| Januar 2011 |
Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander besuchte am 17. September 2010 mit einer deutschen Delegation das Zentrale Zwischenlager ZWILAG in Würenlingen und das Felslabor Mont Terri. Er wurde begleitet von Mitgliedern des Umweltministeriums und von der GNS (Gesellschaft für Nuklearservice) sowie von neun Journalisten. In Niedersachsen liegen die Asse, wo von 1967 bis 1978 rund 126’000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen (SMA) eingelagert wurden, sowie das SMA-Endlager Schacht Konrad. Zudem befindet sich das im Salz liegende Erkundungsbergwerk Gorleben für hochaktive Abfälle im Bundesland des Ministers.
Herr Minister Sander, warum besuchten Sie die Schweiz?
Nachdem ich in der Schweizer Botschaft in Berlin Markus Fritschi von der Nagra kennenlernte und wir uns über die sehr unterschiedlichen Diskussionen zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle in unseren Ländern austauschten, stand für mich fest: Über das transparente Vorgehen in der Schweiz muss ich mich vor Ort informieren. Denn in Deutschland geht es aktuell – nach immerhin zehn Jahren Stillstand – um die weitere Erkundung von Gorleben.
Was war für Sie besonders beeindruckend?
Zunächst hat mich überrascht, wie sachlich und unaufgeregt nicht nur die Politik, sondern insbesondere auch die Schweizer Bevölkerung mit dem Thema Kernenergie und Entsorgung umgeht. Das liegt vielleicht an der Schweizer Mentalität, aber auch daran, dass die Bevölkerung an den Entscheidungsprozessen umfangreich beteiligt wird. Dieses transparente Verfahren ist wirklich beeindruckend und zeitgemäss. In Deutschland hingegen wurde der Standort Gorleben bereits 1977 ausgewählt. Wir können die Uhren nicht zurückdrehen, aber auf jeden Fall einiges von der Schweiz lernen.
Wie beurteilen Sie den Schweizer Weg bei der Entsorgung?
Ich bin davon überzeugt, dass dieser Weg gut und richtig ist. Erstens deshalb, weil die Entscheidungsprozesse in der Schweiz auch umkehrbar sind. Die Bevölkerung weiss, dass es die Möglichkeit gibt, Abfallbehälter aus einem Lager wieder herauszuholen, falls die Sicherheit nicht auf Dauer gegeben sein sollte. Zweitens ist die transparente Kommunikation wesentlich. In der Schweiz ist es nicht zuletzt dadurch gelungen, bei den Menschen eine bemerkenswerte Akzeptanz hinsichtlich des Themas Entsorgung zu erreichen.
Können Deutschland und die Schweiz voneinander lernen?
In Fragen der Entsorgung kann Deutschland von der Schweiz lernen. So habe ich nach dem Besuch in der Schweiz beim deutschen Bundesumweltminister Röttgen bewirken können, dass die Rückholbarkeit jetzt auch in das deutsche Endlagerkonzept aufgenommen wird.
Fest steht auch, dass in Gorleben die weitere Erkundung in grosser Transparenz stattfinden muss. Mein Ziel ist eine Art «gläserne Erkundung», unter Einbeziehung der Bevölkerung und mit Beteiligung von internationalen Wissenschaftlern. Und dabei sind uns auch die Schweizer herzlich willkommen.
Hans-Heinrich Sander hat seit April 2003 das Amt des niedersächsischen Ministers für Umwelt und Klimaschutz inne und ist seitdem Mitglied des niedersächsischen Landtages. Er wurde am 18. April 1945 in Golmbach, Landkreis Holzminden in Niedersachsen, geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der staatlich geprüfte Landwirt hat an der PH Göttingen studiert. Seit 1973 bis zur Wahl in den Landtag des Bundeslandes Niedersachsen im Jahr 2003 war Herr Sander Rektor einer Grund- und Hauptschule in Beven. Er ist Mitglied der FDP seit 1968, Mitglied im Vorstand und stellvertretender Vorsitzender der FDP Niedersachsen. |