschritte und Kriterien für das ergebnisoffene und transparente Auswahlverfahren vor und regelt die regionale Partizipation (Mitwirkung einer Region und deren Bevölkerung). Bei der Auswahl eines Standorts für ein geologisches Tiefenlager hat die Sicherheit oberste Priorität. Daneben spielen aber auch sozioökonomische (wirtschaftlich/gesellschaftliche) und raumplanerische Aspekte eine Rolle. Der Bundesrat hat den Konzeptteil des Sachplans nach einer breit angelegten Vernehmlassung im April 2008 genehmigt.

        Das Auswahlverfahren des Sachplans führt in drei Etappen zur Bezeichnung von je einem Standort für ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle (HAA) und schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA). Alternativ dazu besteht auch die Möglichkeit eines Kombilagers für beide Abfallsorten an demselben Standort.

        In der ersten Etappe (2008 – 2011) wurden sechs mögliche geologische Standortgebiete festgelegt, die sich aus sicherheitstechnischer Sicht für den Bau eines Tiefenlagers eignen. Die möglichen Standortgebiete für ein geologisches Tiefenlager HAA sind Zürich Nordost, Nördlich Lägern und Jura Ost. Für ein geologisches Tiefenlager SMA sind es Südranden, Zürich Nordost, Nördlich Lägern, Jura Ost, Jura-Südfuss und Wellenberg.

        In der zweiten Etappe des Sachplans ging es darum, die Lagerprojekte in den möglichen Standortregionen zu konkretisieren und die geologischen Standortgebiete miteinander zu vergleichen. Wichtigstes Entscheidungskriterium war wiederum die Sicherheit. Das Ziel der zweiten Etappe war die Auswahl von mindestens je zwei Standortgebieten für ein geologisches Tiefenlager HAA und SMA. Im Dezember 2014 wurden die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost von der Nagra für die weiteren Untersuchungen in Etappe 3 vorgeschlagen. Ebenfalls in der zweiten Etappe führte das Bundesamt für Energie (BFE) in allen Standortgebieten eine kantonsübergreifende sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudie (SÖW) durch.

        Für die dritte Etappe werden die verbleibenden Standortgebiete mittels 3D-Seismik und Sondierbohrungen vertieft untersucht. Die Nagra gibt gestützt auf diese erdwissenschaftlichen Untersuchungen gegen 2022 bekannt, für welche Standortgebiete sie Rahmenbewilligungsgesuche für ein HAA­ und SMA-Lager oder ein Kombilager ausarbeiten wird. Danach reicht die Nagra die Rahmenbewilligungsgesuche voraussichtlich 2024 ein. Für die weitere Konkretisierung ist wiederum die Zusammenarbeit mit den Standortkantonen, Regionen und Gemeinden vorgesehen. Es folgen wieder eine behördliche Prüfung, eine breite öffentliche Anhörung und der Bundesratsentscheid, der zirka 2029 erwartet wird. Dieser Entscheid wird dem Parlament zur Genehmigung unterbreitet. Gegen den Parlamentsentscheid ist ein Referendum möglich.

      • Welche Bedeutung hat der «Entsorgungsnachweis»?

        Das Gesetz verlangt, dass die Verursacher radioaktiver Abfälle einen Entsorgungsnachweis erbringen und damit nachweisen müssen, dass alle radioaktiven Abfälle in geologischen Tiefenlagern langfristig sicher entsorgt werden können. Dazu müssen sie aufzeigen, dass es in der Schweiz mögliche Lagerstandorte gibt und dass ein Lager gemäss den behördlich festgelegten Anforderungen an die Langzeitsicherheit gebaut und sicher betrieben werden kann. 


        Für die verbrauchten Brennelemente (BE), verglasten hochaktiven Abfälle (HAA) und langlebigen mittelaktiven Abfälle (LMA) hat die Nagra den Entsorgungsnachweis am Beispiel des Opalinustons im Zürcher Weinland geführt und die entsprechenden Berichte 2002 eingereicht. Im Juni 2006 kam der Bundesrat zum Gesamturteil, dass der gesetzlich geforderte Entsorgungsnachweis für diese Abfälle erbracht ist. Damit ist kein Standortentscheid getroffen, sondern die grundsätzliche Machbarkeit eines geologischen Tiefenlagers in der Schweiz nachgewiesen worden, wie es das Kernenergiegesetz verlangt. Der Entsorgungsnachweis dient dem Bundesrat als Grundlage, das weitere Vorgehen im Hinblick auf die Entsorgung dieser Abfälle festzulegen.


        Der gesetzlich geforderte Entsorgungsnachweis für schwach- und mittelaktive Abfälle wurde bereits 1988 durch den Bundesrat als erfüllt beurteilt.

  • Geologische Tiefenlagerung
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      • Was ist ein «geologisches Tiefenlager»?

        Das Kernenergiegesetz verlangt, dass radioaktive Abfälle grundsätzlich im Inland in geologischen Tiefenlagern entsorgt werden müssen. Ein geologisches Tiefenlager ist eine Anlage in einigen hundert Meter Tiefe in einem geeigneten Gestein. Sie besteht je nach Art der Abfälle aus Lagerstollen oder Lagerkavernen, einem Pilotlager für die Überwachung eines repräsentativen Teils der Abfälle und Bauten für erdwissenschaftliche Untersuchungen Untertag. Auch Infrastrukturanlagen sowie Zugangsstollen, Zugangsschächte oder eine Kombination von beiden gehören dazu. Während Bau und Betrieb sind zusätzliche Bauten an der Erdoberfläche nötig; beispielsweise für die Lagerung des Ausbruchmaterials oder dessen Abtransport.

        Ein System von gestaffelten technischen Sicherheitsbarrieren schliesst die Abfälle sicher ein. Dazu gehören zum Beispiel eine geeignete Verpackung (Endlagerbehälter) und die Verfüllung der Lagerstollen. Die Lager und Zugänge müssen nach Betriebsende versiegelt und verfüllt werden können. Dann muss der dauernde Schutz von Mensch und Umwelt durch die gestaffelten Sicherheitsbarrieren sichergestellt werden. Der Verschluss kann schrittweise erfolgen, unterbrochen durch Beobachtungsphasen.

      • Der Sachplan verlangt, dass bei der Standortsuche die Sicherheit oberste Priorität hat. Was bedeutet das?

        Oberste Priorität bei der Entsorgung der radioaktiven Abfälle hat die Sicherheit, das heisst der langfristige Schutz von Mensch und Umwelt. Dazu ist der Einschluss der radioaktiven Stoffe so lange sicherzustellen, bis die Radioaktivität durch Zerfall genügend abgeklungen ist. Dass dies in der Schweiz machbar ist, wurde mit dem Entsorgungsnachweis für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) sowie dem Entsorgungsnachweis für hochaktive Abfälle (HAA) gezeigt.

        Weltweit ist anerkannt, dass für hochaktive und langlebige mittelaktive Abfälle die Lagerung in geologisch stabilen Gesteinen die Sicherheit über die notwendigen langen Zeiträume gewährleistet. Dieser Grundsatz ist im Kernenergiegesetz verankert und gilt in der Schweiz auch für schwach- und mittelaktive Abfälle. Bei den Lagern handelt es sich um Anlagen im geologischen Untergrund (typischerweise in einigen hundert Meter Tiefe). Das Gestein, in welches die radioaktiven Abfälle eingebracht werden (Wirtgestein), muss stabil und vor Erosion geschützt sein sowie ein genügend Platz bieten. Um die Abfälle langfristig sicher einzuschliessen, muss das Gestein auch wasserundurchlässig sein.


        Der Sicherheit untergeordnete Kriterien sind Aspekte der Raumnutzung, Ökologie, Wirtschaft und Politik. Der Einfluss eines Tiefenlagers auf solche Kriterien wird in Zusammenarbeit mit den betroffenen Regionen im Rahmen des «Sachplans geologische Tiefenlager» (SGT) bearbeitet – beispielsweise in der kantonsübergreifenden sozioökonomisch-ökologischen Wirkungsstudie (SÖW) des Bundesamts für Energie (BFE). Ergänzend dazu hat der Ausschuss der Kantone (AdK) eine Studie zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und Image in Auftrag gegeben. Diese soll soziale Folgen, wie den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und mögliche Imageeffekte eines geologischen Tiefenlagers auf eine Region untersuchen.

      • Was sind Sicherheitsbarrieren genau?

        In einem Tiefenlager werden die Abfälle durch eine undurchlässige Gesteinsschicht (Wirtgestein, natürliche Sicherheitsbarriere) und eine Abfolge von technischen und baulichen Massnahmen (technische Sicherheitsbarrieren) gestaffelt eingeschlossen.

        Die Sicherheitsbarrieren eines geologischen Tiefenlagers lassen sich am Beispiel der nachfolgend beschriebenen Einlagerung hochaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung anschaulich aufzeigen. Die radioaktiven Stoffe aus der Wiederaufarbeitung werden mit flüssigem Glas vermischt (Glasmatrix). Die Glasmasse wird in Edelstahlbehälter gegossen (Kokillen) und diese werden zugeschweisst. Ein dickwandiger Endlagerbehälter aus Stahl nimmt die Kokillen auf. Der Endlagerbehälter wird in einen Stollen des Tiefenlagers gebracht, der aus dem Opalinuston ausgebrochen wurde. Nach der Einlagerung der Endlagerbehälter werden die Stollen mit dem natürlichen Tonmaterial Bentonit verschlossen (verfüllt). Zu den technischen Sicherheitsbarrieren gehören die Glasmatrix, der Endlagerbehälter und die Stollenverfüllung aus Bentonit. Das Wirtgestein Opalinuston ist die natürliche Sicherheitsbarriere. Die technischen Barrieren haben die Aufgabe, die radioaktiven Stoffe so lange zurückzuhalten, bis der grösste Teil zerfallen ist. Das Wirtgestein hält als geologische Barriere die radioaktiven Stoffe ebenfalls zurück. Zusammen mit weiteren, vor allem darüber liegenden Gesteinsschichten (Rahmengestein) schützt es zudem die technischen Barrieren vor Umwelteinflüssen (z. B. Erosion) und Wasserzutritt.

      • Gibt es im Ausland schon geologische Tiefenlager?

        Für schwach- und mittelaktive Abfälle sind in einigen Ländern schon länger geologische Tiefenlager in Betrieb (z. B. in Schweden oder Finnland). In anderen Ländern werden schwachaktive Abfälle auch in oberflächennahen Endlagern deponiert (z. B. in den USA, in Kanada, Frankreich oder Grossbritannien).

        Für hochaktive Abfälle gibt es weltweit noch keine geologischen Tiefenlager. Diese Abfälle müssen zuerst für einige Jahrzehnte abkühlen, bevor man sie in geologischen Schichten einlagern kann. In Finnland sind die Arbeiten für ein Tiefenlager mit der Erstellung eines Felslabors bereits im Gange, in einigen Jahren wird man mit dem Bau des eigentlichen Lagers beginnen. In Schweden, Finnland und Frankreich sind die Planungen teilweise weit fortgeschritten. In den USA ist ein geologisches Tiefenlager für militärische «langlebige mittelaktive Abfälle» in Betrieb (sogenannte Transuran-Abfälle).

      • Wie werden in der Schweiz Standorte ausgewählt?

        Die Standortwahl für ein geologisches Tiefenlager erfolgt nach dem «Sachplan geologische Tiefenlager» (SGT) gemäss Kernenergieverordnung und Raumplanungsgesetz. Das vom Bund geführte und breit abgestützte Verfahren hat zum Ziel, Standorte für geologische Tiefenlager in drei Etappen zu definieren. Dabei hat die Sicherheit oberste Priorität, daneben spielen aber auch sozioökonomische und raumplanerische Aspekte eine wichtige Rolle.

        Gesucht werden sichere Standorte, die alle Schutzziele erfüllen und unter raumplanerischen Aspekten vernünftig realisierbar sind. Der Sachplan ermöglicht eine umfassende Koordination aller raumwirksamen Auswirkungen geologischer Tiefenlager und gewährleistet den frühzeitigen Einbezug der Kantone, Gemeinden und Behörden des benachbarten Auslandes sowie der Bevölkerung und interessierter Organisationen.

      • Was wären die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen eines geologischen Tiefenlagers auf eine potenzielle Standortregion?

        Der wichtigste Aspekt eines geologischen Tiefenlagers ist die Sicherheit von Mensch und Umwelt, die bei allen Überlegungen im Vordergrund steht. Eine Gefährdung der Gesundheit muss ausgeschlossen sein. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte sind ebenfalls gewichtige Faktoren für eine potenzielle Standortregion. Diese möchte über alle möglichen Auswirkungen vor, während und nach dem Betrieb eines Tiefenlagers informiert sein.

        In der zweiten Etappe des Sachplanverfahrens führt das Bundesamt für Energie (BFE) deshalb in allen potenziellen Standortregionen eine kantonsübergreifende sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudie (SÖW) durch. Diese erfasst wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Aspekte für den Standortvergleich in der zweiten Etappe. In einer ergänzenden Gesellschaftsstudie untersucht der Ausschuss der Kantone (AdK) Imageeffekte und soziale Folgen (u. a. gesellschaftlicher Zusammenhalt) der Standortwahl. Ein Bericht mit den Ergebnissen der beiden Studien wird eine wichtige Grundlage für die Stellungnahmen der Kantone und Regionen zum Ergebnis der zweiten Etappe bilden. Dieser wird bei der Gesamtbeurteilung durch den Bundesrat vor Abschluss der zweiten Etappe berücksichtigt.


        Diese Studien ermöglichen es den betroffenen Regionen auch negative Effekte als Folge eines Tiefenlagers erfassen zu können und ihnen frühzeitig im Rahmen der Entwicklungsstrategie entgegenzuwirken. Wo letzteres nicht möglich ist, besitzt man zumindest eine Datenlage für mögliche Abgeltungen.


        Ein Zwischenbericht mit ersten Ergebnissen zur SÖW zeigt, dass die wirtschaftlichen Veränderungen, die ein Tiefenlager in einer Region bewirkt, gering sind. Sowohl die positiven als auch negativen Auswirkungen liegen über den gesamten Zeitraum vom Erstellen der Bauten für erdwissenschaftliche Untersuchungen Untertag bis zum Verschluss der Anlage deutlich unter 1 % der heutigen regionalen Wertschöpfung, Beschäftigung oder des Steueraufkommens.


        Eine im September 2005 im Zürcher Weinland durchgeführte Studie kam unter anderem zum Ergebnis, dass das Image der Standortregion bezüglich des Absatzes landwirtschaftlicher Produkte leiden könnte. Systematische Befragungen an Standorten von Zwischenlagern und Tiefenlagern im In- und Ausland Befürchtungen aber nicht.

      • Kann man radioaktive Abfälle aus einem Tiefenlager zurückholen?

        Das Gesetz schreibt vor, dass die Möglichkeit zur Rückholung bestehen muss. Wird während des Einlagerungsbetriebs oder der anschliessenden Beobachtungsphase vor dem Verschluss des Lagers beschlossen, die Abfälle zurückzuholen, ist dies mit relativ geringem Aufwand möglich. Sobald das Lager aber verschlossen ist, wäre der Aufwand grösser, weil nebst den Lagerstollen auch die verfüllten Zugangsbauwerke zu den Lagerstollen wieder geöffnet werden müssten. Die Rückholung ist aber auch dann noch möglich.

        Eine Rückholung wäre denkbar, wenn zukünftige Generationen die radioaktiven Abfälle als Rohstoffe verwenden möchten oder sich für eine andere Entsorgungslösung entscheiden.

      • Wie kann man radioaktive Abfälle langfristig sicher lagern?

        Verbrauchter Uranbrennstoff erreicht nach rund 200 000 Jahren eine strahlungsbedingte Giftigkeit (Radiotoxizität), die mit natürlichen Gesteinen an der Erdoberfläche vergleichbar ist. Bis dieses ungefährliche Niveau erreicht wird, muss der hochaktive Abfall vom menschlichen Lebensraum ferngehalten und sicher eingeschlossen werden [Quelle: www.nagra.ch/de/langzeitsicherheit.htm].

        Wie die Weltgeschichte zeigt, kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Gesellschaft über längere Zeiten stabil bleibt. Bereits die letzten hundert Jahre europäischer Geschichte zeigen dies eindrücklich. Auf der anderen Seite lehrt die Erdgeschichte, dass – im Gegensatz zur Gesellschaft – Gesteinsschichten über sehr viele Jahrmillionen stabil sein können und ihre Eigenschaften nicht ändern. Im Untergrund steht die Zeit sozusagen still, unabhängig davon, was an der Erdoberfläche passiert. Sind die Gesteinsschichten zudem wasserundurchlässig, können sie Stoffe über erdgeschichtliche Zeiträume sicher einschliessen. Die benötigte Einschlusszeit von hochaktiven Abfällen von zirka 200 000 Jahren ist im Vergleich zu diesen geologischen Zeiten klein.


        Lager an der Erdoberfläche, deren Sicherheit von Unterhalt und Wartung über viele Generationen abhängt, sind nur Zwischenlager. Das Kernenergiegesetz schreibt für die langfristige Entsorgung die geologische Tiefenlagerung vor. Ziel ist, den langfristig sicheren Einschluss der Abfälle und damit die Sicherheit auch ohne menschliches Zutun zu gewährleisten. International besteht Konsens, dass ein verschlossenes Tiefenlager optimale langfristige Sicherheit bietet.


        Der nötige Einschluss über zirka 200 000 Jahre kann durch die Lagerung des radioaktiven Abfalls in mehreren hundert Meter Tiefe in einem sehr gering durchlässigen Wirtgestein sichergestellt werden. Der etwa 175 Millionen Jahre alte Opalinuston ist ein solches Gestein. Er entstand aus Tonteilchen, die sich am Meeresgrund ablagerten. Schalen von damals im Meer lebenden Ammoniten wurden darin eingebettet und sind seitdem unverändert als Fossilien erhalten geblieben. Die nötige Einschlusszeit der radioaktiven Abfälle beträgt nur rund 1/1000 des Alters des Opalinustons. Der Opalinuston ist sehr gering durchlässig und das Porenwasser bewegt sich praktisch nicht. Das Wasser in den feinen Poren enthält noch immer Meerwasser, das bei der Entstehung vor 175 Millionen Jahren eingeschlossen wurde.

      • Wie kann verhindert werden, dass zukünftige Generationen unbewusst ein Lager anbohren oder bergmännisch in ein Lager eindringen?

        Ein Tiefenlager muss so erstellt werden, dass die Langzeitsicherheit für die Menschen an der Erdoberfläche gewährleistet ist, auch wenn seine Existenz einmal vergessen würde.

        Eine Reihe von Massnahmen trägt zum Schutz vor einem unbewussten Eindringen in ein Tiefenlager bei. Beispielsweise werden Gebiete mit möglichen Rohstoffvorkommen (z. B. Kohle, Erze, Erdwärme) bei der Standortwahl möglichst gemieden. Zudem liegt ein Tiefenlager mehrere hundert Meter tief unter der Erde. Ein solches Lager ist nur mit guten Kenntnissen in der Bohr- oder Stollenbautechnik erreichbar. Wenn auch unsere Nachkommen in ferner Zukunft technisch fähig sein sollten, bis mehrere hundert Meter tief zu bohren, dürften sie ebenfalls fähig sein, die angetroffene Radioaktivität festzustellen und entsprechende Schutzmassnahmen zu ergreifen.


        Das Kernenergiegesetz verlangt die dauerhafte Markierung der geologischen Tiefenlager. Die Nagra muss bei der Einreichung des Baugesuchs für das geologische Tiefenlager ein Konzept für dessen dauerhafte Markierung und den Wissenserhalt vorlegen. Entsprechende Konzepte werden in internationalen Gremien seit längerem unter Schweizer Beteiligung diskutiert. Als Massnahme zum Wissenserhalt archiviert der Bund die Daten zum Tiefenlager langfristig.

      • Warum lagert man die Abfälle in der Schweiz nicht einfach in ausgedienten militärischen Festungen?

        Die Standorte von Stollen und Kavernen ehemaliger Festungsanlagen wurden aufgrund militärstrategischer Überlegungen ausgewählt. Kriterien wie zum Beispiel Wasserundurchlässigkeit des Gesteins oder langfristiger Schutz vor Erosion spielten dabei keine Rolle. Die Standorte liegen oft oberflächennah in verwitterten und wasserdurchlässigen Gesteinen. Ein langfristig sicherer Einschluss der radioaktiven Abfälle ist unter solchen Umständen nicht möglich. Militärische Festungen genügen in keiner Weise den hohen Ansprüchen an Wirtgesteine und an die Platzierung eines geologischen Tiefenlagers.

      • Sind Erdbeben eine Gefahr für Tiefenlager?

        Die Nagra erfasst in Zusammenarbeit mit dem Stationsnetz des Schweizerischen Erdbebendiensts (SED) alle Erdbeben in der Nordschweiz; selbst schwächste, die Mensch und Tier nicht mehr wahrnehmen können. Kenntnisse der Erdbebensituation einer Region sind für die Beurteilung der Langzeitsicherheit eines geologischen Tiefenlagers von Bedeutung. Erdbeben werden durch Bewegungen in der Erdkruste ausgelöst. Durch die Auswertung der Erdbebendaten können aktive Störungszonen im Untergrund lokalisiert werden. Ihnen weicht man bei der Platzierung eines geologischen Tiefenlagers aus.

        Weltweite Untersuchungen an Schächten, Stollen und Kavernen in Erdbebengebieten zeigen, dass Schäden an Untertagebauten selten sind und mit zunehmender Tiefe rasch abnehmen. Geologische Tiefenlager in einer Tiefe von mehreren 100 Meter, platziert abseits von Störungszonen, sind deshalb auch durch starke Beben kaum gefährdet.

  • Entstehung und Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle
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      • Was muss man sich unter der Wiederaufarbeitung verbrauchter Brennelemente vorstellen?

        Nach vier- bis fünfjährigem Einsatz im Reaktor eines Kernkraftwerkes müssen die Brennelemente ausgetauscht werden, weil ihr Gehalt an spaltbarem Uran zu klein geworden ist.

        Verbrauchter Kernbrennstoff ist eine Mischung aus etwa 95 % Uran (davon noch knapp 1 % spaltbares Uran-235), 4 % hochaktiven Spaltprodukten und 1 % Plutonium.


        Verbrauchte Brennelemente müssen als hochaktiver Abfall entsorgt werden. Es gibt aber eine Recycling-Möglichkeit: Das in den Brennelementen noch enthaltene spaltbare Material (Uran, Plutonium) kann in einer Wiederaufarbeitungsanlage von den nicht mehr brauchbaren Spaltprodukten getrennt und für die Herstellung neuer Brennelemente verwendet werden. Die Spaltprodukte sind hochaktiver Abfall und werden in Glas eingegossen.


        Bis 2006 wurden rund 1100 Tonnen verbrauchter Brennstoff zur Wiederaufarbeitung ins Ausland (Frankreich/England) gebracht [Quelle: www.nagra.ch/de/wiederaufarbeitung.htm]. Die Rücknahme der dabei abgetrennten Abfälle in die Schweiz läuft und wird bis Ende 2018 abgeschlossen sein. Das Kernenergiegesetz verbietet seit Juli 2006 mit einem Moratorium bis 2016 die Ausfuhr verbrauchter Brennelemente zur Wiederaufarbeitung.

      • Wo entstehen radioaktive Abfälle und welche Kategorien gibt es?

        Etwa zwei Drittel der radioaktiven Abfälle stammen aus Kernkraftwerken. Die Kernkraftwerke sind die wichtigsten Verursacher radioaktiver Abfälle, insbesondere wenn man die Radiotoxizität der Abfälle betrachtet. Die Abfälle entstehen dort im Brennstoff sowie beim Betrieb und dem späteren Abbruch der Anlagen. Ein Drittel der radioaktiven Abfälle entsteht bei unterschiedlichsten Anwendungen in der Medizin, Industrie und Forschung, wobei der Anteil aus Industrie und Forschung überwiegt. Die Nagra erfasst alle radioaktiven Abfälle in einem modellhaften Abfallinventar.

         

         

        Die radioaktiven Abfälle werden gemäss Artikel 51 der Kernenergieverordnung, basierend auf ihren physikalischen Eigenschaften und im Hinblick auf ihre Entsorgung, in folgende Kategorien eingeteilt:

        • Hochaktive Abfälle (HAA): verglaste Spaltprodukte aus der Wiederaufarbeitung verbrauchter Brennelemente und verbrauchte Brennelemente, die direkt eingelagert werden;
        • Alphatoxische Abfälle (ATA): Abfälle, deren Gehalt an Alphastrahlern den Wert von 20 000 Alphazerfällen pro Sekunde und pro Gramm konditionierter Abfall übersteigt. Diese stammen vor allem aus der Wiederaufarbeitung verbrauchter Brennelemente;
        • Schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA): alle anderen radioaktiven Abfälle.

      • Wo sind die radioaktiven Abfälle heute?

        Die verbrauchten Brennelemente werden bei den Kraftwerken und in speziellen Lagerbehältern bei der Zwilag zwischengelagert. Nach Entnahme aus dem Reaktor werden die verbrauchten Brennelemente bei den Kernkraftwerken für fünf bis zehn Jahre in Abklingbecken (Lagerbassins) gelagert und gekühlt. Danach werden sie in Transport- und Zwischenlagerbehälter verpackt und ins zentrale Zwischenlager Zwilag in Würenlingen gebracht. Die Kernkraftwerke verfügen zudem über weitere Lagerkapazitäten. Bis zum Inkrafttreten des 10-jährigen Moratoriums (Verbot der Ausfuhr verbrauchter Brennelemente zur Wiederaufarbeitung seit Juli 2006) wurde ein Teil der verbrauchten Brennelemente zur Wiederaufarbeitung ins Ausland transportiert. Die Rücknahme der dabei abgetrennten Abfälle in die Schweiz läuft und wird bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

        Schwach- und mittelaktive Abfälle aus Kernkraftwerken werden an Ort und Stelle oder bei der Zwilag in Würenlingen endlagergerecht verarbeitet, in geeignete Behälter verpackt und in den Zwischenlagern der Kernkraftwerke oder bei der Zwilag eingelagert. Rohabfälle aus Medizin, Industrie und Forschung werden am Paul Scherrer Institut oder bei der Zwilag in eine endlagerfähige Form gebracht und dann im bundeseigenen Zwischenlager in Würenlingen (Bundeszwischenlager, BZL) zwischengelagert.


        Die Nagra führt das zentrale Inventar aller Abfälle. Es gibt genügend Zwischenlagerkapazität für sämtliche Abfälle aus Betrieb und Stilllegung der vier Schweizer Kernkraftwerke (insgesamt fünf Reaktoren) bis geologische Tiefenlager gebaut sind. Beispielsweise wurden bei der Zwilag bis Ende 2013 40 Behälter mit hochaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung oder mit verbrauchten Brennelementen eingelagert. Dies entspricht einer Belegung der Behälterlagerhalle von knapp 20 %.

      • Wo entstehen radioaktive Abfälle und welche Kategorien gibt es?

        Etwa zwei Drittel der radioaktiven Abfälle stammen aus Kernkraftwerken. Die Kernkraftwerke sind die wichtigsten Verursacher radioaktiver Abfälle, insbesondere wenn man die Radiotoxizität der Abfälle betrachtet. Die Abfälle entstehen dort im Brennstoff sowie beim Betrieb und dem späteren Abbruch der Anlagen. Ein Drittel der radioaktiven Abfälle entsteht bei unterschiedlichsten Anwendungen in der Medizin, Industrie und Forschung, wobei der Anteil aus Industrie und Forschung überwiegt. Die Nagra erfasst alle radioaktiven Abfälle in einem modellhaften Abfallinventar.

        Die radioaktiven Abfälle werden gemäss Artikel 51 der Kernenergieverordnung, basierend auf ihren physikalischen Eigenschaften und im Hinblick auf ihre Entsorgung, in folgende Kategorien eingeteilt.

        • Hochaktive Abfälle (HAA): verglaste Spaltprodukte aus der Wiederaufarbeitung verbrauchter Brennelemente und verbrauchte Brennelemente, die direkt eingelagert werden;
        • Alphatoxische Abfälle (ATA): Abfälle, deren Gehalt an Alphastrahlern den Wert von 20 000 Alphazerfällen pro Sekunde und pro Gramm konditionierter Abfall übersteigt. Diese stammen vor allem aus der Wiederaufarbeitung verbrauchter Brennelemente;
        • Schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA): alle anderen radioaktiven Abfälle.

      • Mit welchen Mengen radioaktiver Abfälle muss man in der Schweiz rechnen?

        Für eine Betriebsdauer der fünf Kernkraftwerke von 47 (Mühleberg) respektive 60 Jahren rechnen die Betreiber mit rund 4600 Tonnen verbrauchtem Brennstoff. In Endlagerbehälter verpackt würde dieser Brennstoff – unter Berücksichtigung der teilweisen Wiederaufarbeitung – 9400 Kubikmeter beanspruchen. Dies entspricht etwa dem Volumen von acht Einfamilienhäusern.

        Für eine 60- bzw. 47-jährige Betriebsdauer der fünf heutigen Kernkraftwerke rechnet die Nagra mit insgesamt rund 63 000 Kubikmeter schwach- und mittelaktiver Abfälle (inkl. Tiefenlagercontainer). Rund die Hälfte davon sind Abfälle, die beim Rückbau von Kernkraftwerken anfallen. Aus dem Bereich Medizin, Industrie und Forschung entstehen zusätzlich rund 20 000 Kubikmeter schwach- und mittelaktiver Abfälle.

        Die zu entsorgende Gesamtmenge an radioaktiven Abfällen beläuft sich somit auf rund 90'000 Kubikmeter (inkl. Lagerbehälter).

      • Wie gross sind die Mengen radioaktiver Abfälle im Vergleich zu anderen Abfallmengen?

        In der Schweiz fallen jährlich (im Durchschnitt, über 50 Jahre gerechnet) inklusive Verpackung etwa 5000 Tonnen radioaktiver Abfälle an . Die erst später anfallenden Stilllegungsabfälle der Kernkraftwerke sind bereits eingerechnet. Die Abfälle müssen für die Dauer ihrer Schädlichkeit von unserem Lebensraum isoliert werden. Durch den radioaktiven Zerfall nimmt die Schädlichkeit mit der Zeit ab.

        Zum Vergleich: pro Jahr fallen in der Schweiz rund 2,2 Millionen Tonnen Sonderabfälle an [Quelle: Sonderabfallstatistik 2012 des Bundesamts für Umwelt BAFU]. Dazu gehören zum Beispiel Säuren/Laugen, Lösungsmittel, Öle, Flugaschen/Filterstäube, Bleiakkumulatoren, Strassensammlerschlämme und mit Mineralölprodukten oder anderen Substanzen verunreinigtes Erdreich (Altlasten). Ein grosser Teil der Sonderabfälle kann gewichtsmässig reduziert (z. B. verbrannt) oder entgiftet werden (z. B. Neutralisation von Säuren). Etwas mehr als ein Viertel (also rund 550'000 Tonnen) muss für immer von der Umwelt ausgeschlossen werden. Dies geschieht in etwa 50 Oberflächendeponien in der Schweiz und in Untertagedeponien im Ausland (stillgelegte Salzbergwerke).

  • Finanzierung der Entsorgung
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      • Wer bezahlt die Entsorgung der radioaktiven Abfälle?

        Die Finanzierung der Entsorgung der radioaktiven Abfälle und verbrauchten Brennelemente aus den Kernkraftwerken ist im Kernenergiegesetz geregelt. Die Erzeuger von radioaktiven Abfällen sind gemäss dem Verursacherprinzip verpflichtet, diese auf eigene Kosten sicher zu beseitigen. Die bereits heute anfallenden Entsorgungskosten (z. B. für Wiederaufarbeitung, Untersuchungen der Nagra, Bau von Zwischenlagern) werden von den Verursachern laufend bezahlt. Die Stilllegungskosten sowie die nach Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke anfallenden Kosten für die Entsorgung müssen bis zum Zeitpunkt der Ausserbetriebnahme erwirtschaftet werden. Diese Kosten sind mit etwa einem Rappen pro Kilowattstunde im Preis für Atomstrom enthalten. Damit werden zwei behördlich kontrollierte Fonds geäufnet, der Stilllegungs- und der Entsorgungsfonds. Es werden also keine Steuergelder verwendet. Die Verordnung über den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds für Kernanlagen vom Dezember 2007 regelt die Einzelheiten.

        Die Fonds befinden sich auf Plankurs, das angesammelte Vermögen betrug Ende 2013 rund 5,3 Milliarden Franken [Quelle: www.bfe.admin.ch/entsorgungsfonds]. Aktuelle Angaben zu den beiden Fonds gibt es unter www.entsorgungsfonds.ch und www.stilllegungsfonds.ch.


        Während des Betriebs der Kernkraftwerke werden die anfallenden Entsorgungskosten von den Kernkraftwerkbetreibern laufend bezahlt, bis zum Jahr 2025 rechnet man mit rund 7,5 Milliarden Franken. Kostenstudien zeigen, dass die später darüber hinaus zu erwartenden Stilllegungs- und Entsorgungskosten von rund 11,4 Milliarden Franken durch die beiden Fonds gedeckt sein werden [Quelle: Kostenstudie 2011 von swissnuclear].


        Für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung ist der Bund verantwortlich. Er betreibt für diese Abfälle das Bundeszwischenlager in Würenlingen. Den Verursachern radioaktiver Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung wird für die Entsorgung eine volumenabhängige Gebühr vom Bund in Rechnung gestellt. Der Bund beteiligt sich an den Kosten der Nagra mit knapp 3 %.

  • Strahlung von radioaktiven Abfällen
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      • Was ist Radioaktivität?

        Radioaktivität entsteht bei der spontanen Umwandlung eines Atomkerns, wobei kleine Bruchstücke abgetrennt oder elektromagnetische Strahlung ausgesendet werden. Es gibt zwei Haupt-Kernumwandlungsarten, den Alpha- und den Betazerfall. Dabei entsteht Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Nach der Umwandlung ist ein Kern stabil (nicht mehr radioaktiv) oder er zerfällt in weiteren Schritten, bis er eine stabile Form erreicht.

        Natürliche radioaktive Stoffe sind überall vorhanden. Neue natürliche und künstliche radioaktive Stoffe entstehen auf der Erde durch hochenergetische Strahlung aus dem Weltraum, in Teilchenbeschleunigern und Kernreaktoren. Für jedes chemische Element gibt es verschiedene Atomsorten (Isotope), die sich nur durch die Anzahl der Neutronen (neutrale Kernteilchen) unterscheiden. Viele Isotope sind radioaktiv. Zum Beispiel hat das Element Cäsium insgesamt 40 radioaktive Isotope und nur ein einziges stabiles Isotop. Die Dauer, bis die Hälfte der Kerne eines radioaktiven Isotops zerfallen ist, wird als Halbwertszeit bezeichnet. Diese ist von Isotop zu Isotop verschieden. Sie kann Bruchteile von Sekunden bis Milliarden von Jahren betragen.

      • Wie schützt man sich vor der Strahlung radioaktiver Stoffe?

        Vor der Strahlung radioaktiver Stoffe kann man sich schützen durch Begrenzung der Zeit, der man ihr ausgesetzt ist, durch Erhöhung des Abstands von der Strahlenquelle und durch geeignete Abschirmungen. Eine zuverlässige Überwachung ist möglich, weil man radioaktive Strahlung einfach messen kann.

        Radioaktive Stoffe dürfen nicht in unzulässigen Mengen mit der Nahrung oder über die Atemluft in den Körper gelangen, weil die Strahlung im Körperinneren eine viel grössere Wirkung hat, als wenn sie von aussen auf den Körper trifft. Die Aufnahme radioaktiver Stoff in den Körper wird als Inkorporation bezeichnet.


        Die Aufnahme lässt sich aber nie vollständig verhindern, da in Atemluft, Trinkwasser und Nahrungsmitteln stets natürlich vorhandene radioaktive Stoffe enthalten sind.

      • Wieviel radioaktive Strahlung gelangt aus einem geologischen Tiefenlager an die Erdoberfläche?

        Von einem geologischen Tiefenlager kann keine direkte Strahlung bis an die Erdoberfläche durchdringen, da sie bereits durch wenige Meter Gestein vollständig absorbiert wird.

        Der eigentliche Zweck eines geologischen Tiefenlagers ist der wirksame Einschluss der radioaktiven Stoffe, damit diese nicht den menschlichen Lebensraum verunreinigen. Die technischen Sicherheitsbarrieren verhindern oder verzögern die Freisetzung beziehungsweise den Transport von radioaktiven Stoffen in das angrenzende Gestein. Bereits der verschweisste Tiefenlagerbehälter aus dickwandigem Stahl, wie er für hochaktive Abfälle vorgesehen ist, gewährt in einem tonigen Material für mindestens 10 000 Jahre einen vollständigen Einschluss.

        Ein Tiefenlager muss den dauerhaften Schutz von Mensch und Umwelt gewährleisten. Aus einem verschlossenen Tiefenlager darf keine höhere Strahlenbelastung als 0,1 Millisievert pro Jahr auf die Bevölkerung einwirken (behördlich gefordertes Schutzziel) [Quelle: Richtlinie ENSI-G03]. Die Nagra konnte mit Sicherheitsanalysen zeigen, dass diese Schutzziele dank der geplanten Sicherheitsbarrieren eingehalten werden können. Alle errechneten Dosiswerte lagen deutlich unter dem Schutzziel von 0,1 Millisievert pro Jahr.

        Strahlung aus natürlichen und künstlichen Quellen wirkt fortlaufend auf unseren Körper ein und führt zu einer mittleren Strahlenbelastung in der Schweiz von 5,5 Millisievert pro Jahr. Der grösste Anteil davon (ca. 60 %) stammt von Radon und seinen Zerfallsprodukten. Diese kommen in der Atemluft von Wohnräumen vor und tragen als natürliche Quelle mit durchschnittlich 3,2 Millisievert pro Jahr zur Strahlenbelastung bei. Regional gibt es allerdings Schwankungen, da die natürliche Belastung sehr unterschiedlich ist und vom Boden und Gestein abhängt. Die künstliche Strahlenbelastung von durchschnittlich 1,2 Millisievert pro Jahr wird hauptsächlich durch medizinische Anwendungen verursacht. Eine sehr häufige Anwendung ist die Untersuchung und Behandlung der Schilddrüse mit radioaktivem Iod-131. Eine weitere Anwendung ist die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) in der Krebsdiagnostik. Bei diesem bildgebenden Verfahren werden dem Patienten radioaktiv markierte Substanzen verabreicht. Auch die Belastung durch medizinische Anwendungen schwankt stark: Zirka zwei Drittel der Bevölkerung erhalten praktisch keine Dosis, während wenige Prozent einer Strahlenbelastung von mehr als zehn Millisievert ausgesetzt sind.

      • Wie lange strahlt radioaktiver Abfall?

        Radioaktive Abfälle enthalten ein Gemisch verschiedener radioaktiver Atomsorten (Radionuklide). Da ihre Zusammensetzung bekannt ist, lässt sich die zeitliche Abnahme der Radioaktivität (Aktivität) für die verschiedenen Abfallsorten berechnen. Für jede Abfallsorte gilt: Durch den radioaktiven Zerfall verringert sich ihre Schädlichkeit und die Abfälle erreichen nach einer gewissen Zeit eine Aktivität, die mit natürlichen Stoffen vergleichbar ist. Der dafür benötigte Zeitraum ist für die verschiedenen Abfallsorten aber sehr verschieden.

        Generell lässt sich sagen: Schwach- und mittelaktive Abfälle haben nach rund 30 000 Jahren eine strahlungsbedingte Giftigkeit (Radiotoxizität) wie Granitgestein. Die Radioaktivität von verbrauchtem Uranbrennstoff erreicht nach rund 200 000 Jahren die Radiotoxizität des einst dazu abgebauten Urangesteins, wie es in der Natur vorkommt [Quelle: www.nagra.ch/de/strahlung.htm].

      • Werden geologische Tiefenlager dank Transmutation der Abfälle eines Tages überflüssig?

        Transmutation bedeutet allgemein die Umwandlung von Nukliden durch Kernreaktionen. Unter Transmutation von Radionukliden versteht man deren gezielte Umwandlung in Radionuklide mit kürzeren Halbwertszeiten. Dadurch nimmt die strahlungsbedingte Giftigkeit (Radiotoxizität) der Abfälle schneller ab. Eingeleitet wird die Transmutation durch den Beschuss des umzuwandelnden Materials mit Neutronen oder Protonen, was verschiedene Kernprozesse auslöst und dabei die getroffenen Atomkerne umwandelt.

        Transmutation wird immer wieder als Möglichkeit genannt, langlebige Radionuklide in kurzlebigere umzuwandeln. Sie ist theoretisch möglich, jedoch nach heutigem Stand der Technik in der Praxis noch nicht grosstechnisch umsetzbar. Ziel wäre es, in Zukunft langlebige radioaktive Abfälle in kurzlebigere umzuwandeln. Auch bei einem zukünftigen Einsatz der Transmutationstechnik werden geologische Tiefenlager für die dabei entstandenen kurzlebigeren Abfälle und die nicht transmutierbaren schwach- und mittelaktiven Abfälle nötig sein.

  • Entsorgung verbrauchter Brennelemente, hochaktiver Abfälle und langlebiger mittelaktiver Abfälle
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      • Wo wird das Tiefenlager für «hochaktive Abfälle» gebaut?

        Aus geologischer Sicht gibt es in der Schweiz verschiedene Wirtgesteine und Gebiete, welche – zusammen mit den technischen Barrieren – den Bau eines sicheren geologischen Tiefenlagers erlauben. Basierend auf umfangreichen Untersuchungen konnte die Nagra Ende 2002 den Nachweis erbringen, dass in der Schweiz grundsätzlich die Machbarkeit für die sichere geologische Tiefenlagerung hochaktiver Abfälle (HAA) gegeben ist (Entsorgungsnachweis). Der Bundesrat hat 2006 den Entsorgungsnachweis HAA als erbracht beurteilt. Damit war aber noch kein Standortentscheid getroffen und die Standortsuche erst eröffnet.

        2008 setzte der Bundesrat den «Sachplan geologische Tiefenlager» (SGT) in Kraft. Das Auswahlverfahren umfasst drei Etappen, steht unter der Federführung der Bundesbehörden und hat zum Ziel, je einen Standort für ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle und schwach- und mittelaktive Abfälle (oder einen Standort für ein Kombilager) zu finden.

        In der ersten Etappe (2008 – 2011) wurden drei mögliche geologische Standortgebiete festgelegt, die sich aus sicherheitstechnischer Sicht für den Bau eines Tiefenlagers HAA eignen: Zürich Nordost, Nördlich Lägern und Jura Ost. Betrachtet wurden unter anderem folgende sicherheitsrelevanten Aspekte: Geologisch-tektonische Langzeitstabilität, geeignetes Wirtgestein sowie eine geeignete Tiefenlage, Mächtigkeit und Ausdehnung des Wirtgesteins. Der rund 175 Millionen Jahre alte Opalinuston ist das geeignete Wirtgestein zur Lagerung hochaktiver Abfälle.

        In Etappe 2 hat die Nagra bis Mai 2014 – gestützt auf die Zusammenarbeit mit den Regionen und den Kantonen – in jeder der sechs Standortregionen mindestens ein Standortareal für die Oberflächenanlage eines allfälligen Tiefenlagers bezeichnet. Vertreter der jeweiligen Regionen diskutierten seit 2012 in Regionalkonferenzen über die Platzierung der Anlage. Neben dem sicheren Bau und Betrieb war eine gute Einbettung der Anlage in die jeweilige Standortregion das Ziel. Weiter hat die Nagra die geologischen Standortgebiete sicherheitstechnisch miteinander verglichen. Im Dezember 2014 wurden von ihr die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost für die weiteren Untersuchungen für Etappe 3 vorgeschlagen.

        Für die dritte Etappe werden die verbleibenden Standortgebiete mittels 3D-Seismik und Sondierbohrungen vertieft untersucht. Die Nagra gibt gestützt auf diese erdwissenschaftlichen Untersuchungen gegen 2022 bekannt, für welche Standortgebiete sie Rahmenbewilligungsgesuche für ein HAA­ und SMA-Lager oder ein Kombilager ausarbeiten wird. Danach reicht die Nagra die Rahmenbewilligungsgesuche voraussichtlich 2024 ein. Für die weitere Konkretisierung ist wiederum die Zusammenarbeit mit den Standortkantonen, Regionen und Gemeinden vorgesehen. Es folgen eine behördliche Prüfung, eine breite öffentliche Anhörung und der Bundesratsentscheid, der zirka 2029 erwartet wird. Dieser Entscheid wird dem Parlament zur Genehmigung unterbreitet. Gegen den Parlamentsentscheid ist ein Referendum möglich.

      • Was ist Opalinuston?

        Vor rund 175 Millionen Jahren bedeckte ein Meer weite Gebiete des heutigen europäischen Festlandes. Im Raum Strassburg – Stuttgart – Zürich – Bern lagerten sich Tonteilchen am Meeresboden ab, die sich im Laufe der Erdgeschichte zu einer Tonsteinschicht (Opalinuston) verfestigten, die über ein grosses Gebiet ähnliche Eigenschaften zeigt. Opalinuston hat eine sehr geringe Durchlässigkeit, liefert ein stabiles und geochemisch günstiges Umfeld für die Rückhaltung von radioaktiven Stoffen und das Langzeitverhalten der technischen Barrieren. Zudem besitzt er felsmechanische Eigenschaften, welche den Bau eines Tiefenlagers ermöglichen.

      • Wieviel Platz würde ein geologisches Tiefenlager für hochaktive Abfälle brauchen?

        An der Erdoberfläche stehen verschiedene Betriebsgebäude. Diese gleichen einer Industrie- oder Gewerbeanlage, die man möglichst gut der Landschaft anpassen kann. Der Flächenbedarf für die Oberflächenanlage des Lagers für hochaktive Abfälle hängt von den standortspezifischen Randbedingungen und der späteren detaillierten Ausgestaltung der Anlage ab. Er beträgt nach heutiger Planung rund acht Hektaren bei einer Breite von rund 150 Meter (Richtgrössen). Davon werden zirka 2,5 Hektaren Grundfläche für Bauwerke und Gebäude benötigt [Quelle: Nagra Technischer Bericht NTB 11-01].

        Die Betriebsgebäude sind mit dem unterirdischen Lager durch ein Zugangsbauwerk (Schacht oder Rampe oder eine Kombination aus beidem) verbunden. Zusätzlich verfügt das Lager über eine Schachtanlage.

        Im Tiefenlager für «hochaktive Abfälle» werden verbrauchte Brennelemente und langlebige mittelaktive Abfälle untergebracht. Das Tiefenlager besteht im Untergrund aus Lagerstollen für hochaktive Abfälle, Lagertunnel für langlebige mittelaktive Abfälle, Infrastrukturanlagen, Bauten für erdwissenschaftliche Untersuchungen Untertag sowie einem «Pilotlager». Dort wird an einem kleinen Teil der eingelagerten hochaktiven Abfälle das Verhalten des Tiefenlagers überwacht oder kontrolliert. Der minimale Platzbedarf untertage für ein Lager für hochaktive Abfälle beträgt insgesamt rund vier Quadratkilometer bei einer Breite von 1500 Meter [Quelle: Nagra Technischer Bericht NTB 08-05].

  • Entsorgung von schwach- und mittelaktiven Abfällen
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      • Wo wird das Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle gebaut?

        Aus geologischer Sicht gibt es in der Schweiz verschiedene Wirtgesteine und Gebiete, welche – zusammen mit den technischen Barrieren – den Bau eines sicheren geologischen Tiefenlagers erlauben. Basierend auf umfangreichen Untersuchungen im Rahmen des «Projekts Gewähr 1985» konnte die Nagra 1985 den Nachweis erbringen, dass in der Schweiz grundsätzlich die Machbarkeit für die sichere geologische Tiefenlagerung schwach- und mittelaktiver Abfälle (SMA) gegeben ist (Entsorgungsnachweis). Der Bundesrat hat 1988 den Entsorgungsnachweis SMA als erbracht beurteilt. Damit war aber noch kein Standortentscheid getroffen und die Standortsuche erst eröffnet.

        2008 setzte der Bundesrat den «Sachplan geologische Tiefenlager» (SGT) in Kraft. Das Auswahlverfahren umfasst drei Etappen, steht unter der Federführung der Bundesbehörden und hat zum Ziel, je einen Standort für ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle und schwach- und mittelaktive Abfälle (oder einen Standort für ein Kombilager) zu finden.

        In der ersten Etappe (2008 – 2011) wurden sechs mögliche geologische Standortgebiete festgelegt, die sich aus sicherheitstechnischer Sicht für den Bau eines Tiefenlagers SMA eignen: Südranden, Zürich Nordost, Nördlich Lägern, Jura Ost, Jura-Südfuss und Wellenberg. Betrachtet wurden unter anderem folgende sicherheitsrelevanten Aspekte: Geologisch-tektonische Langzeitstabilität, geeignetes Wirtgestein sowie geeignete Tiefenlage, Mächtigkeit und Ausdehnung des Wirtgesteins. Der rund 175 Millionen Jahre alte Opalinuston oder tonreiche Sedimentgesteine (ʹBrauner Doggerʹ, Effinger Schichten, Mergel-Formationen des Helvetikums) sind geeignete Wirtgesteine zur Lagerung von schwach- und mittelaktiven Abfällen.

        In Etappe 2 hat die Nagra bis Mai 2014 – gestützt auf die Zusammenarbeit mit den Regionen und den Kantonen – in jeder der sechs Standortregionen mindestens ein Standortareal für die Oberflächenanlage eines allfälligen Tiefenlagers bezeichnet. Vertreter der jeweiligen Regionen diskutierten seit 2012 in Regionalkonferenzen über die Platzierung der Anlage. Neben dem sicheren Bau und Betrieb war eine gute Einbettung der Anlage in die jeweilige Standortregion das Ziel. Weiter hat die Nagra die geologischen Standortgebiete sicherheitstechnisch miteinander verglichen. Im Dezember 2014 wurden von ihr die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost für die weiteren Untersuchungen für Etappe 3 vorgeschlagen.

        Für die dritte Etappe werden die verbleibenden Standortgebiete mittels 3D-Seismik und Sondierbohrungen vertieft untersucht. Die Nagra gibt gestützt auf diese erdwissenschaftlichen Untersuchungen gegen 2022 bekannt, für welche Standortgebiete sie Rahmenbewilligungsgesuche für ein HAA­ und SMA-Lager oder ein Kombilager ausarbeiten wird. Danach reicht die Nagra die Rahmenbewilligungsgesuche voraussichtlich 2024 ein. Für die weitere Konkretisierung ist wiederum die Zusammenarbeit mit den Standortkantonen, Regionen und Gemeinden vorgesehen. Es folgen eine behördliche Prüfung, eine breite öffentliche Anhörung und der Bundesratsentscheid, der zirka 2029 erwartet wird. Dieser Entscheid wird dem Parlament zur Genehmigung unterbreitet. Gegen den Parlamentsentscheid ist ein Referendum möglich.

      • Wieviel Platz würde ein geologisches Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle brauchen?


        An der Erdoberfläche stehen verschiedene Betriebsgebäude. Diese gleichen einer Industrie- oder Gewerbeanlage, die man möglichst gut der Landschaft anpassen kann. Der Flächenbedarf für die Oberflächenanlage des Lagers für schwach- und mittelaktive Abfälle beträgt nach heutiger Planung rund fünf Hektaren (Richtgrösse) bei einer Breite von zirka 130 Meter [Quelle: Nagra Technischer Bericht NTB 11-01].

        Die Betriebsgebäude sind mit dem unterirdischen Lager durch ein Zugangsbauwerk (Schacht oder Rampe oder eine Kombination aus beidem) verbunden. Zusätzlich verfügt das Lager über eine Schachtanlage.

        Im Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle werden die in Lagercontainer aus Beton verpackten Endlagerfässer untergebracht. Das Tiefenlager besteht im Untergrund aus Lagertunnel für schwach- und mittelaktive Abfälle, Infrastrukturanlagen, Bauten für erdwissenschaftliche Untersuchungen Untertag sowie einem «Pilotlager». Dort wird an einem kleinen Teil der eingelagerten Abfälle das Verhalten des Tiefenlagers überwacht oder kontrolliert. Der minimale Platzbedarf untertage für ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle beträgt insgesamt rund zwei Quadratkilometer bei einer Breite von 1000 Meter [Quelle: Nagra Technischer Bericht NTB 08-05].