Seismische Messungen der Nagra abgeschlossen
Vibrationsfahrzeug der Messfirma DMT im winterlichen Feldeinsatz. | | Philip Birkhäuser, Projektleiter Seismik bei der Nagra. |
«Mit den seismischen Messungen gewinnen wir weitere wichtige Informationen über den Untergrund», erklärt Philip Birkhäuser, Projektleiter Seismik bei der Nagra. Die Messungen dienen der vertieften Untersuchung der Standortgebiete für geologische Tiefenlager. Die Ergebnisse fliessen zusammen mit vielen anderen Daten in den Einengungsprozess im Rahmen des Sachplans geologische Tiefenlager ein.
Vom 24. Oktober 2011 bis 7. März 2012 wurden vier der sechs vorgeschlagenen Standortgebiete vertieft seismisch untersucht: Südranden, Nördlich Lägern, Jura Ost und Jura-Südfuss.
Die Messungen hatten zum Ziel, die geologischen Informationen für den Sicherheitsvergleich weiter zu vertiefen. Die Standortgebiete Zürich Nordost und Wellenberg wurden bereits sehr detailliert untersucht. Insgesamt wurde eine Strecke von rund 300 km vermessen, auch auf Empfehlung der betroffenen Kantone durchgeführt.
Gestartet wurden die Messungen in den beiden geologischen Standortgebieten Nördlich Lägern und Jura Ost. Beide Gebiete sind aufgrund der verfügbaren Kenntnisse sowohl für die Lagerung von schwach- und mittelaktiven Abfällen als auch für jene von hochaktiven Abfällen geeignet. Da man bei den hochaktiven Abfällen in den Langzeitsicherheitsanalysen einen Zeitraum von einer Million Jahren betrachten muss, wurden die Messlinien wie ein Netz auch über die Standortgebiete hinaus gelegt. «In Anbetracht der langen Zeiträume muss man auch geologische und tektonische Gegebenheiten rund um die Gebiete genau betrachten», erläutert Birkhäuser.
Im Verlauf der Messkampagne dehnte man die Untersuchungen dann auf die beiden Gebiete Jura-Südfuss und Südranden aus. In diesen Gebieten wurden je drei Linien in den Grenzen des geologischen Standortgebiets vermessen. «Wir haben das bereits bestehende seismische Netz mit unseren Messlinien verdichtet und bekommen so Daten, die bei der Einengung eine Rolle spielen können», erklärt Birkhäuser.
Rund 100 Messtage waren die insgesamt 130 Mitarbeiter der beauftragten Firmen draussen im Feld aktiv. Von goldenen Herbsttagen über eiskaltes Schneetreiben bis hin zum ersten Frühlingserwachen – es wurde von Montag bis Samstag gemessen. Da es keine Schweizer Firma gibt, die einen Auftrag in diesem Umfang abwickeln kann, wurde die deutsche Firma DMT beauftragt. DMT hat weltweit viel Erfahrung auf diesem Gebiet.
Mit ihrem Tross aus Vermessern, Kabelauslegern, Bohr- und Sprengmeistern, den Fahrern der Lastwagen und vielen Zuarbeitern zog sie Messlinie für Messlinie entlang. An manchen Orten bzw. in manchen Ortschaften kam sie bis zu dreimal vorbei – was für die Anwohner durchaus verwirrend sein konnte. Jeder Grundstücksbesitzer, auf dessen Gelände gemessen oder Kabel verlegt wurden, musste vorgängig um Erlaubnis gefragt werden. Nicht immer hat dabei alles restlos geklappt. In ganz wenigen Fällen war die Information nicht genügend oder zu spät – bei der Grösse des Projekts fast unvermeidbar. In diesen Einzelfällen wurden individuelle Lösungen gefunden.
Gesamthaft waren es rund 1700 Grundstückbesitzer, die angefragt wurden. Nur vierzehn haben ihre Erlaubnis verweigert. «Diese grosse Zustimmung hat uns sehr gefreut», sagt Birkhäuser. «Jetzt folgt die Phase der sorgfältigen Auswertung der gewonnenen Daten», fährt er fort. Gegen Ende des Jahres werden die Ergebnisse vorliegen.
Abschluss der seismischen Messungen: 7. März 2012, 14.15 Uhr an der Zollstrasse
in Neuhausen SH.
Philip Birkhäuser erklärt bei einer Feldbegehung das Prinzip der seismischen
Messungen.